Lindenberg! Mach dein Ding

Land: D 2019  Regie: Hermine Huntgeburth  Mit: Jan Bülow, Detlev Buck, Max von der Groeben, Charly Hübner, Julia Jentsch, Martin Brambach, Ruby O. Fee  Label: dcm Film  : 21.8.2020  FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© dcm

Spätestens nach den Erfolgen von Filmen wie Bohemian Rhapsody oder Rocketman war es höchste Zeit, dass auch ein deutscher Rockmusiker seine Filmbiographie erhält. Und wer eignet sich da besser als Udo Lindenberg?

Und anders als das bereits existierende Musical Hinter dem Horizont, in dem möglichst viele seiner bekanntesten Lieder aneinandergereiht werden, erzählt Lindenberg! Mach dein Ding  tatsächlich Lindenbergs Geschichte von seinen Kinder-und Jugendjahren in Gronau bis zum ersten großen Erfolg Anfang der Siebziger mit der LP Alles klar auf der Andrea Doria.

Trist und grau erscheint zu Beginn der Fünfziger die kleine Stadt Gronau irgendwo in der norddeutschen Provinz. Familie Lindenberg besteht aus Vater Gustav (Charly Hübner), Mutter Hermine (Julia Jentsch), den beiden Söhnen Erich und Udo sowie zwei Töchtern, die für die Geschichte keine Rolle spielen, was man schon daran erkennt, dass sie im Film nicht einmal Namen haben. Gustav Lindenberg ist Klempner von Beruf, wie bereits sein Vater, und auch dem kleinen Udo droht ein ähnliches Schicksal. Andererseits bekommt er von seinem alkoholkranken und depressiven Vater zu seinem 13. Geburtstag ein Schlagzeug geschenkt. Es wird deutlich, dass dieser zutiefst unglückliche Mann in seiner Jugend ebenfalls Träume und Wünsche hatte, aus denen jedoch nichts wurde. Nun soll wenigstens einer seiner Söhne eine Chance bekommen. Nach einer fehlgeschlagenen Ausbildung zum Kellner in Düsseldorf verdingt sich Lindenberg als Schlagzeuger bei einer Band, die in Libyen für die dort stationierten Amerikaner als Truppenbetreuer tätig ist, kehrt desillusioniert zurück nach Deutschland, lebt von sporadischen Studiotätigkeiten – u.a. sieht und hört man ihn, wie er 1970 die Tatort-Titelmelodie eintrommelt – und erhält schließlich einen Plattenvertrag bei der Firma Teldec, bei der ein gewisser Herr Matheisen (Detlev Buck, am Rande einer Parodie) sich für ihn einsetzt. Seine erste komplett auf Englisch gesungene LP floppt jedoch gewaltig, und erst als er eine zweite Chance erhält und gegen alle möglichen Widerstände beginnt, seine Lieder auf Deutsch zu singen, hat er Erfolg. Doch dafür muss er einen hohen Preis zahlen…

Regisseurin Hermine Huntgeburth ist eine gleichermaßen liebevolle wie auch kritische Bestandsaufnahme des frühen Lindenberg gelungen; so wird er keineswegs nur als sensibler junger Mann gezeigt, der seinen im Grunde äußerst deprimierenden Lebenbedingungen zum Trotz seinen Weg geht, sondern auch als selbstgefälliger, stellenweise auch rücksichtsloser Tyrann; nirgends sieht man das besser als an seinem Verhältnis zu Jugendfreund und Bassist (bis zum heutigen Tag übrigens!) Steffi Stephan (Max von der Groeben).

Der Film lässt die frühen Siebziger in all ihrer Pracht auferstehen – sei es eine chaotische WG, ungehemmter LSD-Konsum oder eine nostalgisch anmutende Reeperbahn, komplett mit Wiener Zuhälter im Pelzmantel. Und auch Lindenbergs diverse Liebschaften, die ihn immer wieder zu später sehr bekannten Songs inspirieren, wirken wie aus dem Leben gegriffen.

Wahrscheinlich hätte der Film jedoch nicht ohne Hauptdarsteller Jan Bülow gedreht werden können. Es ist schon sehr verblüffend, wie sehr der junge Schauspieler in Mimik, Gestik und Tonfall das Original haargenau trifft, ohne dass man als Zuschauer jemals den Eindruck einer Parodie gewinnt – und diese Gefahr besteht bei Lindenbergs zahlreichen bis zum heutigen Tag bekannten Manierismen auf jeden Fall.

Und trotz einer Gesamtlaufzeit von 134 Minuten gibt es praktisch keinen Leerlauf, ganz im Gegenteil; als der Film mit Lindenbergs ersten großen Auftritt im Jahr 1973 endet und die letzten Töne von Alles klar auf der Andrea Doria verklingen, wünscht man sich direkt eine zweiten Teil, der den weiteren Verlauf seiner äußerst wechselvollen Karriere thematisiert.

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Eine Antwort zu Lindenberg! Mach dein Ding

  1. Sven Meier schreibt:

    Moin. Ja, mir als Lindenberg-Fan hat der Film auch gut gefallen und Jan Bülow hat den Udo gut verkörpert.

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