Star Wars: Die letzten Jedi

Land: UK 2017  Regie: Rian Johnson  Mit: Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega  LabelDisney  Veröffentlichung: 26.4.2018  FSK: 12

Ein Beitrag unseres ehemaligen (!) Jedi-Ritters Julian Dax:

© 2001 SNOWBOUND, ALL RIGHTS RESERVED

Star Wars Fans müssen wirklich hart im Nehmen sein, wenn man überlegt, was ihnen die Macher dieser unendlichen Geschichte schon so alles vorgesetzt haben: kämpfende Teddybären am Ende von Die Rückkehr der Jediritter, Jar Jar Binks und fischköpfige Aliens mit französischem Akzent (zumindest in der deutschen Synchronisation) in Die dunkle Bedrohung, ein nachträglich von George Lucas manipulierter zuerst schießender Greedo in Eine neue Hoffnung, eine sich über alle Filme erstreckende schrecklich wichtig nehmende Philosophie und nicht zuletzt eine unüberschaubare Menge an Merchandisingmüll, die man als Fan natürlich besitzen sollte.

Doch mit dem achten Film der Reihe – Die letzten Jedi – geschah kurz nach dessen Kinoeinsatz etwas bisher Undenkbares: enttäuschte Fans starteten eine Kampagne mit dem Ziel, dass der Film aus dem offiziellen Star Wars-Kanon entfernt werde, da er gegen etliche Prinzipien der Saga massiv verstoße. Zusätzliches Öl ins Feuer goss dabei auch Mark Hamill, der sich ebenfalls alles andere als zufrieden zeigte mit der Entwicklung, die sein Charakter in diesem Film genommen hat und von Disney deshalb einen Rüffel einstecken musste. Entfernt sich der vorletzte Film der Reihe tatsächlich so sehr von den bisherigen Folgen, oder was mag das Entsetzen der Fans sonst ausgelöst haben?

Auf den ersten Blick ist eigentlich alles so, wie man es gewohnt ist: Weltraumschlachten wechseln sich ab mit intimeren Momenten, in denen die Verhältnisse der Protagonisten zueinander geklärt werden, ständig wechseln die Schauplätze, bei den Spezialeffekten waren ausschließlich Könner am Werk, die Musik ist gewohnt bombastisch, und zudem trifft man auch auf gute alte Bekannte. Business as usual, so könnte man also meinen. Schaut man etwas genauer hin, so merkt man, dass Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson sich einige Eigenmächtigkeiten erlaubt hat, die offensichtlich nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen sind. In erster Linie hängen diese Eigenmächtigkeiten wohl tatsächlich mit Luke Skywalkers Entwicklung zusammen. Nachdem Rey den gesamten Vorgängerfilm damit verbracht hat, Skywalker zu suchen, damit er den Rebellen bei ihrem hoffnungslos erscheinenden Kampf gegen das finstere „First Order“-Regime hilft und ihm zu Beginn von Die letzten Jedi ehrfürchtig sein altes Laserschwert überreicht, wirft der nur einen kurzen spöttischen Bllick darauf, nur um es anschließend über die Schulter zu werfen. Geht man wirklich so mit liebgewordenen Mythen um?

Zugegeben, Mark Hamill ist als verwitterter, desillusionierter Jedi in all seinen Szenen grandios, doch dass er in der finalen Konfrontation mit seinem ehemaligen, zur Dunklen Seite übergewechselten Meisterschüler Kylo Ren lediglich sein jüngeres Hologramm antreten lässt, kann man nur als schlechten Witz bezeichnen.

L to R: Director Rian Johnson with Carrie Fisher (Leia) on set.
Photo: David James, ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Aber es gibt noch mehr Elemente in Die letzten Jedi, die nicht so recht funktionieren; anstatt sich auf die wirklichen Hauptfiguren zu konzentrieren, widmet sich der Film viel zu oft neu eingeführten Charakteren, die bereits nach kurzer Zeit nerven. Besonders auffällig wird das im Fall der jungen Rebellin Rose, die als neue Freundin von dem desertierten Stormtrooper Finn fungiert; da „Star Wars“ in China bisher nicht so viel eingespielt hat wie erwartet, wird man als Zuschauer den Verdacht nicht los, diese doch sehr kindlich wirkende chinesischstämmige Schauspielerin sei nur besetzt worden, um in China ein paar Kinokarten mehr zu verkaufen. Und auch Benicio del Toros Figur ist im Grunde vollkommen überflüssig – wie eigentlich die gesamte Sequenz auf einem Vergnügungsplaneten, der einem überdimensionalen Las Vegas ähnelt und die den ohnehin viel zu langen Film (152 Minuten!) zusätzlich dehnt.

