Giant Little Ones

Land: Kanada 2018  Regie: Keith Behrman  Mit: Josh Wiggins, Darren Mann, Taylor Hickson, Kyle MacLachlan, Maria Bello  Label: Euro Video  : 27.3.2020  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

Man konnte es hier bereits mehrmals lesen und auch Giant Little Ones bestätigt diese Tatsache: Es sind immer wieder kleine unabhängige Produktionen und nicht große Spektakel, die praktisch von Anfang an das Interesse des Zuschauers erwecken und ihn am Ende mit einem positiven und angenehmen Gefühl entlassen.

Franky (Josh Wiggins) und Ballas (Darren Mann) sind schon seit Kindertagen befreundet und zudem auch Stars des Schwimm-Teams an ihrer High School. Da beide blendend aussehen, fehlt es ihnen auch nicht an entsprechender Bewunderung seitens ihre Mitschülerinnen. An Frankys 17. Geburtstag soll es soweit sein; er plant, mit seiner Freundin Priscilla zum ersten Mal Sex zu haben. Doch es kommt ganz anders. Der Alkohol fließt reichlich, und unter nicht ganz geklärten Umständen landen Franky und Ballas zusammen im Bett.

Während Franky keine große Sache daraus macht, muss er am nächsten Tag in der Schule feststellen, dass Ballas die Geschichte bereits weitergegeben hat, wobei er es allerdings so darstellt, dass es Franky war, der die Initiative ergriffen hat, auch wenn es eindeutig umgekehrt gewesen sein muss. Jedenfalls muss Franky erleben, dass sich vermeintliche Freunde von ihm abwenden und er nicht nur gemobbt, sondern zusammengeschlagen wird, auch von Ballas, seinem Freund aus Kindertagen, der damit unter Beweis stellen möchte, dass er keine „Schwuchtel“ ist.

Verständnis findet Franky hauptsächlich bei Mouse, einer ausgeflippten Mitschülerin, die sich gerne einen falschen Penis in die Hose steckt und bei Natasha, Ballas‘ Schwester, die in der Schulgemeinschaft ebenfalls als Außenseiterin gilt. Und dann ist da noch Frankys schwuler Vater Ray (Kyle McLachlan), der die Familie vor etlichen Jahren verlassen hat, um mit einem Mann leben zu können…

Auch wenn man zunächst einmal denken mag „Naja, eine weitere Coming-of-Age-Geschichte, von denen es bereits so viele gibt“, verschwindet dieser Gedanke doch relativ schnell, denn der kanadische Regisseur Keith Behrman macht unmissverständlich klar, dass es ihm um wesentlich mehr geht.

Zunächst einmal muss man konstatieren, dass die Charaktere in Giant Little Ones erfreulich klischeefrei gezeichnet sind und der Film trotz seiner knappen Laufzeit von ca. 90 Minuten alle wesentlichen Aspekte der jeweiligen Figuren absolut nachvollziehbar ausarbeitet. Zudem vermeidet es das kluge Drehbuch, alles bis ins letzte Detail zu erklären, sodass man auch als Zuschauer gefordert ist, einige Puzzlestücke selbst zusammenzusetzen.

Ebenfalls positiv muss man die Entscheidung Behrmans bewerten, keine große Sache aus dem Umstand zu machen, dass Franky sich offensichtlich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt, gleichzeitig aber auch Natasha Liebe und Verständnis entgegenbringt. Mit Franky begegnet man einfach einem Charakter, der offen, mitfühlend und an seinen Mitmenschen interessiert ist und bei dem seine sexuelle Orientierung im Grunde genommen gar keine so große Rolle spielt.

Ähnlich wie in Luca Guadagninos Call Me By Your Name enthält auch Giant Little Ones ein Gespräch zwischen Vater und Sohn, das von zentraler Bedeutung ist. In beiden Fällen endete die erste sexuelle Erfahrung der Söhne mit einer Enttäuschung, in beiden Fällen versuchen die Väter, ihnen klarzumachen, dass dies ein entscheidender Schritt zu Selbstfindung und  Erwachsenwerden darstellt. Und in beiden Fällen geraten diese Dialoge wahrhaftig und vollkommen unpathetisch.

Auch wenn man das Ende des Filmes nicht unbedingt als „happy“ bezeichnen kann, hat man doch den Eindruck, dass Franky mit der Erkenntnis, wer er ist und was er will, sein Leben von nun an entsprechend ausrichhten wird. Und das ist nicht nur für ihn ein unglaublich befreiender Gedanke.

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