Guns Akimbo

Land: GB/D/NZ 2019  Regie: Jason Lei Howden  Mit: Daniel Radcliffe, Samara Weaving, Rhys Darby, Mark Rowley, Natasha Liu Bordizzo  Label: Leonine  : 4.12.2020  FSK: 18 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Leonine

Was ist nur mit Daniel Radcliffe passiert? Seit dem Ende von Harry Potter gewinnt man immer mehr den Eindruck, er suche sich gezielt möglichst abwegige Projekte aus: Mit Ausnahme von The Woman In Black, den man im Mainstream verorten kann, sind so ziemlich alle anderen seiner Filme ausschließlich im Indie-Bereich angesiedelt und sprechen somit nur ein kleines Publikum an. Der bisher unbestrittene Höhe- bzw. Tiefpunkt – je nach Sichtweise – war wohl die Rolle einer furzenden Leiche (fragen Sie jetzt nicht!) in Swiss Army Man. Und auch sein bisher letzter Film mit dem nicht ganz einfach zu übersetzenden Titel Guns Akimbo (etwa: Beidseitige Knarren) dürfte sich nur an eine Minderheit richten und anständigen Harry Potter-Fans die Haare zu Berge stehen lassen.

Miles (Daniel Radcliffe) ist laut eigener Aussage „ein Nobody“, der sein Geld mit dem Entwerfen von Computerspielen verdient, die „Kindern sinnlos Geld aus der Tasche ziehen“, wie er selbstkritisch anmerkt. Als er eines Abends auf eine im Darknet ausgestrahlte Art von Reality-Spielshow namens „Skizm“ stößt, in der sich Kandidaten im Live-Stream gegenseitig abschlachten, ist er so entsetzt, dass er nicht anders kann, als die Macher zu kritisieren und zu verunglimpfen. Kurz darauf erhält er Besuch von einigen „Mitarbeitern“ von Riktor, dem Chef der Show und wird übel zusammengeschlagen und betäubt. Als er wieder zu sich kommt, muss er zu seinem Entsetzen feststellen, dass man ihm an jede Hand eine Pistole mit jeweils 50 Schuss Munition festgeschraubt (!) hat. Nun ist er selbst unfreiwilliger Mitspieler, der gegen die bisher unbesiegte Nix (Samara Weaving) antreten muss, eine total durchgeknallte und unberechenbare junge Frau…

Im Englischen gibt es das Sprichwort „You can’t have your cake and eat it“, was die Unvereinbarkeit zweier Dinge beschreibt. Dummerweise versucht der neuseeländische Regisseur Jason Lei Howden genau das; einesteils erhebt er immer wieder mahnend den Zeigefinger und prangert eine durch und durch verkommene und brutalisierte Gesellschaft an, andererseits suhlt er sich geradezu in extremen Gewaltdarstellungen. Und das könnte man schlicht und einfach als pure Heuchelei bezeichnen. Denn der Regisseur weiß ganz genau, dass sich das Zielpublikum Guns Akimbo ganz bestimmt nicht anschaut, um den eigenen moralischen Standpunkt zu überdenken, sondern wohl ausschließlich, um die niedersten Instinkte wenigstens auf dem Bildschirm auszuleben.

Und in dieser Hinsicht bekommt man als Zuschauer natürlich einiges geboten; Geballer folgt auf Geballer folgt auf Geballer, wobei die Kamera bei aller Hektik gerne auf platzenden Köpfen, abgeschnittenen Körperteilen und möglichst viel Blut verweilt. Zwangsläufig stellt sich dabei allerdings auch relativ schnell ein Ermüdungseffekt ein, sodass man das Gesehene weniger als schockierend als vielmehr langweilend betrachtet. So bleibt der Film wohl hauptsächlich deshalb in Erinnerung, weil man trotz allem Daniel Radcliffe bewundern muss, der sich auf ein derart abseitiges Projekt eingelassen hat und sich mit ungeheuerem Verve in seine Rolle stürzt.

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