Uwe Boll: Ihr könnt mich mal!

Buchtitel: Ihr könnt mich mal! – Vom Kurzfilmer in Burscheid zum meistgehassten Regisseur Amerikas
Autor: Uwe Boll
Verlag: KICK-Verlag, August 2017
Umfang: Kartoniert, 199 Seiten
ISBN: 978-3-946312178
Preis: 18 €, E-Buch 14,99 €, Hörbuch 15,95 €

Über den Filmemacher Uwe Boll gibt es viel zu lesen – das Meiste davon sind kritische, ablehnende oder gar schmähende Texte á la manischer Verfilmer von Videospielen, Son of Ed Wood oder den Superlativ schlechtester Regisseur der Welt/aller Zeiten. Nun schlägt Boll (* 1965) mit seiner sehr persönlichen Autobiografie zurück…

Ein kurzer Blick zurück: Ich lernte Uwe Boll Anfang der 90er Jahre kennen, also er noch zusammen mit Frank Lustig (BOLU) trashige Filme mit Herzblut machte, die im Scala-Kino unserer Nachbargemeinde Neckarsulm (ur)aufgeführt wurden:

Mein erster Boll-Film                 © Heilbronner Stimme

Bei weiteren Premieren ergab sich dann auch die Gelegenheit zum Interview, um mehr über die Hintergründe der Produktion zu erfahren:

© Heilbronner Stimme

Aber jetzt zum Buch. Uwe Boll erzählt – nicht immer ganz chronologisch – Geschichten aus seinem bisherigen Leben: Kindheit, Schule, Studium, Doktorarbeit, frühe Filme in Deutschland, Erfolge in den USA und Kanada. Und schließlich den verbitterten Ausstieg aus der Filmbranche nebst Ratschlägen für den Nachwuchs und Ideen zur eigenen Zukunft:

Deutschland braucht einen neuen Bundeskanzler, der die Dinge tatsächlich verändert – ich bin bereit.          [Uwe Boll, S. 193]

Wer an diversen privaten Begebenheiten wie der nachfolgenden nicht interessiert ist, steuert über das ausführliche Inhaltsverzeichnis am Ende gezielt nur die Abschnitte an, die sich mit den mehr als 30 Filmen des Produzenten, Drehbuchautors und Regisseurs befassen.

Ich verlor meinen Job beim Radio, als ein neuer Chefredakteur übernahm und einen Mitarbeiter nach dem anderen rausschmiss. Er war ein Mega-Arschloss und ich beschloss, ihm eine Lektion zu erteilen. Also zerstach ich seine Auto-Reifen und rief ihn für Wochen jede Nacht an und schrie ins Telefon.
[Uwe Boll, S. 49]

Die einzelnen Kapitel sind ziemlich kurz, aber gut lesbar und bringen interessante Informationen für den Kinofreak und den an der Branche allgemein Interessierten mit. Denn Uwe Boll plaudert aus dem Nähkästchen über sich, sein Leben und Wirken und vor allem über seinen Umgang und seine Erfahrungen mit anderen Filmschaffenden.

Dabei nimmt Boll kein Blatt vor den Mund, wie es bereits der Titel des Buches andeutet: Hier wird niemand geschont, der Filmemacher redet so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist respektive wie man es von seinen Web-Videos gewohnt ist:

Einige Crewmitglieder, die bei meinen vorherigen Filmen dabei gewesen waren, wollten bei POSTAL nicht mitmachen, weil sie entweder politisch anderer Meinung waren und/oder um ihre Karriere fürchteten. Was für armseelige Idioten!    [Uwe Boll, S. 127]

Die einzelnen Kapitel mit Hintergrundgeschichten zu seinen Filmen unterbricht Uwe Boll immer wieder mit sehr persönlichen Texten wie „Was ich tun würde als Herrscher der Welt?“ oder „Die Staatsaffäre Böhmermann“ – wobei ihn sein Video über/an den türkischen Alleinherrscher Erdogan gepflegte 3500 Euro Strafe plus Anwalt kostete. Und natürlich die fast schon legendären Boxkämpfe (!) gegen fünf seiner schärfsten Kritiker, die Boll allesamt gewann…

Was mich bei dem Buch etwas stört, ist, dass es keinerlei Bilder enthält. Denn Abbildungen – egal ob persönliche oder vom Set – kann man einfach bei einer Biografie eines Filme(!)machers erwarten…

Unterm Strich ist mein Fazit trotzdem positiv: Nach über 30 Filmen und den damit verbundenen schlechten Kritiken, Schmähungen, Beleidigungen und Drohungen schlägt der Drehbuchautor, Produzent und Regisseur zurück. Und wird seinem Ruf als Enfant terrible der Filmbranche absolut gerecht! Denn Uwe Boll schont ihn seiner schwer persönlichen Autobiografie Ihr könnt mich mal! nichts und niemanden: Wer mit dem rüden Sprachstil des Autors keine Probleme hat, bekommt mit diesem Buch schonungslose Einblicke in die Welt der Filmemacher, in der Vitamin B wohl am wichtigsten ist.

Kein einziger Schauspieler, mit dem ich zusammengearbeitet habe, war jemals so intelligent wie die Rolle, die sie oder er verkörpert haben. Es zerstört Illusionen, festzustellen, dass auch Ben Kingsley GHANDI nur gespielt hat.
[Uwe Boll, S. 109]

PS: Uwe Boll eröffnete 2015 sein Restaurant Bauhaus im kanadischen Vancouver. Wenn Sie also mal in der Gegend sind…

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Eine Antwort zu Uwe Boll: Ihr könnt mich mal!

  1. Laura Palmer schreibt:

    Ich habe „nur“ zwei Boll-Filme gesehen, aber diese Bio weckt mein Interesse an mehr!

    Gefällt 1 Person

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