Über die „humoristischen“ Einlagen – zu denen auch eine neue Spezies beitragen soll, eine Art Kreuzung aus Vogel und Hamster, breitet man lieber ganz den Mantel des Schweigens aus; vor allem angesichts der unzähligen Toten wirken die albernen, dazwischen gestreuten Witzchen doch äußerst unpassend.

Man hat Die letzten Jedi bereits mit Das Imperium schlägt zurück verglichen, dem wohl unbestritten besten Film der Reihe, der es ausgezeichnet verstanden hat, den ernsten Grundton der Handlung etwas aufzulockern und zudem ebenfalls als eine Art Bindeglied zwischen dem ersten und letzten Film einer Trilogie betrachtet werden kann, doch von Irvin Kershners Meisterwerk ist dieser bisher letzte Ausflug in eine weit, weit entfernte Galaxis meilenweit entfernt. So bleibt zumindest die Hoffnung, dass der Schlusspunkt der angeblich letzten Star Wars-Trilogie die gröbsten Fehler wieder bereinigt. Im Dezember 2019 weiß man mehr.


DVD:

Lauflänge: 146 Minuten
Bildformat: 2,39:1 / 16:9
Sprachversionen / Tonformat:
Deutsch: Dolby Digital 5.1
Englisch: Dolby Digital 5.1
Türkisch: Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Türkisch und Englisch für Hörgeschädigte

Blu-ray:

Lauflänge: 152 Minuten
Bildformat: 2,39:1 / 16:9
Sprachversionen / Tonformat:
Deutsch: Dolby Digital plus 7.1
Englisch: DTS-HD HR 7.1
Polnisch: Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Polnisch und Englisch für Hörgeschädigte

4K UHD Blu-Ray:

Lauflänge: 152 Minuten
Bildformat: 2,39:1 / 16:9
Sprachversionen / Tonformat:
Deutsch: Dolby Digital plus 7.1
Englisch: Dolby Digital plus 7.1
Englisch: Dolby Atmos 7.1.4
Untertitel:
Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte

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3 Antworten zu Star Wars: Die letzten Jedi

  1. pauk1234 schreibt:

    Habe dazu vor ein paar Monaten auch mal meinen Senf dazu gegeben. Stimme dir in den genannten Punkten zu. Der Film kommt meiner Meinung nach stark an episode 1 heran. Nicht ganz so schlecht, aber immer noch schlecht (für einen Star wars Film)

    Gefällt 1 Person

  2. filmfuzzy schreibt:

    Auch der Friede unter den Star Wars Fans ist in Gefahr. Dieses neue Weltraumabenteuer von Regisseur Rian Johnson, der auch das Drehbuch schrieb, ist sehr zwiespältig von den Fans aufgenommen worden. Wobei die Verrisse fast überwiegen. Zwar ist die technische Umsetzung wirklich gelungen, aber die Geschichte sieht doch sehr nach Disney und seinem Verlangen von Making Money aus.
    Dazu kommen tausende witzige Tierchen in Kuscheltier- oder Pokemon-Optik, alles darauf ausgerichtet viele, viele kleine Tierchen im Anschluss verkaufen zu können. Auch der zwanghafte Versuch witzig zu sein geht voll in die Hosen. Der Bezug zur Originalgeschichte des Georg Lucas findet sich nicht mehr wieder. Was erzählten mir einige Fans beim Verlassen des Kinos: “Das war wohl mein letzter Besuch von „Star Wars“.
    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    Gefällt mir

  3. Lufio schreibt:

    Sehr gute Kritik, gerade der Humor hat mich auch sehr gestört. Ich habe ja nix gegen etwas Witz, aber muss es ein „Dein-Mutter-Gag“ am Anfang des Films sein. Jeder Ernst wurde durch Humor unterbrochen. Dazu kommen noch die vielen anderen Kritikpunkte.

    Trotzdem habe ich meinen Frieden mit dem Film geschlossen. Johnson hat wenigstens versucht etwas neues zu machen und neue Dinge einzuführen. Er ist selbst riesiger Fan und wollte seine eigene Interpretation umsetzten. Die flachen Witze und (un-)lustigen Tierchen sind mit Sicherheit auf den Mist von Disney gewachsen. Die Kuh muss halt gemolken werden.

    Das mit der letzten Trilogie stimmt übrigens leider nicht. Es sind zwei weitere in Arbeit von Johnson und von den Game of Thrones-Machern. Vielleicht probieren sie da aber etwas neues und lassen die Hauptstory endlich in Ruhe.

    Gefällt 1 Person

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