The Demolisher

Land: Kanada 2015  Regie: Gabriel Carrer  Mit: Ry Barrett, Tianna Nori, Jessica Vano Label: Meteor  FSK: 18 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Meteor

 

Was ist die Aufgabe der Texte auf DVD-Hüllen?
In erster Linie sollen sie über den Film informieren, in zweiter den Leser möglichst zum Kauf animieren.
Das tun die meisten wohl auch, und zwar kurz und bündig. Manchmal jedoch stößt man dabei auch auf wahre Poeten unter den Schreibern, die sämtliche Hemmungen fallen lassen und gar kein Halten mehr kennen.

 

Ein solches Beispiel findet sich auf der Hülle von The Demolisher des kanadischen Regisseurs und Drehbuchautors Gabriel Carrer: „In der Tradition der Grindhouse-Klassiker der 80er Jahre, irgendwo zwischen Exterminator und Maniac (der Autor verwechselt hier eindeutig Maniac mit Maniac Cop) entfesselt Regisseur Carrer ein moströses Biest von einem Film, dessen energetisch pulsierender Synthie-Soundtrack den Zuschauer auf eine intensive Reise in ein verstörtes Hirn entführt. Ry Barrett verkörpert den dunklen Rächer in einer schauspielerischen Tour de Force, begleitet von einer gnadenlos brillanten Kamera, die sich in Reminiszenz an Nicolas Winding Refn gierig an einem Cocktail aus Schmutz, Blut und Neon betrinkt. Unter all seiner Gewalt ist The Demolisher nicht nur ein Adrenalinrausch, sondern eine bedrückende Studie menschlicher Obsession im Schatten tiefer Verzweiflung. The Punisher für eine neue Generation. Ein Film, den keiner so schnell vergessen wird.“

Welche Substanzen der Verfasser dieser Zeilen auch immer zu sich genommen hat, bevor er sich den Film anschaute – so ganz nüchtern scheint er wahrlich nicht gewesen sein, denn The Demolisher ist im Grunde nur ein weiterer Versuch, zwei vollkommen gegensätzliche Filmgenres miteinander zu vermischen, in diesem Fall einen brutalen Selbstjustiz-Actioner und einen Arthaus-Film. Damit setzt sich The Demolisher natürlich zwischen mindestens zwei Stühle und liefert ein entsetzlich prätentiöses Machwerk, das niemandem wirklich gefallen dürfte. Die Geschichte von Bruce, der aus Verzweiflung über das Schicksal seiner an den Rollstuhl gefesselten Frau nach einem Überfall irgendwelcher Verbrecher zum Rächer wird, der in einer Kampfmontur der Polizei nachts loszieht und wahllos Menschen zusammenschlägt, ist weder besonders interessant noch innovativ. Vor allem aber versteht es der Hauptdarsteller nicht, beim Zuschauer Mitleid oder gar Verständnis für sein Tun zu wecken, denn dazu bleibt er die ganze Zeit über viel zu ausdruckslos.

Vollends absurd wird das Ganze, als er sich einbildet, eine junge Frau würde ihn verfolgen und er nun seinerseits alles daran setzt, um sie aus dem Weg zu räumen. Die längste Sequenz des ohnehin äußerst dialogarmen Filmes besteht darin, dass Bruce die Frau durch die Nacht einer seltsam menschenleeren Großstadt jagt, nur begleitet von einem besonders aufdringlichen und nervtötenden Soundtrack.

Eigentlich genügen die ersten 10 Minuten, um den Film zu demaskieren; eine Abfolge unzusammenhängender Bilder und Szenen dient als Exposition, mit so etwas Banalem wie Dialogen gibt sich Carrer nicht ab, aus dem chronologischen Durcheinander soll sich der Zuschauer gefälligst selbst einen Reim machen, schließlich wird ihm hier ein Kunstwerk präsentiert. Und so kommt der geplagte Rezensent nach 83 qualvollen Minuten zu dem Schluss, dass wenigstens der letzte Satz auf der Hülle stimmt; The Demolisher ist tatsächlich ein Film, „den keiner so schnell vergessen wird“, denn ein einleuchtenderes Beispiel für Inkompetenz, gepaart mit angeblichem künstlerischen Anspruch, findet man nicht so schnell wieder.


Technische Daten:

Bild: 2,35:1 (1.080p) / (16:9) anamorph
Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1/ DD 5.1, Englisch DTS-HD Master Audio 5.1/ DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: Ungeschnitten, ca. 86 Min. / ca. 83 Min.

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