Perfetti Sconosciuti

Regie: Paolo Genovese  Laufzeit: 93 min.  Mit: Giuseppe Battiston, Anna Foglietta, Marco Giallini, Edoardo Leo, Valerio Mastandrea, Alba Rohrwacher, Kasia Smutniak LabelConstantin Home Entertainment  VÖ: 3.9.2020  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Constantin

Nur die Amerikaner und die Briten scheinen bisher immun zu sein, denn es gibt noch keine englischsprachige Version eines Stoffes, der seit 2016 in diversen Ländern immer wieder in Angriff genommen wurde und unter dem Titel Das perfekte Geheimnis  zu den erfolgreichsten Filmen des vergangenen Jahres in Deutschland gehört.

Nun erscheint mit Perfetti Sconosciuti (Perfekte Fremde) auch die italienische Urfassung bei uns, und es ist ganz reizvoll, diese Version mit dem Film zu vergleichen, der bei uns so viele Besucher ins Kino gelockt hat.

Die Grundkonstellation ist in beiden Fällen absolut identisch; ein Ärzte-Ehepaar – er Schönheitschirurg, sie Psychologin – lädt zwei weitere Ehepaare sowie einen einzelnen Mann zum Abendessen ein. Die Wohnung ist äußerst geräumig und luxuriös, man ist bester Stimmung in Erwartung der erlesenen Speisen und Getränke, und die drei Paare sind schon sehr gespannt auf die neue Begleitung, die ihr gemeinsamer Freund mitbringen möchte. Doch auch als dieser allein erscheint und behauptet, seine Freundin sei erkältet, tut das der Stimmung keinen Abbruch. Die Situation ändert sich erst dann, als die Gastgeberin ein Spiel vorschlägt: alle sollen ihre Handys eingeschaltet auf den Tisch legen, damit sämtliche eingegangenen Telefonate, Nachrichten und Bilder für alle sicht-und hörbar werden, denn schließlich sei man ja unter Freunden, und da habe man keine Geheimnisse. Plötzlich nimmt der Abend einen so überhaupt nicht vorgesehenen Verlauf…

Während der Untertitel dieser Version bei uns lautet Wie viele Geheimnisse verträgt eine Freundschaft? steht auf dem italienischen Plakat „Jeder von uns hat drei Leben: ein öffentliches, ein privates und ein geheimes“, was den Inhalt natürlich noch expliziter erklärt. Und auch Menschen, die nicht zu den über drei Millionen gehören, die bei uns ins Kino gegangen sind und den vielen weiteren, die mittlerweile die sich ebenfalls zum Bestseller entwickelnde DVD besitzen, dürfte ziemlich klar sein, worum es in dieser Geschichte geht; ausnahmslos sämtliche Beteiligten haben ihre kleineren, vor allem jedoch größeren Geheimnisse, die im Verlaufe eines einzigen Abends für alle ersichtlich werden und zu weitreichenden Konsequenzen führen.

Auch wenn das nun nicht unbedingt nach einer harmlosen Komödie klingt – was auch das Original ganz und gar nicht ist – gelang es Regisseur Bora Dagtekin in Das perfekte Geheimnis doch so etwas wie die Quadratur des Kreises, indem er ein relativ unpassendes Happy End anklebte und somit viele der vorher ausgesprochenen bitteren Wahrheiten zunichte machte. Und hier haben wir auch den wesentlichen Unterschied zum Original von Regisseur und Drehbuchautor Paolo Genovese, der weder seine Charaktere noch seine Zuschauer derart weichgespült wieder vom Haken lässt. Ohne zu viel verraten zu wollen – die Schlusspointe von Perfetti Sconosciuti erscheint zwar auf den ersten Blick als fauler Zauber, bei genauerem Hinsehen jedoch merkt man, dass sie absolut unversöhnlich ist, denn sämtliche Protagonisten sind nach wie vor in all ihre Lügen und Geheimnisse verstrickt, eine wie auch immer geartete Lösung ihrer Probleme befindet sich in weiter Ferne. Und dieses Ende hinterlässt beim Zuschauer letztlich einen wesentlich stärkeren Eindruck.

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2 Antworten zu Perfetti Sconosciuti

  1. diesesjenesmeines schreibt:

    … ich hoffe, ich bekomm diese version auch mal zu sehen, euer beitrag macht auf jeden fall lust drauf!

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  2. FilmkritikenOD schreibt:

    https://wordpress.com/de/forums/topic/bitte-lesen-vor-dem-posten/

    Selbst in der WordPress-Hilfeseite wird vernetzt. Das ist sehr löblich. Man kann nie genug vernetzen.

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