Bumblebee

Land: USA 2018  Regie: Travis Knight  Mit: Hailee Steinfeld, John Cena, Megyn Price, Pamela Adlon, Kenneth Choi, John Ortiz, Jorge Lendeborg jr., Jason Drucker, Rory Markham  LabelUniversal  VÖ: 2.5.2019  FSK: 12  –  Ein Beitrag von Julian Dax:

© Universal

Wer hätte das gedacht?!
All diejenigen, die, wie der Verfasser dieser Zeilen, allein schon bei dem Gedanken an einen weiteren Film aus dem Transformers-Universum Pickel kriegen, dürfen aufatmen; Bumblebee ist tatsächlich auch für Menschen jenseits von 12 Jahren unterhaltsam  und verursacht vor allem weder Kopfschmerzen noch Übelkeit, so wie die zunehmend längeren, lauteren und hirnrissigeren fünf Vorgängerfilme von Regisseur Michael Bay, der hier lediglich als einer der Produzenten in Erscheinung tritt.

Auf Cybertron, dem Heimatplaneten der guten Autobots und der bösen Decepticons, herrscht Krieg, den die Autobots zu verlieren scheinen. Deshalb beordert deren Anführer Optimus Prime den jungen Soldaten B-127, sich auf eine Mission zum erst kürzlich entdeckten Planeten Erde zu begeben und auf weitere Befehle zu warten. Leider bleibt diese Mission nicht unentdeckt, und zwei besonders fiese Decepticons folgen dem gelben B-127. Es kommt zu einem ersten Kampf, in dessen Verlauf B-127 sowohl seinen Stimmenmodulator als auch Teile seines Gedächtnisses verliert und sich fortan in Gestalt eines ramponierten VW-Käfers auf einem Schrottplatz versteckt.

Von dort gelangt er in den Besitz der 18jährigen Charlie Watson (Hailee Steinfeld), die schon bald feststellt, dass ihr „Auto“ über Fähigkeiten verfügt, die weit über den bloßen Transport von A nach B reichen. Vor allem aber bemerkt sie, dass sich dieses empfindsame Wesen, dem sie kurzentschlossen den namen Bumblebee (Hummel) verpasst,  ebenso allein und missverstanden fühlt wie sie selbst. So weit, so „E.T.“ (Auch Steven Spielberg wird hier als Produzent genannt!)

Doch kaum haben die beiden Außenseiter Freundschaft geschlossen, gilt es, den Kampf sowohl gegen die beiden immer noch aktiven Decepticons als auch gegen die Regierungsvertreter aufzunehmen, denen die Decepticons weisgemacht haben, der gelbe Riesenroboter sei der eigentliche Feind. Es kommt zum Showdown, bei dem Bumblebee und Charlie unbedingt verhindern müssen, dass die Decepticons einen Funkspruch nach Cybertron absetzen und somit die Erde in große Gefahr bringen.

Regisseur Travis Knight (Coraline, ParaNorman), der mit Bumblebee seinen ersten „realen“ Film abliefert, konzentriert sich dankenswerterweise nicht auf die von Michael Bay bis zum Exzess und darüber hinaus exerzierten Zerstörungsorgien von Riesenrobotern, die man weder auseinanderhalten kann noch in der Lage ist, dem extrem schnell geschnittenen Geschehen auf der Leinwand zu folgen. Stattdessen steht bei ihm die Freundschaft zwischen Charlie und Bumblebee absolut im Mittelpunkt. Und Hailee Steinfeld ist eine derart talentierte Schauspielerin, dass man ihr jede Bewegung und jeden Satz sofort abnimmt. Vor allem wirkt sie ungeheuer sympathisch und und nimmt einen als Zuschauer sofort für sich ein, ganz gleich, ob es ihre Trauer um den jüngst verstorbenen Vater ist oder ihre Auseinandersetzung mit einer fiesen Mädchenclique an ihrer Schule.

Da der Film im Jahre 1987 spielt, gibt es zum Glück auch nichts am reichhaltigen Soundtrack auszusetzen; kein nervtötendes Rapgedöns, sondern u.a. The Smiths, Steve Winwood, Tears For Fears und Simple Minds mit „Don´t You Forget About Me“ aus John Hughes‘ Kultfilm The Breakfast Club, den sich Bumblebee auf Video anschaut. Und sogar die musikalische Untermalung einer wahnwitzigen Verfolgungsjagd birgt ein musikalisches Zitat, denn man hört „I Can´t Drive 55“, Sammy Hagars Hymne für alle Bleifüße.

