R. W. Fassbinder: Die Filme 1966-1982

Titel: R.W. Fassbinder: Die Filme 1966-1982
Autoren:
Lothar Schirmer und Juliane Lorenz [Hrsg.]
Verlag: Schirmer/Mosel, München 2016
Umfang: 328 Seiten, 1414 Abbildungen
ISBN: 978-3-8296-0698-1
Preis: € 49.80, (A) € 51.20, CHF 57.30

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Ende der 70er Jahre machte die ernstgemeinte Frage Wer ist der deutsche Regisseur mit den meisten Filmen und den wenigsten Zuschauern? unter uns Kinofanatikern die Runde.

Nun endlich erschien ein Bilderbuch, nein, ein gewaltiger Bilderkatalog über die bewegten und bewegenden Filme von Rainer Werner Fassbinder (1945-1982), der mit nur 37 Jahren starb und uns 44 Kino- und Fernseharbeiten hinterlassen hat.

Ich möchte ein Haus mit meinem Filmen bauen. Einige sind der Keller, andere die Wände, und wieder andere sind die Fenster.
Aber ich hoffe, dass es am Ende ein Haus wird.
[Rainer Werner Fassbinder, 1982]

Persönlicher Blick zurück: Als Antwort auf die obige Frage schaute ich mir 1979 meinen ersten Film von R. W. Fassbinder an: Die 3. Generation lief bei uns nur eine kurze Woche im allerkleinsten Kinosaal. Bis zu seinem Tod im Jahre 1982 konnte ich noch vier weitere Arbeiten (Lili Marleen, Lola, Veronika Foss, Querelle) des Workaholic auf der großen Leinwand gucken. Und danach viele ältere Filme im Fernsehen, in damals so genannten Programmkinos oder bei Festivals (Danke an Heinz Badewitz † für den Ballhaus-Kreisel in Martha!).

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Welt am Draht (1973)
© Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin /courtesy Schirmer/Mosel

Meine Fassbinder-Biografie aus Hansers Blauer Reihe (Artikel) ist zwar vollständig, aber nur spärlich bebildert. Deshalb war ich mehr als begeistert, den großformatigen Bildband R.W. Fassbinder: Die Filme 1966-1982 im Frühsommer 2016 in die Hände zu bekommen!
Als langjähriger Sammler von Filmliteratur stellt man sich ja so einige Druckwerke ins Regal. Manches blättert man nie wieder durch und einiges gezielt zum Nachschlagen.

Und dann gibt es noch die eher wenigen Prachtbücher, deren Besitz einem schon ein gutes Gefühl gibt. Und deren Benutzung (geistig/optisch/haptisch) ein wahres Vergnügen ist!
Der knapp 2000 Gramm schwere Band aus dem Hause Schirmer/Mosel gehört eindeutig in diese Kategorie.

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Liebe ist kälter als der Tod (1969)
© Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin /courtesy Schirmer/Mosel

Das bietet dieses wunderbare Buch dem geneigten Leser:

  • Drei Einleitungen, die von Lothar Schirmer (Herausgeber und Kunstsammler), Juliane Lorenz (Cutterin, Filmschaffende und Geschäftsführerin der 1986 gegründeten Rainer Werner Fassbinder Foundation) und Laurence Kardish (Museum of Modern Art) verfasst wurden
  • Eine Übersicht über alle Fernseh- und Kinofilme von R.W. Fassbinder mit insgesamt 1368 Einzelbildern: Jedem Film sind sechs Seiten gewidmet, für die TV-Mehrteiler hat man natürlich mehr Platz reserviert. Wir finden Stab- und Inhaltsangaben, dazu zwei größere Fotografien, oftmals mit dem Regisseur während der Dreharbeiten. Dann eine mehrseitige Bilderstrecke, deren einzelne Aufnahmen direkt den Filmkopien (oder in Einzelfällen den Magnetbändern) entnommen wurden.
    Herzlichen Dank an die Herausgeber, dass man diese Bilder in den originalen Formaten (Normal, Breitwand oder CinemaScope) belassen hat!
  • Elf persönliche Texte von Rainer Werner Fassbinder, darunter Lebensläufe, Bewerbungen sowie Gedanken zu eigenen Filmen und Darstellern
  • Eine Doppelseite, auf der langjährige Mitstreiter/innen Fassbinders mit Foto gewürdigt werden. Dazu gehören neben den drei wichtigsten Kameramännern (Dietrich Lohmann, Michael Ballhaus, Xaver Schwarzenberger) beispielsweise Peer Raben (Musik), Rolf Zehetbauer (Ausstattung) oder auch Juliane Lorenz (Schnitt)
  • Ein Register der Darsteller/innen mit den Angaben, wer in welchen Filmen mitgespielt hat
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Martha (1973)
© Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin /courtesy Schirmer/Mosel

R.W. Fassbinder: Die Filme 1966-1982 ist ein ebenso groß- wie auch einzigartiges Bilderbuch zum Erinnern, Schwelgen und gezielten Nachschlagen längst vergangener Tage. Es legt in Texten und Bildern umfassend Zeugnis ab über einen ruhe- und rastlosen Filmemacher, der als genialer Vertreter des Neuen Deutschen Films weltweit Geschichte geschrieben hat. Kaufempfehlung!

Schlafen kann ich, wenn ich tot bin! [Rainer Werner Fassbinder]


In meinem perösnlichen Kino-Archiv fand ich noch die Werbeanzeigen von vier R.W. Fassbinder-Filmen:

lili-marleen-annonce lola-annonce veronika-voss-annonce querelle-annonce

 

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Eine Antwort zu R. W. Fassbinder: Die Filme 1966-1982

  1. Laura Palmer schreibt:

    Ich bin ja zu jung, um Fassbinder’s Filme noch im Kino gesehen zu haben.
    Aber vor ein paar Jahren hatte ich das große Vergnügen, bei der Berlinale den Zweiteiler „Welt am Draht“ zu gucken. Morgens in der Urania. Ein echt schräger Streifen, wow!

    Gefällt 1 Person

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