Monos – Zwischen Himmel und Hölle

Land: Kolumbien/Argentinien 2019  Regie: Alejandro Landes  Mit: Julianne Nicholson, Moisés Arias, Sofía Buenaventura, Julián Giraldo  Label: dcm Film  VÖ: 9.10.2020  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© dcm

Jean-Luc Godard revolutionierte einst das Kino mit seinem Ausspruch: „Ein Film sollte immer einen Anfang, einen Mittelteil sowie ein Ende haben – wenn auch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.“

Was würde er wohl zu Monos – Zwischen Himmel und Hölle sagen, der im Grunde genommen nichts von den drei Teilen besitzt; die zu erzählende Geschichte fängt irgendwann und irgendwo an, geht irgendwie weiter und hört ziemlich abrupt auf, ohne, dass man sich als Zuschauer irgendeinen Reim auf das Gesehene machen kann.

Eine gebirgige Gegend im Nirgendwo. Eine Gruppe von acht Jugendlichen mit Namen wie Rambo, Lady, Bigfoot oder Schlumpf, alle ausgestattet mit modernen Schnellfeuergewehren, eine weibliche Geisel, die sie bewachen sollen und ein kleinwüchsiger Kommandant, der die Gruppe hin und wieder besucht, ihnen Proviant mitbringt, Befehle erteilt und sie drillt. Bei einem seiner Besuche bringt er eine neue „Rekrutin“ (seine Worte!) namens Shakira mit (soll das ein Scherz des kolumbianischen Regisseurs sein? Hoffentlich kann die Sängerin darüber lachen!). Shakira ist eine Milchkuh, und die Truppe soll auf sie ebenso sorgfältig aufpassen wie auf die Geisel, die alle „Doctora“ nennen.

Nachdem sie ein paar psychedelische Pilze zuviel genommen haben, ballern die Jungs (und Mädels!) sinnlos in der Gegend herum, und Shakira liegt tot im Gras. Bald darauf wird die Gruppe von einem unsichtbaren Feind angegriffen und gezwungen, ihr Lager aufzugeben. Sie flüchten mitsamt ihrer Geisel hinunter in den undurchdringlichen Urwald, wo die Ereignisse vollends aus dem Ruder laufen.

Es gibt wohl nur zwei Möglichkeiten, wie man sich Monos anschauen kann: Man versucht, so etwas wie eine nachvollziehbare Handlung zu erkennen, was jedoch dazu führt, dass man sehr früh und völlig frustriert aufgibt, denn nichts, aber auch wirklich nichts ist erklärlich, sämtliche Fragen nach Wer, Wo, Wann, Wie, Warum bleiben unbeantwortet. Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass man sich den (zugegebenermaßen!) faszinierenden Bildern der Natur sowie der beständig unheilvollen Musik ergibt und all die Fragen auszublenden versucht. Zumindest eine Weile funktioniert diese zweite Möglichkeit sogar, vor allem weil Regisseur Alejandro Landes einige sehr deutliche Referenzen einbaut; offensichtlich bewundert er William Golding und dessen weltberühmten Roman Herr der Fliegen, in dem geschildert wird, wie eine Gruppe auf sich allein gestellter Jungen Schritt für Schritt in die Barbarei zurückfallen und sich gegenseitig ausrotten. 

Doch gleichzeitig wird dem Zuschauer auch deutlich, dass Landes an keiner Stelle die Qualität seiner Vorbilder erreicht, zu denen auch Joseph Conrad mit seinem Roman Herz der Finsternis gehört, den Francis Ford Coppola zu Apocalypse Now verarbeitete. Ein aufgespießter Schweinskopf, dem in Goldings Roman eine bedeutende Rolle zukommt, bleibt hier lediglich ein aufgespießter Schweinskopf.  Monos belässt es größtenteils bei Impressionen und drückt sich letztlich um das, was man von einem Film erwarten kann, nämlich Kohärenz und Nachvollziehbarkeit, ganz ungeachtet der Reihenfolge.

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