Blood Drive – Staffel 1

Land: USA 2018  Laufzeit: 610 min.  Mit: Alan Ritchson, Christina Ochoa, Thomas Dominique Label: Justbridge Entertainment : 14.8.2020  FSK: 18 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Justbridge Entertainment

 

Das hätte George Miller sicher nicht gewollt, als er 1979 den ersten Mad Max-Film drehte: erst kam in den 80ern eine ganze Flut minderwertiger meist italienischer Plagiate, billigst hergestellt in irgendwelchen Kiesgruben als einzigem Schauplatz. Und als ob das noch nicht reichte, gab es auch noch die erstaunlich langlebige Filmreihe Death Race.

Doch mit der ersten (und letzten!) Staffel von Blood Drive scheint nun endgültig das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein, und das gleich in mehrfacher Bedeutung.

Wir befinden uns in den USA im Jahre 1999, allerdings muss es sich um eine Art Parallelwelt handeln, denn sowohl der Klimawandel als auch unkontrolliertes Fracking haben ein apokalyptisch anmutendes Ödland geschaffen, in dem Ressourcen knapp sind und Autos mit menschlichem Blut als Antriebstoff laufen. Ein omnipräsenter Konzern namens „Heart“, dem u.a. auch die Polizei untersteht, veranstaltet wieder einmal das live übertragene Spektakel „Blood Drive“, bei dem sich die Fahrer ein mörderisches Rennen liefern.

Als Arthur, „der letzte gute Cop“, wie er sich selbst bezeichnet, das Rennen unterbinden will, wird er vom überdrehten Moderator Slink festgenommen und der Teilnehmerin Grace als Co-Pilot zugeteilt. Zudem wird beiden eine Sprengladung im Genick implantiert, die es unmöglich macht, sich allzu weit voneinander zu entfernen. Währenddessen fällt Arthurs Kollege Christopher einer Androidin in die Hände, die ihm zunächst seine sämtlichen Körpersäfte entzieht, um ihn dann entsprechend zu modifizieren. Nun ja…

Bei der Sichtung der 13 Episoden, aus denen Blood Drive besteht, meldete sich beim Schreiber dieser Zeilen immer wieder sein besseres Ich und flüsterte ihm vorwurfsvoll zu: „Warum schaust du dir diesen unglaublich primitiven, sinnlosen Dreck an? Hast du wirklich nichts Besseres zu tun?“ Diese Bedenken wurden jedoch von den niedersten Instinkten, über die wohl jeder Mensch verfügt, beiseite geschoben: „Komm, das ist doch mal was ganz Anderes, guck weiter!“

Und die erste Handvoll Episoden lässt sich denn auch relativ flott an; auf ihrer Fahrt begegnen die Partner wider Willen Kannibalen, Amazonen, sexbesessenen Zombies oder Irren, die sie jedoch jedesmal irgendwie überwinden. Natürlich müssen die Macher der Serie von Anfang an gemerkt haben, dass dieser eine Handlungsstrang nicht über 13 Episoden ausgewalzt werden kann, und so kamen sie auf die unselige Idee, diesem einen noch zwei weitere hinzuzufügen. So werden wir auch Zeuge der Experimente an Christopher, wobei der arme Darsteller die meiste Zeit damit verbringen muss, nackt und gefesselt auf einem Labortisch zu liegen, während sich die Androidin mit dem äußerst aufreizenden Hüftschwung über ihn hermacht. Und da man in den USA zwar spritzendes Blut, abgehackte Körperteile und zermanschte Köpfe mit allen Details zeigen darf, ist ein Penis natürlich ein absolutes Tabu. Die Macher kamen daher auf die glorreiche Idee, dieses Körperteil mit einem überdimensionalen schwarzen Balken zu überdecken, der ab und zu auch mal senkrecht nach oben weist. Lustig, nicht wahr?

Leider verlangsamt dieser Handlungsstrang die Haupthandlung doch arg. Noch schlimmer allerdings wirkt die Geschichte von Julian Slink, dem Moderator des Rennens; vor allem aufgrund des unsäglichen Gehampels des Darstellers geht er einem bereits nach kürzester Zeit gehörig auf die Nerven und der Finger schwebt öfters über dem schnellen Vorlauf.

Was das Zuschauen jedoch endgültig zu einer Tortur macht, ist die immer beliebiger erscheinende „Handlung“, und diesen Begriff muss man hier unbedingt in Anführungszeichen setzen; etwa nach der Hälfte geht den Machern definitiv der Sprit aus (haha!) und Blood Drive flüchtet sich in ein völlig überdrehtes, sinnentleertes Sammelsurium an unverständlichen Ereignissen, die sich aus allen möglichen und vor allem unmöglichen Versatzstücken bedienen und die Serie endgültig zum Entgleisen bringen. Da man nicht weiß, was das alles überhaupt soll, sind einem auch die Figuren völlig egal, und man langweilt sich gehörig – ganz gleich wie viele Hektoliter Blut vergossen und wie viele Figuren abgeschlachtet werden.

Immerhin haben die Macher entsprechend vorgebaut, um gegen etwaige Vorwürfe gewappnet zu sein; immer wieder fallen im Verlauf der Handlung Sätze wie „Was ist das für eine Scheiße?“, „Ich habe keine Zeit für diese Scheiße!“ oder „Das ergibt doch alles keinen Sinn!“  Und damit ist eigentlich alles gesagt!

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3 Antworten zu Blood Drive – Staffel 1

  1. Wortman schreibt:

    Das riecht ja förmlich nach Trash der untersten Schublade 🙂

    Liken

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