Jesus Rolls – Niemand verarscht Jesus

Land: USA 2019  Laufzeit: 86 min.  Regie: John Torturro  Mit: John Turturro, Bobby Cannavale, Susan Sarandon, Audrey Tautou, Christopher Walken  Label: Eurovideo  : 8.4.2021  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

Es gibt Filme, bei denen die Entstehungsgeschichte bzw. die dahinter liegende ursprüngliche Idee wahrscheinlich wesentlich interessanter sind als das fertige Produkt. Leider trifft das in vollem Umfang zu auf Jesus Rolls – Niemand verarscht Jesus. Sie erinnern sich? 1998 brachten die Gebrüder Coen The Big Lebowski in die Kinos, der sich zu einem echten Kultfilm entwickelt hat. Darin gibt es eine Szene, in der die Freunde zusammen bowlen. Auf der Bahn daneben sieht man einen seltsamen Typen, der vor dem Abwurf der Kugel die Angewohnheit hat, diese zu lecken. Sein Name lautet Jesus Quintana, und ihn als schräg zu bezeichnen wäre wohl eine Untertreibung.

Was um alles in der Welt hat nun dessen Darsteller John Torturro 21 Jahre später dazu getrieben, diese seinerzeit  völlig unerhebliche Nebenfigur zum „Helden“ eines eigenständigen Filmes zu machen? Doch damit nicht genug der Merkwürdigkeiten; wer auf ein Wiedersehen mit Jeff Bridges, John Goodman und Julianne Moore gehofft hatte, wird enttäuscht. Stattdessen orientiert sich Torturro, der nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch für Buch und Regie die Verantwortung trägt, an dem französischen Film Les Valseuses – Die Ausgebufften aus dem Jahre 1974. Darin schildert Regisseur Betrand Blier die Abenteuer zweier Tunichtgute – gespielt von Patrick Dewaere und Gerard Depardieu – die einfach so in den Tag hinein leben und ihre Zeit hauptsächlich mit kriminellen Handlungen und Sex verbringen.

Jesus Quintana (John Torturro) wird wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Sein bester Kumpel Petey (Bobby Canavale) nimmt ihn in Empfang, und eine ihrer ersten Handlungen ist es, einem Friseur dessen Auto zu klauen – und Freundin Marie (Audrey Tautou) noch dazu. Zusammen begeben sich die Drei auf eine wilde Reise…

Eine Handlung im eigentlichen Sinne besitzt Jesus Rolls absolut nicht, sondern bietet lediglich eine Abfolge von mehr oder weniger zusammenhängenden  Episoden. Dabei versucht er sich möglichst anstößig zu geben – Jesus‘ Mutter arbeitet als Prostituierte, obwohl Marie laut eigener Behauptung mit 357 Männern im Bett war, hatte sie noch nie einen Orgasmus, ständig gibt Jesus mit der enormen Größe seiner Geschlechtsteile an – langweilt das Ganze ziemlich schnell, weil es einfach nirgendwo hin führt. Zudem stimmt die Tonalität der Handlung überhaupt nicht: In einer Episode treffen Jesus und Bobby auf eine gerade aus dem Gefängnis entlassene Frau (Susan Sarandon) und über das, was sich daraus entwickelt und vor allem, wie es aufgelöst wird, kann man nur den Kopf schütteln.

Besonders unangenehm ist bei all dem die Tatsache, dass die beiden Protagonisten, vor allem jedoch Jesus, nicht nur Vollidioten sind, sondern ausgesprochene Unsympathen, deren Gesellschaft man äußerst schnell überdrüssig wird. Und so entpuppt sich die Ankündigung, es handle sich hierbei um eine späte Fortsetzung des genialen The Big Lebowski, um nichts weiter als Etikettenschwindel.

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Eine Antwort zu Jesus Rolls – Niemand verarscht Jesus

  1. Stepnwolf schreibt:

    Dann doch lieber noch mal den Coen-Klassiker einlegen…

    Gefällt 1 Person

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