Cimarron

Land: USA 1960  Laufzeit: 147 min.  Regie: Anthony Mann Mit: Glenn Ford, Maria Schell, Anne Baxter, Arthur O’Connell Label: Plaion  FSK: 12 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos

© Plaion

John Ford, der Großmeister des US-Westerns, brachte 1956 mit „Der schwarze Falke“ („The Searchers“) den größten aller Western und einen der besten Hollywood-Filme in die Kinos. Der Regisseur aber, der das Genre in jenem für Western so dankbaren Jahrzehnt dominierte, hieß Anthony Mann. „Nackte Gewalt“ (1953, „The Naked Spur“) steht gleich neben Fords opus magnum. „Winchester `73“ (1950), „Meuterei am Schlangenfluss“ (1952, „Bend of the River“), „Über den Todespass“ (1954; The Far Country“) und “Der Mann aus Laramie“ (1955, „The Man from Laramie“), alle mit James Stewart in der Hauptrolle, sind Meilensteine. Dazu kommen „Die Farm der Besessenen“ (1950, „The Furies“) und „Fluch des Blutes“ (auch 1950, „Devil’s Doorway“) sowie „Der Mann aus dem Westen“ (1958, „Man of the West“). Und es fehlen immer noch drei weitere Exemplare.

Da kommt es beinahe einer Tragödie gleich, die Idee eines spöttischen Schicksals, dass ausgerechnet „Cimarron“ (1960) Anthony Manns letzter Western sein sollte. Wobei, wüsste man es nicht, man sähe nicht, dass Mann auf dem Regiestuhl saß. „Cimarron“ ist die Verfilmung des Romans von Edna Ferber, die auf epische Gründersagas eine Art Monopol besaß; auch „Giganten“ stammt aus ihrer Feder. Man kann sich keine entgegengesetzteren Welten vorstellen, als Ferbers hoffnungsfroh positiv getrimmtes, amerikanisches Universum, in dem sich der Mensch die Natur Untertan macht und Manns neurotische Helden, deren Schicksal vor dem Hintergrund der großen, unbezähmbaren Natur so bedeutungslos erscheint. Hinzu kommt, dass der Produzent den Regisseur, der sich bei Dreharbeiten unter freiem Himmel so wohl und zu Hause fühlte wie kein zweiter, zwang, hauptsächlich im Studio zu drehen. Kein Wunder, das neben Mann auch Charles Walters und einige andere ihre Hände im Spiel hatten, was man dem Endprodukt allerdings ansieht.

Erzählt wird die Geschichte Yancey Cravats und über ihn die seiner Frau Sabra. Beide nehmen 1889 am Oklahoma Land Run teil, um sich im nun frei gewordenen ehemaligen Indianerterritorium als Farmer eine neue Zukunft zu schmieden. Dabei muss Sabra feststellen, dass ihr Yancey, ganz im Gegensatz zu ihr, ein guter Mensch und Yancey muss erkennen, dass er kein Farmer ist. Er wird Zeitungsmann und schließlich wird ihm selbst dieses Dasein zu eng. Am Ende von Roman und Film ist der Westen schon Folklore und der Erste Weltkrieg Realität, auf dessen Schlachtfeldern Yancey Cravat als Freiwilliger des britischen Expeditionscorps gefallen ist, während sein Andenken in seiner Heimatstadt gefeiert wird.

Obwohl „Cimarron“ knapp zweieinhalb Stunden lang ist, ist er für die Fülle an Stoff, die er abzuarbeiten hat, immer noch zu kurz. Weil er sich dadurch aber auf nichts wirklich konzentrieren kann, wirkt er gehetzt und langweilig zugleich. Weder Glenn Ford (Yancey) noch Maria Schell (Sabra) sind Darsteller, die sich in Manns Menschenbild einfügen können. Ganz bei sich selbst ist der Regisseur nur bei der Inszenierung des Land Run, dem als Spektakel getarnten Raub an den Indianern.

Natürlich ist „Cimarron“ Pflicht für alle, die am Werk Anthony Manns interessiert sind. Dieser auf so vielfältige Weise verhinderte Western muss retrospektiv betrachtet als Brücke zu den Historienepen gewichtet werden, denen Mann sich nun zuwandte. Bereits vor der Arbeit an „Cimarron“ hatte ihn Kirk Douglas als Regisseur von „Spartacus“ (1960) gefeuert (die Szenen in Peter Ustinovs Gladiatorenschule zu Beginn sind noch von Mann). Gleich danach machte Mann sich an „El Cid“ (1961) mit Charlton Heston. Wer sich aber nicht für diesen besonderen Hollywood-Regisseur interessiert – ein großer Fehler! -, der verpasst offen gestanden nichts, wenn er „Cimarron“ verpasst.

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