Roddenberrys Idee: Die Star Trek-Originalserie im Wandel der Zeit

Titel: Roddenberrys Idee: Die Star Trek-Originalserie im Wandel der Zeit
Autor:
Jan Schliecker
Verlag: Schüren-Verlag, November 2014
Umfang: 480 Seiten, 17 x 24 cm
ISBN: 978-3-89472-768-0
Preis: 38 €, E-Book 29,99 €

Ein Beitrag unseres lebenslangen Treckies Julian Dax:

startrek-originalserie

Nachdem sich Anfang September 2016 sogar die „Tagesthemen“ ausführlich damit beschäftigt haben, muss man schon als Eremit im finstersten Wald hausen, um nicht mitbekommen zu haben, dass STAR TREK dieses Jahr den 50. Geburtstag feiert.
Aus diesem Grund gibt es nicht nur einen neuen Kinofilm (Star Trek Beyond), sondern u.a. auch einen sehr empfehlenswerten kritischen Episodenführer – so jedenfalls der Untertitel – der Originalserie. In  RODDENBERRYS IDEE beschränkt sich Autor Jan Schliecker demnach auf die 79 Folgen der drei Staffeln (1966 – 1969) sowie die sechs Kinofilme der ursprünglichen Mannschaft und die zwei mit neuen Darstellern der alten Figuren (Star Trek von 2009 und Star Trek Into Darkness von 2013).

Trotz dieser „Beschränkung“ ist ein äußerst imposantes Werk von 480 Seiten mit lediglich einigen wenigen Schwarzweißfotos entstanden, dem man auf jeder Seite anmerkt, dass es kein Jubelwerk irgendeines fanatischen Trekkies ist, sondern dass der Autor kritischen Sachverstand an den Tag gelegt hat. Zunächst einmal erfährt man sehr ausführlich, welch eine schwere Geburt die Serie war, wie unermüdlich Gene Roddenberry, der übrigens großen Wert darauf legte, von Anfang an als „Schöpfer“ von „Star Trek“ bezeichnet zu werden, Klinken putzen musste, bis sich ein Studio bereit erklärte, seine Idee zu finanzieren. Er bekam sogar eine zweite Chance, nachdem der ursprüngliche Pilotfilm („The Cage“) durchgefallen war, was ebenfalls für seinen festen Glauben, vor allem jedoch seine Hartnäckigkeit spricht.

Daran schließen sich in chronologischer Reihenfolge inhaltliche Zusammenfassungen sowie kritische Rezensionen aller 79 Episoden an, wobei das im Falle besonders gelungener Folgen – so z.B. The City On The Edge Of Forever – auch schon einmal zehn Seiten umfassen kann, und dieselbe Sorgfalt wird natürlich auch bei der Besprechung der Kinofilme erkennbar, die sich an das Kapitel Was danach geschah anschließt. Fast, aber eben nur fast, ist man als Leser manchmal geneigt auszurufen „Ist ja gut!“ angesichts der unglaublichen Fülle an Details, die auch noch mit zahlreichen Fußnoten ergänzt werden und beweisen, dass der Autor sich sehr akribisch und vor allem kritisch mit der Materie auseinandergesetzt hat.

Auf besonderes Interesse dürfte hierzulande wohl das Kapitel Star Trek in Deutschland stoßen, in dem man jede Menge interessanter Details bezüglich des Umgangs mit der Serie bei uns erfährt. Auch heute noch soll es bekanntlich Kulturschaffende geben, denen bei dem Begriff Science Fiction die Mundwinkel ebenso automatisch  wie auch verächtlich nach unten gehen. Das ist jedoch gar nichts im Vergleich zu der allgemein ablehnenden Haltung, die in Deutschland Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger herrschte. Ähnlich wie Beatmusik, wie das damals noch hieß, wurden auch SF-Filme von Publikum, vor allem aber von der Kritik, entweder nicht ernst genommen oder  gar vollkommen ignoriert.
So beschloss das ZDF, die in Raumschiff Enterprise umbenannte Serie samstags um 17.45 Uhr auszustrahlen, in direkter Konkurrenz zur Sportschau in der ARD, die damals zu den meistgeschauten Fernsehsendungen überhaupt gehörte. Auch kaufte das ZDF zunächst nur 26 Folgen, die zu allem Überfluss auch noch in völlig willkürlicher Reihenfolge gesendet wurden. Hinzu kamen noch schlampige oder gar völlig sinnentstellende Übersetzungen, die auch vor schlimmen Kalauern nicht Halt machten, da man so den Eindruck erwecken wollte, das Ganze sei ohnehin nicht ernst zu nehmen.
Als absoluten Tiefpunkt kann man wohl ein Interview mit dem damaligen Serienredakteur des ZDF, einem gewissen Herrn Dr. Willi Kowalk, bezeichnen, der auf die Frage nach den Gründen für den Nichtkauf der übrigen Folgen etwas von schlicht geschmacklos, voll purem Sadismus faselte sowie herumliegende Leichen und grausige Fratzen in Großaufnahme erwähnte. Einen fahrlässigeren Umgang bzw. schlechtere Startbedingungen kann man sich nur schwerlich vorstellen.

Trotz all dieser mehr als widriger Umstände ist jedoch auch in Deutschland die Popularität von Star Trek über die Jahre bzw. Jahrzehnte unaufhaltsam gewachsen, sind Figuren und Zitate mittlerweile zu einem festen Bestandteil des popkulturellen Kanons geworden, und auch die Anzahl der Publikationen ist ins schier Unermessliche gestiegen. Jan Schlieckers RODDENBERRYS  IDEE hebt sich eindeutig davon ab. Auch wenn sich das Buch aufgrund seiner unglaublichen Detailfülle in erster Linie wohl eher an Star Trek-Veteranen richtet, sollten sich auch genügend Neueinsteiger finden, die sich davon nicht abschrecken lassen und sich das Werk zulegen. Es dürfte „der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ werden, um einen völlig anderen „Kultfilm“ zu zitieren.

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Eine Antwort zu Roddenberrys Idee: Die Star Trek-Originalserie im Wandel der Zeit

  1. Morgen Luft schreibt:

    Das klingt wirklich sehr gut. Ich hab in letzter Zeit so Bock, den Rest von Star Trek aufzuholen…Aber einfach keine Zeit *schnief*

    Gefällt 1 Person

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