Merz gegen Merz – Staffel 2

Land: Deutschland 2020  Regie: Felix Stienz  Mit: Annette Frier, Christoph Maria Herbst, Michael Wittenborn, Carmen-Maja Antoni, Claudia Rieschel, Charlotte Bohning, Michael Wittenborn, Bernd Stegemann, Philip Noah Schwarz  Label: Eye See Movies  : 12.5.2020  FSK: 6 – Ein Beitrag von Julian Dax:

Wann immer jemand behaupten sollte, die deutschen Fernsehmacher hätten keinen Humor, sollte man den Namen Ralf Husmann erwähnen – und schon könnte derjenige zum Schweigen gebracht werden. Zugegeben, auch wenn Stromberg im Grunde genommen eine deutsche Version von The Office ist, einer Serie, von der es sowohl in den USA als auch in Großbritannien Fassungen gibt, hat Husmann mit seinen Drehbüchern etwas so bisher in Deutschland noch nicht Gesehenes geschaffen – und ganz nebenbei Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst als unverkennbaren Typ etabliert.

Insofern war die Vorfreude groß, als das ZDF Merz gegen Merz ankündigte, eine achtteilige Serie über ein Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat und kurz vor der Trennung steht. Wie in Stromberg gab es Alltagssituationen zu bestaunen, die in ihrem Aberwitz erstaunlich lebensecht wirkten, wie dort gab es jede Menge zitierenswerte Dialoge, meisterhaft vorgetragen wieder von Christoph Maria Herbst und der ihm absolut ebenbürtigen Annette Frier. Ein Beispiel hierfür mag genügen: Anne und Erik Merz sind bei ihren Eltern zum Essen eingeladen, zu dem auch ein schwäbischer Geschäftspartner und dessen Frau erscheinen sollen. Dazu fällt Anne spontan ein: „Ein Pärchenabend mit den Eberles, dir und meinen Eltern? Was soll das sein? Happy Hour in der Hölle?“

Nachdem diese erste Staffel damit endete, dass es Erik und Anne doch noch einmal miteinander versuchen wollen und das Echo bei Publikum und Kritik gleichermaßen positiv ausfiel, erscheint jetzt auch die komplette zweite Staffel im Handel.

Doch bereits in der ersten von wiederum acht Episoden zu jeweils sehr kurzweiligen 25 Minuten, in der Anne und Erik mit Hilfe eines Anwalts versuchen, ihre Ehe mit Hilfe eines Vertrags zu stabilisieren, geht einiges schief. Zudem haben sie auch noch mehr Ärger als je zuvor mit ihren jeweiligen Elternpaaren und mit Sohn Leon (Philip Noah Schwarz). Was folgt, ist das bereits aus der ersten Staffel bekannte Chaos.

Annes Eltern (Claudia Rieschel und Michael Wittenborn) haben sich nur noch wenig zu sagen, vor allem weil Ludwig an fortschreitender Demenz leidet und als einzigen Lichtblick seine Therapiesitzungen bei Frau Anatol ansieht. Und Eriks äußerst schlicht gestrickte Eltern (Carmen-Maja Antoni und Bernd Stegemann) müssen kurzfristig ins Haus von Erik und Anne einziehen, weil sein Vater das gesamte Geld in eine dubiose Diamantenmine in Uganda investiert hat.

Dazu kommen noch Annes Midlife-Crisis, Leons schwunghafter Handel mit zweifelhaften Substanzen auf dem Schulhof sowie ein neuer unaustehlicher Chef aus Finland, alles Elemente, die die ohnehin schon bestehenden chaotischen Verhältnisse noch zusätzlich auf die Spitze treiben.

Und das ist gleichzeitig auch ein wesentlicher Kritikpunkt: während sich die erste Staffel auf das Ehepaar konzentrierte, das weder mit noch ohne einander kann und alle anderen Figuren nur am Rande auftauchten, rücken diese nun viel mehr in den Mittelpunkt. Zwar garantieren ihre diversen Eskapaden natürlich eine ganze Menge Lacher, doch eigentlich will man wissen, wie die Geschichte mit Erik und Anne weitergeht.

Vielleicht nimmt sich Ralf Husmann diese von mehreren Seiten geäußerte Kritik etwas zu Herzen im Hinblick auf die wohl zu erwartende dritte Staffel. Doch abgesehen davon bietet auch der zweite Teil von Merz gegen Merz immer noch wesentlich mehr Wort-und Situationskomik, als man es vom öffentlichen deutschen Fernsehen gewohnt ist und verdient somit das Prädikat „höchst empfehlenswert“.


Technische Daten:

8 Episoden / 200 Min. / Digipak im Schuber plus 10 Bonus Clips

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