The Warriors

Land: USA 1978  Regie: Walter Hill  Laufzeit: 93 min.  Mit: Michael Beck, James Remar, Dorsey Wright, Thomas G. Waites Label: Paramount  : 20.12.2022  FSK: 12 – Von Georgios Tsapanos

© Paramount

Der Regisseur und Drehbuchautor Walter Hill ist in Vergessenheit geraten. Eine der größeren Ungerechtigkeiten in der Geschichte des amerikanischen Kinos, an der Hill selbst aber nicht ganz unschuldig ist. Alles, was er hinter der Kamera nach „Wild Bill“ (1995) gemacht hat, ist eigentlich kaum der Rede wert; sein letzter Streifen „Dead for a Dollar“ (2022) eingeschlossen, trotz Christoph Waltz und Willem Dafoe in den Hauptrollen.

Seine Anfänge waren hingegen von ganz anderem Kaliber. Er schrieb in rascher Folge „The Getaway“ (1972) für Sam Peckinpah mit Steve McQueen, „The Mackintosh Man“ (1973) für John Huston mit Paul Newman und „Unter Wasser stirbt man nicht“ (1975) für Stuart Rosenberg wieder mit Newman. Darauf aufbauend durfte er endlich Regie führen und startete mit dem Charles-Bronson-Film „Ein stahlharter Mann“ (1975).

Darauf was dann folgte, war niemand vorbereitet. Sechs Filme in Serie als Regisseur und Autor, die ihn zu einem der bemerkenswertesten und wichtigsten amerikanischen Filmemacher Ende der 1970er bis Mitte der 1980 er avancieren ließen: „The Driver“ (1978), „The Long Riders“ (1980), „Die letzten Amerikaner“ (1981), „Nur 48 Stunden (1982) und „Straßen in Flammen“ (1984). Richtig, wer mitgezählt hat, hat gemerkt: da fehlt einer.

Das war „The Warriors“ (1979), weder Hills bester (das war „Die letzten Amerikaner“), noch sein erfolgreichster (das war „Nur 48 Stunden“, der Eddie Murphy über Nacht zum Star werden ließ), aber es war der Film, der Walter Hill zu einer festen Hausnummer werden ließ. Hauptsächlich weil „The Warriors“ als Beweihräucherung der Kultur der Gangs, die die Straßen und Viertel New Yorks unsicher machten von den einen gefeiert und von den anderen verurteilt wurde.

Beides war falsch, wenn auch vom Verleih bewusst gefördert (auf dem Originalposter stand zu lesen „Das sind die Armeen der Nacht“). Der Film folgt einer Gang, den „Warriors“, die sich in einer Nacht durch feindliches Territorium zurück in ihr Viertel durchschlagen müssen, verfolgt von anderen Gangs als Folge einer falschen Beschuldigung. Wer denkt da nicht an hunderte Western, die uns durch Indianerland geführt haben. Hill denkt an die klassische Geschichte jener Armee Xenophons, die sich in „Anabasis“ den Weg nach Hause freikämpft. Im um eine Minute längeren „Ultimate Director’s Cut“ erzählt Hill selbst diese Geschichte zu Beginn des Films.

Aber auch die längst überfällige deutsche Veröffentlichung ist ein Glücksfall, für den Film, seine Fans von seinerzeit und ein hoffentlich neues Publikum. Die besondere Schärfe der Bilder, die wahrscheinlich auch die in manchem 1979er Kastenkino übertrifft, unterstreicht nämlich nicht nur die herausragende Qualität der Arbeit von Kameramann Andrew Laszlo, sondern auch die Bedeutung dieser glamourös unglamourösen Fotografie für die Absicht des Regisseurs, weniger einen klassischen Action-Film als eine Studie in Manierismus auf die Leinwand zu zaubern.

„The Warriors“ ist kein Sozialdrama über Straßengangs. Er ist auch kein dokumentarischer Spielfilm über Gangkultur im New York Ende der 1970er Jahre; außer den Cops scheint kaum jemand in der Stadt zu leben. Er ist eine faszinierende, pulsierende, energiegeladene Stilübung zu Werten, Riten, Bewegungen, Kämpfen, Musik (Barry De Vorzon) einer Subkultur, die hier für nichts anderes stehen soll als für sich selbst, auf Straßen und in Gebäuden einer Stadt, die eher als Element der Story funktioniert denn als Hintergrund vor dem die Story abläuft. Kino, in jedem nur denkbaren Sinn des Wortes.

Eine Info für die Nachgeborenen: Walter Hill gehört beinahe unbemerkt auch unverrückbar zum Alien-Universum. Alle Filme des Kanons, von Ridley Scotts „Alien“ (1979) bis zu Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (2017) hat Hill produziert. Bei James Camerons „Aliens“ (1986) und David Finchers „Alien³“ (1992) hat er auch am Drehbuch mitgearbeitet.

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Eine Antwort zu The Warriors

  1. movieserienaddict schreibt:

    Ich mag den heute immer noch – so wie alle Filme von Regisseur Walter Hill.
    Ein echter Könner im Action-Fach.

    Mein persönlicher Lieblingsfilm von ihm ist „Trespass“.

    LG
    Stephan

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