Corpus Christi

Land: Polen 2019  Spielzeit: 115 min. Regie: Jan Komasa  Mit: Bartosz Bielenia, Aleksandra Konieczna, Eliza Rycembel  Label: good!movies  VÖ: 5.3.2021  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© good! movies

Wenn es um das Thema „Falsche Identitäten“ geht, denken wohl die meisten an Komödien; Der Hauptmann von Köpenick fällt einem ein, Manche mögen’s heiß oder School Of Rock.
Auch in Jan Komasas Corpus Christi, dem polnischen Beitrag für die Oscars 2020, geht es um einen Hochstapler, aber um eine Komödie handelt es sich hier absolut nicht, trotz einiger durchaus komischer Elemente.

Der 20-jährige Daniel (Bartosz Bielenia, überragend) sitzt wegen diverser Vergehen in einem Jugendgefängnis. Man erfährt, dass er während dieser Zeit Gefallen an der Arbeit als Helfer des Gefängnispfarrers gefunden hat. Da er kurz vor seiner Entlassung steht, möchte er vom Pfarrer wissen, ob es möglich sei, das Abitur nachzuholen, Theologie zu studieren und Pfarrer zu werden. Zu seiner großen Enttäuschung erfährt er jedoch, dass Straftätern der Zugang zum Theologiestudium verwehrt ist. Seine Zukunft sieht so aus, dass er vom Gefängnis zu einem Sägewerk in der Nähe eines kleinen Ortes geschickt wird, wo er sich bewähren soll.

Halb durch Zufall, halb von ihm selbst forciert gibt er sich in der kleinen Kirche des Ortes als Pfarrer aus, und da er über den entsprechenden Talar verfügt, fragt auch niemand groß nach. Und als der Pfarrer kurzfristig ausfällt und ins Krankenhaus muss, lässt er sich nicht lange bitten und übernimmt dessen Stelle…

Bis dahin folgt die Handlung demnach durchaus einer typischen Komödie, doch Regisseur Komasa hatte eindeutig mehr im Sinn: ihm geht es darum zu zeigen, wie jemand, der eigentlich keine Chance hat, sein Leben ins Positive zu wenden, unbeirrt seiner Berufung folgt und auf seinem Weg sogar den Bewohnern des Ortes, in dem er tätig ist, hilft, bessere Menschen zu werden. Denn seit einem schrecklichen Autounfall vor nicht allzu langer Zeit, bei dem sieben Menschen ums Leben kamen, herrschen Misstrauen, Vorurteile und blanker Hass in der Gemeinde.

Auch wenn Corpus Christi durchaus Szenen enthält, die zum Lachen animieren – so z.B. wenn Daniel seine erste Beichte abnehmen muss und dazu sein Smartphone mit den entsprechenden Sätzen im Schoß liegen hat – werden weder seine Motive noch die Institution Kirche insgesamt jemals in Zweifel gezogen oder gar der Lächerlichkeit preisgegeben. Ebenso wie die Bewohner hat man auch als Zuschauer stets den Eindruck, dass es Daniel sehr ernst ist mit seiner Tätigkeit, denn seine zum Teil sehr innovativen Predigten und Rituale, die einige anfangs auch befremden, entspringen seinem tief empfundenen Wunsch, den ihm anvertrauten Menschen zu helfen und auf diese Weise auch selbst Erlösung zu finden von seiner schlimmen Vergangenheit.

Der auf wahren Begebenheiten basierende Film – in der Realität praktizierte der vorgebliche Pfarrer ganze drei Jahre, bevor er enttarnt wurde – beschäftigt sich somit mit solch elementaren Themen wie Machtausübung, Vergebung, Vergeltung und schließlich Erlösung. Und Hauptdarsteller Bartosz Bielenia spielt sich wahrlich die Seele aus dem Leib und macht den Film allein schon aufgrund seiner phänomenalen Leistung sehenswert.

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