THE FORGIVEN – Ohne Vergebung gibt es keine Zukunft

Land: USA 2017  Regie: Roland Joffé  Mit: Forest Whitaker, Eric Bana, Jef Gum  Label: Eurovideo  : 25.3.2021  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

 

Nach Aufsehen erregenden Filmen, wie z.B. The Mission oder The Killing Fields meldet sich Regisseur Roland Joffé nach längerer Pause wieder mit einem weiteren Film, der sich mit einem epochalen politischen Ereignis beschäftigt.

In The Forgiven geht es um die Situation in Südafrika nach der Abschaffung der Apartheid, im Mittelpunkt steht Bischof Desmond Tutu, genauer gesagt ist es das, was der Text auf der Hülle suggeriert.

Nachdem Nelson Mandela nach seiner jahrelangen Gefängnisstrafe zum Regierungschef gewählt wird, gründet er als eine seiner ersten Amtshandlungen eine sog. „Versöhnungskommission“ und überträgt deren Leitung Bischof Desmond Tutu (Forest Whitaker). Aufgabe dieses Gremiums ist es, ehemaligen weißen Rassisten, die ehrliche Reue über ihre Gräueltaten zeigen, ihre Gefängnisstrafe zu erlassen und sie vollständig zu amnestieren. Einer derjenigen, die von dieser Chance profitieren wollen, ist Piet Blomfeld (Eric Bana), ein besonders widerwärtiger Vertreter der Todesschwadronen, die unter fadenscheinigen Vorwänden über Jahre schwarze Südafrikaner festnahmen, folterten, vergewaltigten und vielfach auch töteten.

Nun ist aber Piet Blomfeld keiner der üblichen „Schlagetots“, sondern ganz im Gegenteil ein hochintelligenter und sehr belesener Zeitgenosse. Und weil er in seinem Amnestiegesuch an die Kommission auch Zitate von Milton und Plato einbaut, weckt er das Interesse des Bischofs, der ihn denn auch persönlich im Gefängnis aufsucht. Es kommt zu einem Schlagabtausch zwischen diesen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Männern…

Sicher kennt jeder Filmfreund dieses Gefühl: Man hält eine DVD in Händen, betrachtet die Namen der Mitwirkenden und liest, worum es geht. Interessiert legt man den Film ein, doch bereits nach relativ kurzer Zeit merkt man, dass irgendetwas furchtbar schief läuft, dass der Film im Begriff ist, vollständig zu entgleisen. Und genau um solch einen Film handelt es sich bei The Forgiven.

Während man zu Beginn noch die Hoffnung hegt, möglichst viel über diese Jahre des Umbruchs in Südafrika zu erfahren, welche Rolle Mandela und Tutu dabei spielten, wie die Hinterbliebenen der zahllosen Opfer der sog. „Todesschwadronen“mit ihrer Situation versuchten fertigzuwerden, schwindet eben diese Hoffnung, als man merkt, dass Joffés Film offenbar der sog. „Faszination des Bösen“ erliegt und Blomfeld zur eigentlichen Hauptfigur macht, einem durch und durch miesen Charakter, der schwarze – auch den Bischof – grundsätzlich mit „Kaffer“ anredet und von seinen abscheulichen Verbrechen nach wie vor voller Stolz redet.

Entsprechend verschieben sich auch die Schauplätze, und man verbringt als Zuschauer wesentlich mehr Zeit im berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Polsmoor als unbedingt notwendig. Dazu kommt noch eine im Grunde überflüssige Nebenhandlung über eine Art schwarze Bruderschaft namens „The 28’s“, die innerhalb von Polsmoor das Sagen hat, was Tutu vollends an den Rand drängt.

Letztlich wird seine Figur auf Weisheiten wie aus einem Glückskeks reduziert; so muss er z.B. folgenden Satz absondern: „Man kann nicht ändern, was vorbei ist, oder wo man gewesen ist. Aber man kann ändern, wohin man gehen will.“ Es spricht zwar für die Schauspielkunst Forest Whitakers, dass er so etwas mit ernster Miene von sich geben kann, besser wird der Satz damit aber leider auch nicht. Und wenn in der letzten Szene Tutu und seine Frau in den Sonnenuntergang am Strand spazieren, hat man als Zuschauer schon längst jegliches Interesse verloren.

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