Monsieur Killerstyle

Land: F 2019  Laufzeit: 74/77 min.  Regie: Quentin Dupieux  Mit: Jean Dujardin, Adèle Haenel, Albert Delpy Label: Koch Films  VÖ: 24.9.2020  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Koch Films

Bereits mit seinem Video-Clip zum unter dem Pseudonym „Mr. Oizo“ 1999 eingespielten Discoknaller „Flat Beat“ bewies Quentin Dupieux Sinn für abwegigen Humor; einen Sinn, den er 2010 mit seinem zweiten Kinofilm Rubber noch weit übertraf. In Rubber geht es um einen eigenständig denkenden und handelnden Autoreifen mit telekinetischen Kräften, der durch eine karge Wüstenlandschaft rollt und auf seinem Weg eine ganze Menge Menschen tötet. Abends sieht man den Reifen dann, wie er im Sessel sitzt und fernsieht.
Ganz so abgefahren ist Dupieux´s neuer Film Monsiseur Killerstyle zwar nicht, aber auch hier muss man dem Regisseur bescheinigen, dass er sich in absolut keine Schublade einordnen lässt, sondern munter und ungehemmt alle möglichen Genres und Publikumserwartungen durch den Fleischwolf dreht.

Georges (Jean Dujardin) ist ein Mann in den besten Jahren, wie man so schön sagt. Nachdem er das gemeinsame Konto um 7.500 € erleichtert hat, um eine mutmaßlich im Internet ersteigerte Wildlederjacke mit Fransen bezahlen zu können, wirft ihn seine Frau kurzerhand raus und sperrt das Konto. Nachdem Georges die Jacke persönlich bei deren Besitzer abgeholt und angezogen hat, kann er den Blick kaum mehr von seinem neuen Ich wenden. Problematisch wird es allerdings, als die Jacke anfängt, zu ihm zu sprechen und ihm ihren Wunschtraum offenbart; sie möchte die einzige Jacke auf der ganzen Welt sein, alle anderen müssen verschwinden! Georges macht sich an die Arbeit, die zunehmend blutiger wird…

Monsieur Killerstyle, der im Original schlicht Le Daim (= Das Wildleder) heißt, lediglich als „abgefahren“ oder „durchgeknallt“ zu bezeichnen, trifft die Sache nicht ganz, obwohl er das natürlich auch ist. Gleichzeitig jedoch packt Dupieux eine ganze Batterie gesellschaftlich relevanter Themen in seinen Film und pendelt dabei ständig zwischen Farce, Komödie und Tragödie. Was als Midlife-Crisis eines unscheinbaren Bürgers beginnt, wandelt sich ständig, sodass man als Zuschauer niemals sicher sein kann, welch unerwartete Wendung der Film als nächstes nimmt.

Hat man den Film erst einmal gesehen, kann man sich außer Hauptdarsteller Jean Dujardin niemand sonst in der Rolle vorstellen; mit einem bewundernswerten Balanceakt gelingt es ihm, jede neue Wendung, jede absurde Volte vor der Lächerlichkeit zu bewahren und das Interesse des Zuschauers an diesem eigenartigen Charakter aufrecht zu erhalten. Und auch wenn er mit Adèle Haenel als frustrierte Filmschaffende Denise eine ebenbürtige Partnerin hat, ist der Film derart auf Dujardin zugeschnitten, dass alle anderen Figuren zwangsläufig verblassen müssen. Und wenn das Geschehen nach angenehm kurzen 77 Minuten im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Knalleffekt endet, hat man den Eindruck, man habe einem Film beigewohnt, wie es sie heutzutage nicht mehr allzu viele gibt.

P.S. Dupieux versäumt es auch nicht, dem anderen, wesentlich bekannteren Quentin, ein bisschen ans Bein zu pinkeln; Denise erzählt Georges, als Cutterin habe sie einmal, nur so zum Spaß, Tarantinos Pulp Fiction völlig umgeschnitten und in die chronologisch richtige Reihenfolge gebracht. Und das Ergebnis? „Der Film ist richtig Scheiße!“

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