The Postcard Killings

Land: USA 2020  Regie: Danis Tanovic  Dauer: 100/104 min.  Mit: Jeffrey Dean Morgan, Cush Jumbo, Joachim Król, Famke Janssen  Label: Eurovideo  : 8.10.2020  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

Wer, wie der Verfasser dieser Zeilen, bisher dachte, dass Stephen King die Krone als Vielschreiber verdient, muss sich eines Besseren belehren lassen: Neben den ca. 150 Romanen seit Mitte der Siebziger, die James Patterson allein oder mit Co-Autoren (u.a. Bill Clinton!) verfasst hat, nimmt sich das Gesamtwerk Kings nahezu mickrig aus, auch wenn wesentlich mehr von dessen Werken auch den Weg ins Kino fanden. Von Patterson dagegen gibt es lediglich zwei Spielfilme, beide mit Morgan Freeman als Polizeipsychologe Alex Cross: Denn zum Küssen sind sie da sowie Im Netz der Spinne. Nun kommt als Dritter auch noch The Postcard Killings hinzu, den James Patterson zusammen mit seiner schwedischen Kollegin Liza Marklund unter dem deutschen Titel Letzter Gruß geschrieben hat.

Im Mittelpunkt von The Postcard Killings steht der toughe New Yorker Polizist Jacob Kanon (Jeffrey Dean Morgan). Nachdem seine Tochter und deren Mann auf der Hochzeitsreise grausam ermordet und verstümmelt wurden, begibt er sich nach London, um die Toten zu identifizieren. Es wird anhand entsprechender Postkarten, die nur der Täter verschickt haben kann, deutlich, dass es bereits in anderen europäischen Großstädten ähnlich bizarre Mordfälle gegeben hat; jedesmal wurden die Opfer verstümmelt und auf eine besondere Art zur Schau gestellt, die berühmten Kunstwerken ähnelt. Als Polizist bietet Kanon natürlich den in London, München, Stockholm, Madrid, Amsterdam und Brüssel ermittelnden Beamten seine Hilfe an, doch nur der Münchener Beamte (Joachim Król) lässt sich darauf ein. Und schon relativ früh findet Kanon, mit Hilfe einer schwedischen Journalistin, eine Spur, die direkt zu dem Täter führt, oder besser gesagt, zu den Tätern, während seine geschiedene Frau Valerie (Famke Janssen) in der Heimat auch nicht untätig bleibt…

Wenn man etwas von The Postcard Killings auf gar keinen Fall erwarten darf, so sind das Plausibilität und Kontinuität; die Geschichte springt derart wirr durch die Geographie, dass man es bald aufgibt, sich zu fragen, warum der deutsche Ermittler piötzlich in Stockholm auftaucht bzw. an welchem Schauplatz man sich überhaupt gerade befindet. Und nachdem nach etwa der Hälfte der Laufzeit feststeht, wer für die Morde verantworlich ist, folgen ein Rückblick mitsamt dem an den Haaren herbei gezogenen Motiv. Und so schleppt sich die Geschichte spannungsarm weiter und weiter, um dann in einem Finale in der Eiswüste zwischen Norwegen und Russland zu münden, das aus einem ganz anderen Film zu stammen scheint.

Auch wenn man von einem sog. „Psycho-Thriller“ nicht unbedingt absoluten Realismus verlangen kann, wirkt so ziemlich alles an The Postcard Killings derart aufgesetzt, dass man sehr schnell das Interesse verliert, wozu auch die Optik des Filmes beiträgt; eine solchermaßen biedere Kameraführung kann man jeden Sonntag um 22.15 Uhr in den Krimis erleben, die im ZDF laufen – das hier übrigens als Co-Produzent gelistet wird. Da helfen auch einige verwackelte und mehrfach belichtete Sequenzen nicht, die wohl an unerreichbare Vorbilder, wie z.B  David Finchers Sieben erinnern möchten. Und der abschließende Gag soll das Publikum auf eine eventuelle Fortsetzung vorbereiten, zu der es hoffentlich niemals kommt…

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