Die Schöne und das Biest

Originaltitel: Beauty and the Beast
Land
: USA 2016
Laufzeit: 106 min
Regie: Bill Condon
Mit: Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Josh Gad, Emma Thompson, Ewan McGregor, Ian McKellen, Stanley Tucci, Kevin Kline
Kinostart: 16.3.2017

Ein Beitrag von Julian Dax:

© 2016 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Wer kennt nicht die Geschichte der mutigen jungen Frau, die sich nicht von Äußerlichkeiten beirren lässt, sondern erkennt, dass wahre Schönheit von innen kommt? Seit der Erstveröffentlichung in Buchform in Frankreich im 18. Jahrhundert hat La Belle et la Bête unzählige Variationen quer durch alle Arten von Medien erfahren, wobei Walt Disneys Zeichentrickversion aus dem Jahre 1991 eine ganz besondere Popularität erlangt hat.

Erstmalig in der Filmgeschichte wurde seinerzeit ein Zeichentrickfilm für einen Oscar als Bester Film nominiert und gewann immerhin – neben drei Golden Globes und vier Grammys – zwei Oscars für den Besten Originalsoundtrack und den Besten Song. Auch an der Kinokasse war dem Film solch ein Riesenerfolg beschieden, dass man danach beschloss, ihn auch noch zum Bühnenmusical umzuarbeiten, das in mehr als 20 Ländern, in acht Sprachen übersetzt, ebenfalls äußerst erfolgreich lief.

Als die Disney-Studios vor einigen Jahren begannen, einige ihrer großen Trickfilme als Realfilme noch einmal in Angriff zu nehmen, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Die Schöne und das Biest an der Reihe war. Dennoch hatte Bill Condon anfangs Bedenken, als man ihm die Regie anbot. „Für mich ist der Film von 1991 perfekt. Als er damals in die Kinos kam, setzte er einen neuen Maßstab hinsichtlich der Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wurde, und des unglaublichen Soundtracks von Alan Menken und Howard Ashman. Deshalb wollte ich zunächst meine Finger davon lassen.“

Sieht man nun das fertige Ergebnis auf der Leinwand, kann man Bill Condon nur gratulieren, dass er es sich doch noch anders überlegt hat.

Zugegeben, wer mit Musicals grundsätzlich Schwierigkeiten hat, wird sicherlich auch in diesem Fall nicht unbedingt bekehrt, doch den meisten Zuschauern wird sicherlich das Herz aufgehen, wenn sie feststellen, dass Melodien, die sie bestimmt schon sehr lange nicht mehr gehört haben, ganz schnell wieder in ihrem Gedächtnis Einzug halten und vielleicht sogar die eine oder andere angenehme Erinnerung wachrufen. Und da Emma Watson, Dan Stevens und Luke Evans über ordentliche Singstimmen verfügen und auch schauspielerisch überzeugen, bei Ausstattung und Kostümen äußerste Sorgfalt sichtbar wird und auch die Tricksequenzen mit all den verzauberten Schlossbewohnern, die übrigens im Original von solch prominenten Darstellern , wie z.B. Ian McKellen, Emma Thompson oder Ewan McGregor gesprochen werden, prima funktionieren, kann man sich als Zuschauer zufrieden im Sessel zurücklehnen.

© 2016 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Natürlich verschieben sich gewisse Akzente, wenn aus Zeichentrickfiguren reale Menschen werden, doch auch in dieser Hinsicht muss man sich überhaupt nicht beschweren. Ohne die Poesie des Originals zu opfern, wirkt die Geschichte nun bei aller Märchenhaftigkeit wesentlich realistischer und stellenweise sogar bedrohlicher. Und wer will, kann in manchen Szenen und Charakteren sogar direkte Bezüge zur gegenwärtigen gesellschafts-politischen Situation erkennen; Dummheit und Aufgeblasenheit, Schuldzuweisungen und die Suche nach Sündenböcken sowie Aufhetzung von unaufgeklärten Menschen – es ist alles da!

In einem Interview hat Emma Watson kürzlich erwähnt, man habe ihr bereits die Titelrolle in der Realverfilmung von „Cinderella“ angeboten, die sie jedoch mit der Begründung abgelehnt habe, sie sehe sich nicht als typische Disney-Prinzessin, die passiv auf ihren Traumprinzen warte. Belle dagegen sei da aus ganz anderem Holz geschnitzt; sehr belesen, intelligent und zupackend, sei sie geradezu ein Musterbeispiel einer unabhängigen jungen Frau, und solch eine Figur käme ihr nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als politisch denkendem Menschen sehr entgegen.

Und wenn man nun lesen muss, ein US-Kino im Staate Alabama habe den Film aus „religiösen Gründen und um Kinder zu schützen“ aus dem Programm genommen, merkt man, wie notwendig Aufklärung nach wie vor ist. Wie das amerikanische Branchenblatt „Variety“ berichtet, liege der Grund für die Absetzung darin, dass der Charakter LeFou eindeutig schwul sei. Wörtlich habe der Kinobetreiber erklärt: „Wenn wir unsere elfjährige Enkelin und unseren achtjährigen Enkel nicht mit ins Kino nehmen können, sollten wir den Film nicht sehen. Wenn ich mir keinen Film mit Gott oder Jesus an meiner Seite anschauen kann, sollten wir ihn nicht zeigen.“
Willkommen im 21. Jahrhundert!!!

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