Strengstes Jugendverbot – Eine Jugend im Kino der 80er Jahre

Titel: Strengstes Jugendverbot – Eine Jugend im Kino der 80er Jahre  Autor: Robert Bernnat  Verlag: Books on Demand, April 2020  Umfang: 172 Seiten, Paperback
ISBN: 978-3-75190586-2 Preis: 7.95 Euro, E-Book: 3.49 Euro

© BoD

Die 80er Jahre krempelten die deutsche Kinoszene spürbar um: Aus ehemals großen Lichtspieltheatern wurden Kinocenter mit kleinen Schachtelkinos. Oder sogar Servicekinos, in denen Speis‘ und Trank im Saal verkauft wurde.

Die Feinde waren Videorekorder und Privatfernsehen, auf großen und – vor allem kleinen – Leinwänden tummelten sich damals noch  (weiche wie harte) Sexfilme neben Filmkunst von Woody Allen oder Margarethe von Trotta …

 

Der Roman Strengstes Jugendverbot – Eine Jugend im Kino der 80er Jahre erzählt über diese Zeit. Der Autor – Jahrgang 1972 – war über 20 Jahre in der Branche tätig und hat somit intime Kenntnisse über viele Dinge hinter den Leinwänden…

Was mir beim ersten Blättern des Büchleins gleich gefallen hat: Die ingesamt 26 Kapitel wurden alle nach Filmen benannt, die mir gut bekannt sind. Ich habe deshalb in meinem Archiv gewühlt und die vergilbten Werbeannoncen von einem halben Dutzend 80er-Jahre-Filme hier eingestreut:

Der Protagonist des Buches heißt Christian, ist 16 Jahre alt und wird von allen nur der Cinechris genannt: Denn sowohl sein Vater als auch sein Onkel sind Kinobesitzer, die im fiktiven Ingelstadt (80.000 Einwohner) die – auch mal konkurrierenden – Kinocenter Astoria (4 Leinwände, davon ein Pornokino) und City (5 Leinwände) betreiben.

Wir bekommen also kleine Geschichten zu lesen. Von einem jungen Mann, der sich zunehmend fürs andere Geschlecht interessiert. Und das sind nicht nur die großbusigen Frauen auf der Leinwand im Lux Intim Nonstop, sondern vor allem Mädchen (Annette, Tanja, Laura…) aus seinem Umfeld. Um der drögen Enge seiner Heimatstadt zu entfliehen, unternimmt Christian einen Trip ins große Berlin der 80er, kehrt aber bald nach Ingelstadt zurück…

Obwohl die Geschichte nicht gerade als literarische Großtat zu bezeichnen ist, hat sie mich doch gleich interessiert und ich habe das Büchlein fast am Stück durchgelesen. Denn hier erzählt ein Insider des Kinos aus der Branche, in der auch ich mich gut auskenne:

  • Da ist vom Endlos-Filmteller im Pornokino die Rede, der zwar die 35 mm-Kopie alles andere als pfleglich behandelte, aber einen Nonstop-Betrieb nach dem Motto Kommen Sie, wann sie wollen. Gehen Sie, wenn sich nicht mehr können! ermöglichte.
  • Da werden der Langnese-Film und der Eisverkäufer im Saal erwähnt, die ich fast vergessen hatte.
  • Paul-Heinz Knipp vom Starnberger See, Als die Frauen noch Schwänze hatten mit (kein Witz!) Senta Berger, raschelnde Holdenns-Tüten, erpresserische Konditionen mancher Filmverleiher – das sind Begebenheiten aus dem Kinoalltag.
  • Die kleine Anekdote mit dem Spedi hat mich am meisten amüsiert und muss hier dem fachfremden Leser erklärt werden: Im analogen Filmzeitalter kam immer mittwochnachts der Spediteur ins Kino, brachte die neuen Kopien (Filmstart am Donnerstag) und nahm die alten 35 mm-Filmkartons wieder mit.
    Dass der Spedi die Schlüssel für jedes Kino hat, merkt Cinechris leider zu spät, als beim nächtlichen Schäferstündchen mit Tanja im Lux Intim (sic!) plötzlich das Licht angeht…

In Strengstes Jugendverbot – Eine Jugend im Kino der 80er Jahre erzählt ein Kinoinsider von einer aufgeregten Dekade aus der Filmtheaterbranche. Die fiktive Geschichte, die sicherlich durch wahre Begebenheiten inspiriert wurde, ist vor allem für langjährige Kinobetreiber, Vorführer und Filmfans interessant, die mal hinter die Leinwände gucken möchten.


Wer mehr sich für die Filme dieses Jahrzehnts interessiert:

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