Pandemie

Land: Südkorea 2020  Regie: SUNG-SU KIM  Dauer: 122 min.  MitHYUK JANG, SOO AE, ROXANNE APARICIO  Label: Busch Media  : 2.10.2020  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Busch Mediagroup

„Das musste ja kommen!“ wird wohl so mancher Filmfreund denken, in dem Irrglauben, es handle sich bei Pandemie um den schamlosen Versuch, aus der momentanen Krise mit einem Schnellschuss Geld rauszuschlagen. Doch so einfach ist das nicht. Bereits im Jahr 2013 drehte der koreanische Regisseur Sung-su Kim Gamgi, was soviel heißt wie Grippe. Während dieses dem Genre des Katastrophenfilms zugehörige Spektakel in asiatischen Ländern erfolgreich im Kino lief, wurde es in Europa – wenn auch nicht in Deutschland – in Streaming-Diensten veröffentlicht. Und nach seiner Umbenennung liegt der Film nun auch bei uns als DVD/Blu-ray vor. 

In der südkoreanischen Großstadt Bundang, nur wenige Kilometer von Seoul entfernt, bricht mit atemberaubender Geschwindigkeit und Vehemenz eine bis dato unbekannte Seuche, eine Art mutierte Vogelgrippe, aus. Auslöser ist ein Container voller illegaler Einwanderer, die jedoch mit einer Ausnahme alle tot sind. Dem einzigen Überlebenden gelingt die Flucht, und bei seiner Odyssee durch die Stadt infiziert er die durch Aerosole übertragene Krankheit zahlreiche Bewohner, die wiederum weitere Menschen anstecken. Die Regierung sieht sich gezwungen, ebenso schnelle wie drastische Maßnahmen zu ergreifen und lässt die bereits infizierten Menschen in lagerähnliche Einrichtungen sperren sowie die gesamte Stadt in einen Lockdown versetzen. Die einzigen Hoffnungsträger sind der Rettungssanitäter Jigu sowie die Ärztin In-hye sowie deren kleine Tochter Mirre.

Man kann natürlich nur darüber spekulieren, wie man Pandemie – übrigens ein irreführender Titel, denn die Seuche bleibt auf Bundang beschränkt – ohne Covid-19 aufnehmen würde. Es ist nicht der erste Film, der sich mit einer die Menschheit bedrohenden Seuche auseinandersetzt: Wolfgang Petersens Outbreak und Steven Soderberghs Contagion fallen einem spontan ein, doch es ist auf jeden Fall der erste, bei dem man gar nicht anders kann, als an die momentane Situation weltweit zu denken. Und zudem ist er auch wesentlich spektakulärer als die genannten Beispiele und erinnert eher an World War Z.

Dabei möchte Pandemie natürlich weder aufklären noch informieren, sondern vor allem die Sensationslust des Publikums bedienen, und bei dem betriebenen Aufwand gelingt ihm das auch bestens. Und so folgt die Dramaturgie den in zahllosen Katastrophenfilmen bewährten Versatzstücken und konzentriert sich auf lediglich eine Handvoll Figuren, die zudem auch nur holzschnitzartig chrakterisiert werden; der selbstlose Rettungssanitäter, sein treuer Kumpel, die aufopferungsvolle Ärztin mitsamt süßer Tochter und letztlich auch eine Gruppe skrupelloser Politiker und Geschäftsleute – dieses oder ähnliches Personal kennt man bereits zur Genüge.

Allerdings geht Pandemie wesentlich ruppiger und schonungsloser zur Sache, als man es z.B. von Hollywoodfilmen gewohnt ist, und die Kamera hält erbarmungslos drauf, wenn gezeigt wird, zu welch menschenverachtenden Methoden die Regierung sowie ein US-amerikanischer (!) Berater greifen, um die Ordnung wieder herzustellen.

Auch wenn die ewigen Bedenkenträger einwenden mögen, es sei im Grunde unmoralisch, sich von einem Film unterhalten zu lassen, der unendliches menschliches Leid thematisiert, bietet Pandemie Eskapismus mit einer Prise Gegenwartsbezug und funktioniert somit hervorragend.

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