Dark Justice – Du entscheidest!

Land: Luxemburg 2018  Dauer: 83/87 min.  Regie: Pol Cruchten  Mit: Martin McCann, Pascale Bussières, Désirée Nosbusch, Astrid Roos, Danny Ashok  Label: Eurovideo  : 14.1.2021  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

Die Globalisierung schreitet unaufhaltsam voran, und das bezieht sich in diesem Fall nicht nur auf das Thema des Umwelt-Thrillers Dark Justice – Du entscheidest, sondern auch auf die Produktion selbst, an der in diesem Fall sowohl Luxemburg als auch Kanada beteiligt waren – eine Kombination, die man bisher nicht allzu häufig gesehen hat.

Eine Gruppe radikaler Umweltschützer, an deren Spitze der charismatische Jake De Long steht, entführt vier äußerst mächtige und einflussreiche Persönlichkeiten und lässt sie in einem mit Kameras und Mikrofonen ausgestatteten Raum festsetzen.

An diesem unbekannten Ort sollen die Vier, zwei Konzernchefs, eine zwielichtige Chinesin und die  kanadische Umweltministerin, sich zu ihren umweltzerstörerischen Aktivitäten bekennen, wobei alles live über De Longs Website weltweit übertragen wird. Und die Zuschauer haben die Gelegenheit, über eine ständig aktualisierte Zahlenuhr darüber zu bestimmen, ob sie schuldig oder unschuldig sind an den Umweltverbrechen, die ihnen zur Last gelegt werden…

Eigentlich ist es erstaunlich, dass solch ein Film erst jetzt auftaucht, denn die gezeigten Umweltsünden – es geht in erster Linie darum, dass einer der Entführten seit Jahren ein höchst lukratives Geschäftsmodell entwickelt hat, das ihm das Monopol auf Trinkwasser in verschiedenen Regionen sichert – haben auch in der realen Welt seit Bestehen schon für Empörung gesorgt. Aber das ist nicht der einzige Missstand, den der Film kritisiert. Dark Justice zeigt auch, wie sich sowohl Länder als auch Konzerne mittlerweile völlig legal Privatarmeen halten, deren Methoden nicht unbedingt mit der freiheitllich-demokratischen Grundordnung vereinbaren lassen.

Die letzte Regiearbeit des 2019 verstorbenen luxemburgischen Regisseurs Pol Cruchten bietet im Großen und Ganzen also durchaus brisante Themen und nach einem etwas holprigen Start folgt man mit Interesse dem Gang der Handlung, entwickelt Sympathien für die Aktivisten und verachtet die ausschließlich aus Eigennutz handelnden Umweltzerstörer, ohne deshalb als Zuschauer gleich in ein moralisches Dilemma zu geraten. Doch je weiter der Film voranschreitet, desto unglaubwürdiger wird er; am Ende gewinnt man sogar den Eindruck, die Macher hätten gemerkt, dass sie sich in eine Sackgasse manövriert haben, aus der nur ein gewaltsamer Ausbruch – sprich: Unlogik – helfen kann.

Und was letztlich gar keine Erwähnung mehr findet, ist die eigentliche Prämisse von Dark Justice: während man zwar erfährt, dass eine überwältigende Mehrheit der Zuschauer sich für „schuldig“ entschieden hat, bleiben irgendwelche sich aus diesem Urteil ergebenden Konsequenzen außen vor, was wiederum den deutschen Titelzusatz Du entscheidest vollkommen obsolet macht.

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