Vagrant Queen

Regie: Jem Garrard & Danishka Esterhazy  Mit: Adriyan Rae, Tim Rozon, Paul Du Toit,   Label: Eye See Movies  : 7.8.2020  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eye See Movies

„If Star Wars was directed by the Coen Brothers“ – wer auch immer für diesen genialen Geistesblitz verantwortlich ist, der auf der Hülle der zehnteiligen Syfy-Serie Vagrant Queen prangt, sollte zwei Dinge umgehend erledigen: Sich den Mund mit Seife auswaschen und sich bei Joel und Ethan entschuldigen.
Doch seltsamerweise kann man auch in der FAZ – dahinter steckt immer ein kluger Kopf – lesen: „Bei der Syfy-Serie Vagrant Queen springt der Spaß von den Schauspielern auf das Publikum über. Im All war selten solch bunte, gelungene, feministische Komödie.“
Hmm… Hat der Verfasser dieser Zeilen womöglich etwas nicht ganz verstanden?

Elida ist bereits als Mädchen eine Königin, die aber zu einem ausgestoßenen Waisenkind wird. Allein auf sich gestellt, ist sie ständig unterwegs, um sich als Schrottsammlerin bzw. Plünderin ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dabei muss sie ständig auf der Hut sein, denn sie wird von Vertretern der Republik gesucht, die ihre Blutlinie ein für allemal auslöschen wollen. Als sie auf den Erdling Isaac trifft, der behauptet, Elidas Mutter sei noch am Leben, machen sich beide in dessen schrottreifem Raumschiff auf die gefährliche Suche nach ihr, nur begleitet von der patenten Mechanikerin Amae.

„Alles so schön bunt hier!“ sang einst Nina Hagen auf ihrem Titel „TV-Glotzer“, und genau das ist der erste Gedanke, der einem bereits während des Vorspanns durch den Kopf geht. Begleitet von einem billig klingenden Discorhythmus scheinen die Farben auf dem Bildschirm geradezu zu explodieren – ein Prinzip, dem auch alle 10 Episoden folgen. Basierend auf einem gleichnamigen Comic, entwirft die für die Gesamtkonzeption verantwortliche Regisseurin und Drehbuchautorin Jem Garrard ein Universum, bei dem man als Zuschauer zwar ständig auf etwas stößt, das einem aus anderen Filmen sehr bekannt vorkommt, doch da alles mit leichter Hand inszeniert erscheint und sich die Macher absolut keine Mühe geben, ihre Einflüsse zu verstecken, akzeptiert man den zum Teil dreisten Klau letztendlich.

Star Wars, Star Trek, Guardians Of The Galaxy, Thor – Ragnarok, Firefly, Dune  das sind nur die offensichtllichen Inspirationsquellen; bei näherem Hinsehen findet man bestimmt noch mehr. Ein Alleinstellungsmerkmal der Serie besteht allerdings darin, dass für Regie und Drehbücher der einzelnen Episoden ausschließlich Frauen zuständig sind; zieht man diese Tatsache in Betracht – ebenso wie den Umstand dass die weibliche Hauptfigur nicht nur eine Frau und schwarz ist, sondern auch noch (ACHTUNG: SPOILER, wenn auch kein besonders überraschender!) lesbisch, so kann man Vagrant Queen zumindest diesbezüglich eine gewisse Originalität nicht absprechen.

Wie Interessierte bereits wissen, dürfen Syfy-Produktionen nicht allzu viel kosten, doch auch diesen Umstand weiß die Serie für sich zu nutzen – wenigstens für eine Weile. Die CGI-Effekte sehen größtenteils aus, als stammten sie von der Computer-AG eines Kleinstadtgymnasiums, die zahlreichen Außerirdischen könnte man so ähnlich auf irgendwelchen Cosplay-Veranstaltungen treffen, und obwohl man ständig durch Einblendungen daran erinnert wird, dass Vagrant Queen nicht in unserem Sonnensystem spielt („Another Galaxy. Not Yours.“) sehen die Protagonisten doch weitgehend humanoid aus. Lediglich an den Ohren kann man gewisse Unterschiede erkennen, ein Kniff, der bereits bei Star Trek wunderbar funktioniert hat.

Das Hauptmanko der Serie jedoch besteht sowohl in dem äußerst dünnen Plot – die ersten fünf Episoden verlaufen stets nach dem gleichen Schema: Unsere Helden geraten in massive Schwierigkeiten und schießen sich irgendwie den Weg frei, als auch in der Tatsache, dass der Ton der einzelnen Episoden sehr uneinheitlich ist; während man meistens den Eindruck gewinnt, niemand nehme das Ganze auch nur eine Spur ernst, gibt es immer wieder Passagen, in denen es um existenzielle Fragen geht, Charaktere einfach so getötet werden und der Bildschirm sich mit (verschieden farbigem) Blut füllt. Ach ja, und Hauptbösewicht Lazaro ist ein tuntig wirkender Sadist.

Wenn Ihre Ansprüche demnach nicht allzu hoch sind, Sie auch über missglückte Witzchen lachen können und nicht empört sind, wenn Vagrant Queen die o.a. Vorbilder gehörig durch den Kakao zieht, dann können Sie einen Blick riskieren. Und das Ende der ersten Staffel sieht ganz so aus, als würde die Serie fortgesetzt werden. Na dann…

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2 Antworten zu Vagrant Queen

  1. movieserienaddict schreibt:

    Ich hab mal die erste Folge mir ansehen können:
    Billig produziert, aber dennoch unterhaltsam.

    LG
    Stephan

    Gefällt 1 Person

  2. Wortman schreibt:

    Hat vielleicht noch jemand an borad Corona? Dann wären wenigstens alle vier sozialpolitischen Themen des Jahres 2020 hier vereint 😉
    Das ist mir zu gewollt… die Serie werde ich auslassen.

    Liken

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