Kommissar Wallander – Staffel 1

Regie: Philip Martin, Niall MacCormick  Mit: Kenneth Branagh, Sarah Smart, Sadie Shimmin  Label: edel:motion  FSK: 16  : 27.11.2020 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© edel:motion

Es ist wohl in erster Linie dem schwedischen Autor Henning Mankell zu verdanken, dass skandinavische Krimis – ob als Roman oder Fernsehserie – sich nach wie vor einer sehr großen Beliebtheit bei uns erfreuen. Und mit seinem Kommissar Kurt Wallander hat Mankell eine Figur erschaffen, die in kürzester Zeit zu den bekanntesten Ermittlern aufgestiegen ist: Bereits ab 1994 machte man sich an die Verfilmungen, und es war der schwedische Schauspieler Rolf Lassgard, der den melancholischen Kommissar verkörpern durfte, der so gar nichts Heldenhaftes an sich hat. 2004 übernahm dann Kenneth Branagh die Rolle und brachte es in den folgenden Jahren auf insgesamt 12 Einsätze. Die ersten drei Filme dieser Reihe erscheinen nun bei uns auf DVD, weitere folgen im nächsten Jahr.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es ab 2005 auch noch eine zusätzliche TV-Serie mit Krister Henriksson in der Titelrolle gab, deren 32 Episoden jedoch nicht auf den Romanen Mankells basieren, sondern auf Originaldrehbüchern.

Die nun vorliegenden drei 90-minütigen Filme beinhalten bereits sämtliche Elemente, die Mankell-Fans so besonders schätzen: vertrackte Fälle, gebrochene Protagonisten, eine düstere Atmosphäre und vor allem ein konfliktbeladener Ermittler, der ständig mit seinen inneren Dämonen ringt und daran verzweifelt, im Grunde nichts zur Verbesserung der Schlechtigkeit in der Welt beitragen zu können.

So beginnt die erste Episode mit dem Titel Die falsche Fährte  als vermeintliche Idylle; man sieht ein riesiges Rapsfeld im strahlenden Sonnenschein. Doch wird diese vermeintliche Idylle grausam zerstört, denn man wird – zusammen mit dem entsetzten Wallander – Zeuge, wie sich ein 15-jähriges Mädchen mit Benzin übergießt und anzündet. Die nun einsetzenden Ermittlungen führen Wallander und sein Team mitten in eine schreckliche Familientragödie. Die Brandmauer schildert die Ereignisse rund um eine militante Hackergruppe, die nichts Geringeres im Sinne hat, als das komplette Bankensystem zum Absturz zu bringen. Dass dieser Fall auch noch eine besonders fatale Wendung in Bezug auf das Privatleben des Kommissars nimmt, verleiht ihm noch eine zusätzliche Portion Tragik. Und auch im letzten Beitrag, Mittsommermord, muss Wallander erkennen, dass er seinen engsten Mitarbeiter mit völlig falschen Augen betrachtet hat, was ihm zusätzliche Schuldgefühle aufbürdet, zusätzlich zu denen, die er bereits mit sich schleppt, weil er denkt, er kümmere sich weder genug um seine Tochter noch um seinen Vater, der an beginnender Alzheimer-Erkrankung leidet.

Auch wenn Kenneth Branagh stets im absoluten Mittelpunkt steht und es kaum eine Szene ohne ihn gibt, stört das überhaupt nicht, denn diesem Ausnahmeschauspieler kann man immer ohne Ermüdungserscheinungen zuschauen. Und in Branaghs Darstellung wird nachvollziehbar, warum dieser Durchschnittsmensch Wallander so populär geworden ist. Er ist kein Held, weder übermäßig attraktiv noch besonders clever oder stark – meistens löst er seine Fälle aufgrund einer gewissen Hartnäckigkeit und nicht irgendwelcher brillianter Methoden. Doch eine Eigenschft besitzt er im Übermaß: Empathie, die jegliche Routine in seiner Tätigkeit verhindert und ihn dazu antreibt, in erster Linie die individuellen Menschen hinter den Fällen sowie deren Beweggründe in den Mittelpunkt seiner Ermittlungen zu stellen.

Doch kann man die Serie keineswegs als Kenneth Branagh-Show bezeichnen, denn ihm zur Seite stehen eine ganze Menge überzeugender Darsteller, die hier zum Teil noch am Beginn ihrer Karriere standen. So kann man in Die falsche Fährte einen noch sehr jungen Nicholas Hoult bewundern. Und falls Ihnen der Darsteller von Wallanders Mitarbeiter Martinsson irgendwie bekannt vorkommt – es ist tatsächlich Loki persönlich, Tom Hiddleston.

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