Dünnes Blut

Land: Deutschland 2020  Regie: Mehrdad Taheri  Dauer: 118 min.  Mit: Kida Khodr Ramadan, Mehrdad Taheri, Simon Licht, Burak Yigit, Jenny Eiching & FARD  Label: Eurovideo  : 6.8.2020  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

„Der besondere Reiz liegt für mich darin, dem Zuschauer den Gedanken nahe zu bringen, dass es nicht darauf ankommt, ob man ein gesellschaftlich angepasstes Leben führt oder sich als Außenseiter durchs Leben kämpft. Solange man ehrlich zu sich selbst ist und seine eigenen Entscheidungen trifft, ist man ein freier Mensch.“
Soweit Mehrdad Taheri zu seinem Regiedebüt Dünnes Blut. Nach Sichtung seines Films jedoch stellt sich dem Zuschauer eher die Frage „Hätte ich meine Zeit nicht sinnvoller verbringen können? Zum Beispiel, indem ich der Farbe des frisch gestrichenen Badezimmers beim Trocknen zuschaue?“

Alexander Bischoff (Simon Licht) ist ein desillusionierter Polizist in Berlin. Seine einzige Bindung ist eine dunkelhäutige Prostituierte, sein einziges Bestreben scheint darin zu bestehen, ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Von seiner offensichtlich korrupten Vorgesetzten wird er auf einen Fall angesetzt, in dem er es mit den Machenschaften eines mächtigen arabischen Clans zu tun bekommt, angeführt von dem in solchen Rollen wohl unvermeidlichen Kida Khodr Ramadan. Und dann ist da auch noch ein abgewrackter Boxer (Mehrdad Taheri), der seiner schwangeren Freundin ein besseres Leben ermöglichen möchte…

Vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, hoffnungsvolle Jungfilmer, die sich in ihrem Erstlingswerk nicht nur die Regie, sondern auch gleich eine der Hauptrollen zutrauen, an ein berühmtes Zitat des legendären Billy Wilder zu erinnern; auf die Frage, was für einen Film notwendig sei, antwortete er folgendermaßen : „Drei Dinge sind für einen ordentlichen Film unabdingbar – ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch und ein gutes Drehbuch.“ Und genau das fehlt im Falle von Dünnes Blut ganz eindeutig, der sich noch nicht einmal entscheiden mag, wessen Geschichte hier eigentlich erzählt werden soll, denn der Polizist rückt im Verlauf der Handlung immer mehr in den Hintergrund.

Nicht nur strotzt die Handlung vor Klischeefiguren, deren Denken und Handeln doch sehr nach „Malen nach Zahlen“ aussieht, nicht nur gibt es massive Logiklöcher und tausendmal gehörte Plattitüden in den Dialogen – gegen Ende gehen dem Regisseur vollends die Gäule durch, und er präsentiert einige wirr montierte Actionsequenzen, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Und nach den ersten Namen im Nachspann wartet er dann noch mit einer faustdicken Überraschung auf, die allerdings bei näherer Betrachtung absolut keinen Sinn ergibt.

„Ein intensiver Crime-Thriller mit prominenter Besetzung, der Fragen nach richtig und falsch, nach gut und böse aufwirft“, wie es im Pressetext heißt, sieht jedenfalls anders aus.

Dieser Beitrag wurde unter Thriller abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.