Ali G In Da House

Land: GB/F 2001  Regie: Mark Mylod Mit: Sacha Baron Cohen, Kellie Bright, Michael Gambon, Martin Freeman, Charles Dance, Rhona Mitra Label: Justbridge Entertainment : 5/22.5.2020  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Justbridge

Es scheint unausweichlich zu sein: sobald ein Fernseh-Komiker eine gewisse Popularität erreicht hat, glaubt er, zu Höherem berufen zu sein und einen abendfüllenden Spielfilm abliefern zu müssen. Das ist nicht nur in Deutschland der Fall, wo Peinlichkeiten wie Schubert In Love oder Verpiss dich Schneewittchen schmerzlich erkennen ließen, dass weder Olaf Schubert noch Bülent Ceylan für die große Leinwand geboren wurden. Auch der britische Komiker Sacha Baron Cohen liefert in dem bereits 2002 entstandenen Ali G Indahouse den eindeutigen Beweis dafür, dass Sketche von einigen Minuten nicht einfach auf Spielfilmlänge aufgeblasen werden können.

Ali G (Sacha Baron Cohen) ist ein weißer Vollpfosten, der zwar noch bei seiner Oma in einer Londoner Vorstadt lebt, jedoch davon träumt, ein richtig böser Gangsta-Rapper zu sein und sich zumindest äußerlich wie seine Idole Tupac und Biggie aufführt. Der intrigante Stellvertreter (Charles Dance) des britischen Premierministers (Michael Gambon) kommt auf die Idee, den Deppen in die Politik eizuführen, seinen Chef damit unmöglich zu machen und so selbst Regierungschef zu werden. Doch dieser Plan geht nicht auf, denn trotz bzw. wegen (?) seiner Blödheit kommt Ali G beim Wahlvolk bestens an…

Sacha Baron Cohen, um den es in den letzten Jahren ruhig geworden ist, gehört zu den kontroversesten Komikern überhaupt; mit seinen Alter-Egos Borat und Brüno erzeugte er seinerzeit wahre Entrüstungsstürme politisch korrekt denkender Zeitgenossen, und die britische Regierung sah sich im Falle von Borat sogar gezwungen, sich bei empörten Vertretern der Republik Kasachstan zu entschuldigen für die Darstellung eines Kasachen als ahnungslosen Vollidioten.

Was in diesem Fall, ebenso wie bei Brüno – wo sich Cohen gnadenlos über die Modewelt lustig machte – noch halbwegs funktionierte, erwies sich bei der Übertragung der sehr populären Da Ali G Show als ziemlicher Rohrkrepierer.

Cohens Masche in all seinen Auftritten, ob Fernsehen oder Film, besteht darin, dass er normale Menschen mit seinen monströsen Figuren konfrontiert und deren Reaktionen festhält, woraus sich eine Zeit lang durchaus komische Momente ergeben. Da er und wir als Zuschauer es jedoch im vorliegenden Fall mit Schauspielern zu tun haben, verpufft die Komik sehr schnell und man sieht zunehmend gelangweilt bzw. peinlich berührt abgestandenen Gags zu, die sich vornehmlich um Sex drehen und selbst pubertierenden Knaben kaum noch ein Grinsen entlocken dürften.

Hoffentlich wurden wenigstens Charles Dance und Michael Gambon sowie der damals noch relativ unbekannte Martin Freeman für ihre Arbeit anständig bezahlt, denn was man diesen gestandenen  Darstellern hier zumutet, lädt zum kollektiven Fremdschämen geradezu ein. Und warum dieser im Grunde längst vergessene Film nach 18 Jahren nun eine Wiederveröffentlichung samt reichhaltigem Bonus-Programm erhält, ist absolut unverständlich.


Ausstattung der DVD & Blu-ray:
Bildformat DVD: PAL 16:9
Bildformat Blu-ray: FullHD1080
Tonformat DVD: Dolby Digital 5.1
Tonformat Blu-ray: DTS-HD Master 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Länge DVD: ca. 83 Min.
Länge Blu-ray: ca. 87 Min.
Extras Blu-ray: Audiokommentar von Ali G und Ricky C., Taking the Talk – Sprechen wie Ali G, Unveröffentlichte Szenen, Me Video diary – Hinter den Kulissen mit Ali G, Ali’s Gallery – Fotogalerie

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Eine Antwort zu Ali G In Da House

  1. movieserienaddict schreibt:

    Von den Sacha Baron Cohen-Filmen, wo er die Hauptrolle innehat, gefällt mir „Der Diktator“ am besten.

    Höchstwahrscheinlich hätte ich an dieser Stelle allerdings „The Spy“, die Miniserie, welche auf Netflix empfangbar ist, erwähnen sollen. Kann ich aber nicht, weil ich die Serie (noch) nicht gesehen habe.

    „Der Spion und sein Bruder“ habe ich ebenfalls nicht gesehen, da ich allerdings auf YouTube mir die berüchtigte Elefanten-Szene angesehen habe, muss ich den für diese Zeilen auch gar nicht gesehen haben, das war zu viel des Guten.

    Sacha Baron Cohen hat ja mehrere Kunstfiguren geschaffen, aber bereits als Figur konnte ich Ali G nie sonderlich leiden.

    LG
    Stephan

    Gefällt 1 Person

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