Mario Adorf: Es hätte schlimmer kommen können

Land: D 2019  Spieldauer: 98 min.  Regie: Dominik Wessely  Label: Eurovideo  : 10.9.2020  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

Allzu viele noch aktive deutsche Filmschauspieler ab einem gewissen Alter, die man guten Gewissens als Weltstar bezeichnen kann, gibt es nicht mehr; eigentlich fällt einem nur ein einziger Name ein: Mario Adorf, der im Frühjahr dieses Jahres 90 geworden ist und im Mittelpunkt einer von Dominik Wessely angefertigten Dokumentation steht.

Wenn jemand als Fazit seines Lebens Es hätte schlimmer kommen können zieht, so spricht das auf jeden Fall von großer Gelassenheit und Abgeklärtheit, trotz einer ganzen Reihe äußerst widriger Umstände. 1930 in Zürich unehelich geboren als Sohn eines italienischen Arztes und einer Deutschen, zieht der kleine Mario bereits mit einem Jahr in den kleinen Ort Meyen in der Eifel, aus dem seine Mutter stammt. Um sich und das Kind durchzubringen, arbeitet sie Tag und Nacht als Schneiderin, und da sie sich in dieser Situation nicht genug um ihren Sohn kümmern kann, gibt sie ihn für die nächsten Jahre in ein Waisenhaus.

All das erfährt man von Mario Adorf selbst, den die Kamera sowohl in sein Geburtshaus nach Zürich begleitet als auch in den Bunker nach Meyen, in dem die Bevölkerung Schutz suchte vor den Luftangriffen der Aliierten.

Schon während des Studiums träumt Adorf von einer Karriere als Künstler, wobei ihn zunächst einmal die Bildhauerei begeistert, doch nach der Rückkehr in die Schweiz und seiner Tätigkeit als Komparse am Züricher Schauspielhaus landet er schließlich in München, wo er in die berühmte Otto Falckenberg-Schule für Schauspiel aufgenommen wird. Und relativ schnell hat er nicht nur auf der Bühne Erfolg, sondern auch der Film meldet sich. Mit seiner beklemmend authentischen Darstellung eines Mordverdächtigen in Nachts wenn der Teufel kam wird er schlagartig berühmt. Weitere Rollen folgen, Italien zeigt großes Interesse, und so zieht Adorf 1960 nach Rom, das für die nächsten 40 Jahre sein Domizil wird.

Adorf erinnert sich an die Filmarbeit dort und erzählt amüsiert, dass er seinerzeit die meisten Stunts selbst machen musste, weil es keinen Stuntman mit seiner imposanten Statur gab. Und in einem rasanten Ausschnitt aus dem Film Der Mafia-Boss kann man sehen, wie er auf einen Lieferwagen in voller Fahrt springt, sich festklammert und so durch den dichten Verkehr transportiert wird. Und auch an echte mafiöse Verstrickungen im italienischen Filmgeschäft denkt er zurück mit ungläubigem Staunen.

Immer wieder schneidet Wessely Szenen aus deutschen Filmen ein, die Adorf bis zum heutigen Tag besonders wichtig sind, da jeder auf seine Art auch ein Stück deutsche Geschichte kommentiert. Dazu gehören natürlich Die Blechtrommel, Lola und Die verlorene Ehre der Katharina Blum, wobei er betont, dass er sich niemals mit einer Rolle identifiziert, sondern sie stets nur dargestellt hat.

Auch bezüglich seines Privatlebens erfährt man Wissenswertes, so z.B., dass er seine Frau Monique über Brigitte Bardot in St. Tropez kennengelernt hat.

Alles in allem entsteht so im Laufe der Dokumentation das Bild eines äußerst sympathischen, bodenständigen und vollkommen uneitlen Mannes, der auf ein erfülltes Leben zurück blickt und auch mit 90 noch tätig ist, wie ein Blick auf die Probenarbeit zu seiner geplanten Tournee mit dem Titel Zugabe beweist, wo er mit seinem Pianisten ein Chanson einübt. Bekanntllich machte die Corona-Krise diesem Plan einen Strich durch die Rechnung, doch so wie uns Mario Adorf in Es hätte schlimmer kommen können begegnet, kann man sich gut vorstellen, dass diese Tour bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit nachgeholt wird.

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