Ben is Back

Land: USA 2018  Regie: Peter Hedges  Mit: Julia Roberts, Lucas Hedges, Courtney B. Vance, Kathryn Newton, Rachel Bay Jones  LabelTobis  : 7.6.2019  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© TOBIS

Manchmal traut sich kein Filmstudio an ein heikles Thema, dann wiederum erscheinen kurz nacheinander gleich zwei Filme, die mehr oder weniger dieselbe Geschichte erzählen, wenn auch mit unterschiedlichen stilistischen Mitteln. So auch im Falle von Beautiful Boy und Ben Is Back. Ist es im ersteren der Vater, der Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um seinen Sohn aus dem Drogensumpf zu befreien, wobei sich der Regisseur einer insgesamt komplizierten Erzählstruktur bedient, ist es im letzteren die Mutter, die im eher konventionell erzählten zweiten Film wie eine Löwin für ihren tablettenabhängigen ältesten Sohn kämpft.

Ausgerechnet am Tag vor Weihnachten steht Ben Burns (Lucas Hedges) vor der Tür des Hauses in dem kleinen Ort, in dem seine Mutter Holly (Julia Roberts) und seine Schwester Ivy zusammen mit seinem Stiefvater und den beiden kleinen Stiefgeschwistern leben. Obwohl er sich eigentlich in einer Entzugsklinik aufhalten müsste, behauptet Ben, er habe wegen guter Führung von seinem Sponsor die Erlaubnis erhalten, seine Familie an Weihnachten zu besuchen. Mutter, Schwester und vor allem der Stiefvater sind zwar skeptisch, und auch Holly ist nicht so ganz überzeugt, doch Ben darf für einen Tag bleiben – mit entsprechenden strengen Auflagen.

Als die Familie am Weihnachtsvorabend aus der Kirche kommt, finden sie Einbruchsspuren, der Weihnachtsbaum liegt umgeworfen auf dem Boden und der von allen geliebte Familienhund Ponce ist verschwunden. Ben ahnt sofort, dass dieser Einbruch mit seiner Rückkehr zusammenhängt, denn es gibt eine ganze Reihe von Menschen im Ort, die mit ihm noch eine Rechnung offenhaben…

Gewisse Parallelen zwischen den zwei Filmen sind wirklich nicht von der Hand zu weisen: In beiden Fällen handelt es sich um eine Familie, die keine materielle Not kennt, sowohl der Vater in Beautiful Boy als auch die Mutter in Ben Is Back haben jeweils zwei kleine Kinder von ihren neuen Ehepartnern. Vor allem aber zeigen beide Filme, wie sehr das gesamte Umfeld der Drogenabhängigen unter der ungeheuren Last leidet. Die Geschichten jedoch, die beide Filme erzählen, vor allem aber auch deren Machart, könnten unterschiedlicher nicht sein.

So erfährt man in Ben Is Back schon relativ früh den Grund für Bens Abhängigkeit; bei einer zufälligen Begegnung in einem Einkaufszentrum mit einem alten Arzt wird Holly ausfällig und wünscht dem bereits leicht senilen Mann einen möglichst schmerzhaften Tod. Er war es nämlich, der Ben nach einem Unfall mit einem Snowboard besonders starke Schmerztabletten verschrieb und der besorgten Mutter versicherte, sie seien völlig harmlos. Und wer die in den USA bereits seit Jahren grassierende sog. „Opioid-Krise“ verfolgt, weiß genau, welch erschreckende Ausmaße diese inzwischen angenommen hat.

Während der Film in der ersten Hälfte ein dichtes Familiendrama präsentiert, wandelt er sich danach in einen ebenso intensiven Thriller; Ben und Holly machen sich gemeinsam auf die Suche nach dem verschwundenen Familienhund und müssen sich dabei zwangsläufig Bens düsterer Vergangenheit stellen.

Doch ganz gleich, welchen Teil des Filmes man mehr schätzt, die schauspielerischen Leistungen von Julia Roberts und Lucas Hedges sind durchweg überragend. Roberts hat sich beständig zu einer großartigen Charakterdarstelleriin entwickelt und Hedges, dessen Vater Peter hier übrigens Regie führt, ist nach Filmen wie Manchester By The Sea, Lady Bird, Boy Erased oder Three Billboards Outside Ebbing, Missouri die erste Adresse, wenn es um die Rolle eines konfliktbeladenen jungen Mannes geht.

Vergleicht man abschließend noch einmal Ben Is Back mit Beautiful Boy, so gibt zumindest der Schreiber dieser Zeilen ersterem Film den Vorzug, vor allem, weil er seine Geschichte geradlinig erzählt und den Grund für die Abhängigkeit klar benennt, was man auch als direkte Kritik an der geradezu katastrophalen Drogenpolitik der USA interpretieren könnte.

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