Und da die Actionsequenzen in Bumblebee so übersichtlich geschnitten sind, dass man ihnen problemlos folgen kann und der Film mit knapp zwei Stunden Laufzeit auch die Geduld des Zuschauers nicht überstrapaziert, kann man dieses Prequel als Sonderfall der Filmreihe ansehen; es ist tatsächlich sehenswert!

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4 Antworten zu Bumblebee

  1. zacksmovie schreibt:

    Ganz genau so habe ich empfunden, als ich BUMBLEBEE im Kino gesehen habe. Er ist auch einer der Filme, bei dem ich es nicht bereut habe, ihn im Kino gesehen zu haben.

    Gefällt 1 Person

    • Liegeradler schreibt:

      Das hatte ich mal zu „Transformers 2“ geschrieben:

      Fast alle Spielfilme des ehe-maligen Musikvideo-Regisseurs Michael Bay („The Rock“, „Armageddon“) gehorchen einfachen Gesetzen: Die Handlung ist eher rudimentär, dafür wird der Zuschauer optisch und akustisch überreizt, wenn auf der Lein-wand maximale Materialschlach-ten zelebriert werden. Als be-sondere Stinker in der Filmo-graphie des 44-Jährigen gelten der Patriotenschmarren „Pearl Harbour“ (2001) und der men-schenverachtende Actionfilm „Bad Boys II“ (2003), dessen Ideologie am besten ein Zitat verdeutlicht: „Zum Killen brauchst du keine Gründe, son-dern nur Waffen“.
      Im Jahr 2007 kam Michael Bays „Transformers“ in die Kinos, der auf den gleichnamigen Ac-tion-Spielzeugfiguren basiert. Das lautstarke Robotergekloppe wurde in Zusammenarbeit mit der US-Armee produziert, die Geld, Kriegsgerät und Soldaten zur Verfügung stellte. Der brachiale Actionstreifen – in Deutschland war er ab 12 Jahren freigegeben – spielte weltweit mehr als 700 Millionen Dollar ein, Fortsetzungen waren also sicherer als das Amen in der Kirche.
      Nun also der zweite Teil, in dem der Pyromane Bay noch einen draufgelegt hat. Was jedoch dazu führt, dass man „Transformers – Die Rache“ auf einen einzigen Satz reduzieren kann: Es kracht doppelt so laut wie im ersten Teil und fünfmal so oft, aber es interessiert den Zuschauer nur noch einen Bruchteil vom Vorgänger.
      Denn auf der Leinwand kommt die Fortsetzung wie das Werk eines Heranwachsenden daher, der zwar viele Millionen Dollar für Spezialeffekte hatte, aber trotzdem nur seine pubertären Sexualneurosen verfilmte: Da stapft ein riesiger Roboter mit bau-melnden Stahlhoden durch die Landschaft. Da transformiert ein kleiner Blechheini zum hundeähnlichen Gerät, um Menschen am Bein zu rammeln. Und wenn die Hauptfiguren durch die Luft fliegen, landet der Kopf des Mädchens natürlich im Schoß des Jungen…
      Da bei der Produktion das kom-plette Budget in die stellen-weise beeindruckende digitale Bildgestaltung floss, blieb für das Drehbuch mit einer Art Handlung kein Geld mehr übrig. Und so erweist sich auch die zweite Transformers-Schlacht wie ein typischer Michael Bay-Film: Krude Geschichte, zäh-flüssige Dialoge wie kaltes Roboteröl, überkandidelte Ac-tionsequenzen und vor allem durchgehende Lobgesänge aufs Soldatentum.
      Letztendlich bricht aber die Laufzeit dem Film endgültig das Genick. So gebe die dünne Geschichte zwar einen prima Actionfilm von knapp 30 Minuten ab, wurde aber auf apokalyptische zweieinhalb Stunden aufgeblasen. Dass die hemmungslose Schlacht nicht für Heranwachsende geeignet ist, sei dabei nur am Rande erwähnt.

      Gefällt 1 Person

  2. Stepnwolf schreibt:

    Hätte nicht gedacht, dass es im Transformers Franchise fernab von stupider Action auch anderes geben kann. Leider habe ich „Bumblebee“ noch nicht gesehen, aber aufgrund der überwiegend positiven Kritiken werde ich dann doch mal wieder dem Franchise einen Besuch abstatten.

    Gefällt 1 Person

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