KDM – Der Schlüssel zum Film

Die Kinos bekommen ihre Filme derzeit auf Festplatte zugesandt oder über Datenleitung (Gofilex) übertragen. Die Filme sind im Format DCP (= Digital Cinema Package) abgespeichert, diese Dateien kann man – wenn die Hardware kernig genug ausgestattet ist – auch auf üblichen PCs mit Linux, macOS oder Windows abgespielen. Ich empfehle hier die Open-Source-Software DCP-o-matic, die man hier runterladen kann.

Damit genau das nicht passiert, werden die allermeisten Filme verschlüsselt an die Kinos geliefert. Zum Abspielen der Daten wird ein sogenannter digitaler Schlüssel benötigt, der in der Kinobranche als KDM (= Key Delivery Message) bezeichnet wird.

Das ist kein übliches Passwort á la „Dc_47&0815$GMH“, sondern eine umfangreiche Textdatei im XML-Format, die dem Kino per E-Mail zugesandt wird und die vielerlei Informationen enthält:

  • So ist beispielsweise das Abspielen auf nur einem Kinoserver möglich, da beim Start dessen Seriennummer abgefragt wird. Soll der Film in einem anderen Saal laufen, wird ein weiterer KDM benötigt.
  • Das Abspielen ist nur in dem Zeitraum möglich, der im KDM definiert ist.
    Das kann – wie bei einmaligen Sneak-Vorstellungen – auch im Stundenbereich sein. Den Ü-Film kann man dann z.B. nur mittwochs zwischen 20 und 23 Uhr starten.
    Zu analogen Zeiten war es durchaus üblich, dass es Mittwochnacht, wenn der Filmspediteur die neuen 35 mm-Kopien gebracht hatte und der Vorführer diese „gerichtet“ hatte, eine Personalvorstellung gab, in der man gemeinsam den Film anguckte, der am Donnerstag seinen Bundesstart hatte…
  • Der KDM schaltet auch die Sprachfassung (in der Regel deutsch) und evtl. Untertitel (bei OV-Vorstellungen) frei. Oftmals sind im DCP mehreren Fassungen enthalten, abspielen kann man aber nur, was freigeschaltet ist.

Blick in die XML-Datei: Oben die Seriennummer des Servers, unten die Gültigkeit des Schlüssels

Ein Blick in den Ordner mit den KDM-Dateien, die zwischen 10 und 40 KB groß sind:

„Cyrano“ in versch. Fassungen, „Belfast“ ebenso, darunter „Die Schule der magischen Tiere“.

Wir haben einen KDM per E-Mail bekommen und rufen nun den Ingest Manager auf:

Melden uns mit Passwort am Kinoserver an:

Und importieren den Schlüssel, dauert ein paar Sekunden, fertig:

Hier sehen wir, welche Filmdateien auf dem Server liegen, die Farben bedeuten:

  • Grünes Schloss: Schlüssel ok, Film kann gespielt werden
  • Rotes Schloss: Schlüssel abgelaufen, Film ist gesperrt
  • Gelbes Symbol: Obacht, Schlüssel läuft demnächst ab
  • Kein Schloss: Filmdatei ist nicht verschlüsselt

Per Doppelklick erhält man mehr Infos: dieser Film kann abgespielt werden:

Dieser hingegen hat keinen gültigen Schlüssel, ist also gesperrt:

Dieser Beitrag wurde unter > Kinotechnik abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu KDM – Der Schlüssel zum Film

  1. comicfreund schreibt:

    Schöner Artikel, danke. Wie groß ist denn so eine DCP-Datei?

    Gefällt mir

  2. Liegeradler schreibt:

    Ach ja, die GUI ist Linux/Ubuntu. Mit Windows wäre wohl kaum ein störungsfreier Dauerbetrieb möglich…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..