Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

Autor: Kai Bliesener  Verlag: Schüren, Mai 2020  ISBN: 978-3-7410-0355-4  Umfang: 232 Seiten Preis: 24.90  Euro – Gelesen hat Julian Dax:

© Schüren-Verlag

Nach dem Tod von Kirk Douglas gibt es nur noch wenige Filmschaffende, die den Titel „lebende Hollywood-Legende“ verdienen; außer Robert Redford, der sich jedoch bereits vom Filmgeschäft zurückgezogen hat, fällt einem im Grunde genommen nur ein einziger Name ein: Clint Eastwood, der am 31. Mai 2020 seinen 90. Geburtstag feierte und nach wie vor Filme vor und hinter der Kamera dreht.

Aus diesem Grund ist im Schüren-Verlag nun Kai Bliesingers Filmbiographie Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften erschienen, in der dessen erstaunliche Karriere anschaulich und übersichtlich präsentiert wird. Vom ersten Auftritt in Die Rache des Ungeheuers im Jahre 1955 bis hin zu seinem bisher letzten Film als Regisseur Der Fall Richard Jewell, dessen Kinoeinsatz bisher von der Corona-Krise verhindert wird, zeugt das Gesamtwerk Eastwoods, ab 1971 auch zunehmend als Regisseur, von einer für manche sicherlich überraschenden Vielfältigkeit.

In zahlreichen kurzen Kapiteln nähert sich der Autor der Person und dem Werk und zitiert im Verlauf der insgesamt 232 Seiten mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos immer wieder Kritikerstimmen zu den besonders diskussionswerten Filmen. Dabei wird erkennbar, dass man Eastwood bitteres Unrecht täte, würde man ihn auf seine zwei wohl bekanntesten Filmfiguren reduzieren, den „Mann ohne Namen“ in Sergio Leones „Dollar-Trilogie“ und „Dirty Harry“, den zynischen Cop aus den Siebzigern.

Zeigt er bereits als Schauspieler eine erstaunliche Bandbreite an Charakteren – vom geisterhaften Cowboy in der Western-Allegorie Ein Fremder ohne Namen über den krebskranken Country-Sänger in Honkytonk Man bis hin zum sensiblen Fotografen in Die Brücken am Fluss, sind es vor allem die Filme, in denen er für die Regie zuständig ist, die eine Vielzahl existenzieller Fragen aufwerfen. Seien es die Spätfolgen von Kindesmissbrauch in dem verstörend-düsteren Mystic River oder das Recht auf selbstbestimmtes Sterben in dem erschütternden Million Dollar Baby – Eastwood schreckt niemals vor kontroversen Themen zurück. Und spätestens der Doppelschlag Flags Of Our Fathers / Letters From Iwo Jima, wo er sich mit den zwei Seiten des amerikanisch-japanischen Krieges auseinandersetzt und ihm von Dumpfbacken den Vorwurf eingebracht hat, ein Vaterlandsverräter zu sein, dürfte ihn vom Ruf als blinder Patriot befreit haben, den ihm Gegner aufgrund seiner immer wieder mal geäußerten Sympathien für die Republikaner vorwerfen.

Und auch die zahlreichen Auszeichnungen, die seine Filme überall auf der Welt erhalten haben, zeigen deutlich, dass seine Position als einer der wichtigsten Künstler im Filmgewerbe unstrittig ist.

Vor allem auch in den vier im Buch enthaltenen Interviews mit ausgewiesenen Eastwood-Experten sowie dem äußerst pointierten Essay „Clint Eastwood – Eine amerikanische Ikone“ von Georg Seeßlen wird dem Leser ein beinahe überlebensgroß erscheinender Charakter präsentiert, der sich niemals hat verbiegen lassen, Kontroversen nicht scheut und Filme nicht ausschließlich aus kommerziellen Gründen dreht. Und so muss man dem Autor spätestens nach der Lektüre seines sehr informativen Buches absolut zustimmen, wenn er folgendes Fazit zieht:

„Clint Eastwood, dieser überlebensgroße alte Mann des amerikanischen Kinos, der ein unvergleichliches und unverwüstliches Lebenswerk hinterlässt, das seinesgleichen sucht in der Geschichte des Films. Wenn er sich zur Ruhe setzt, abtreten sollte, endet eine Ära. Mit ihm wird auch ein Stück Filmgeschichte von der Bühne verschwinden. Es wäre ein wehmütiger Abschied, auch wenn er sich durch sein Werk unsterblich gemacht hat. Es beschreibt seine Ausnahmestellung, dass noch immer weltweit auf sein nächstes Werk gewartet wird. Und wenn die Legende, die Ikone des amerikanischen Films irgendwann einmal von der Bühne verschwunden ist, zählt seine filmische Hinterlassenschaft zu einer der wichtigsten aus der Welt des Kinos.“

Eine Leseprobe im PDF-Format finden Sie hier auf der Webseite des Schüren-Verlages.

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3 Antworten zu Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

  1. movieserienaddict schreibt:

    Lieblingsfilme von und/oder mit Clint Eastwood aufzählen ist ein Ding der Unmöglichkeit. 🙂

    LG
    Stephan

    Liken

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