First Love

Land: Japan 2019  Regie: Takashi Miike  Label: Euro Video  : 5.5.2020  FSK: 18 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Eurovideo

Gäbe es einen Preis für den fleißigsten Regisseur, dann stünde Takashi Miike wohl ganz oben auf der Liste; der beinahe 60-jährige Japaner präsentiert mit First Love immerhin seinen 103. (!) Film.

Nun bedeutet Masse natürlich nicht automatisch auch Klasse, und vor allem in den letzten Jahren muss man Miike bescheinigen, dass er sich in seinem wilden Stilmix zwar nach wie vor bemüht, seinen Fans das zu geben, was sie an ihm schätzen, doch bleibt es leider nicht aus, dass einem das Meiste irgendwie bekannt vorkommt, im Falle von First Love sogar gleich in doppelter Hinsicht; nicht nur zitiert Miike ständig sich selbst, nein, die Geschichte erinnert auch verblüffend an Tony Scotts True Romance. Tony Scott? True Romance? Da fehlt doch noch ein Name! Natürlich, das ist doch der Film mit dem kleinkriminellen Gangsterpärchen auf der Fluch vor einer ganzen Horde an Bösewichtern, zu dem ein gewisser Quentin Tarantino die Drehbuchvorlage lieferte.

Leo ist ein hoffnungsvoller junger Boxer, der aus heiterem Himmel die fatale Diagnose erhält, in seinem Kopf wachse ein bösartiger Tumor. Ziellos und verzweifelt läuft er durch das nächtliche Tokio und wird Zeuge, wie eine junge Frau von einem Polizisten bedrängt wird. Ohne groß nachzudenken, schlägt er den Polizisten nieder und nimmt sich der jungen Frau an, die als drogensüchtige Prostituierte Monica ihr Geld verdient. Schon sehr bald befindet sich das Paar auf der Flucht vor korrupten Polizisten, Gangstern der Yakuza, Mitgliedern der Triaden und einer völlig durchgeknallten Killerin…

Wie bei Miike üblich, so macht er auch in diesem Fall keine Gefangenen, mischt wild alle möglichen Genres durcheinander- Romanze, Gangsterfilm, Boxerfilm, Animé (!), Komödie – und gibt noch eine gehörige Prise Splatter dazu. Und wie üblich macht er sich nur wenig Gedanken über Zusammenhänge, Charakterisierungen oder gar innere Logik. Soweit also absolut nichts Neues aus Japan. Was diesmal allerdings erschwerend für den Zuschauer hinzu kommt, ist das gnadenlose Durcheinander des Geschehens; da First Love praktisch in einer einzigen Nacht spielt, drückt Miike von Anfang an wahnsinnig aufs Tempo und kümmert sich nicht darum, ob der überforderte Zuschauer mitkommt oder nicht. Und das wiederum führt relativ schnell zu gewissen Ermüdungserscheinungen, da man schlicht und ergreifend nicht immer halbwegs klar nachvollziehen kann, wer da gerade gegen wen und vor allem warum das Schwert, die Knarre, die Fäuste oder sonst irgendetwas schwingt, mit dem man seinem Gegenüber Schmerzen bereiten kann.

Dieses Prinzip wird vor allem erkennbar in dem viel zu langen Showdown in einem schlecht ausgeleuchteten Baumarkt, wo man ohnehin nicht richtig erkennen kann, wer da jeweils durch die Gänge schleicht. Und wenn dann im Morgengrauen Leo einen Anruf seines Arztes erhält, ihm sei eine Fehldiagnose unterlaufen und Leo habe gar keinen Hirntumor, steht der gemeinsamen Zukunft des Liebespärchens nichts mehr im Wege, zumal Monica sich mal so eben zu einem kalten Entzug entschließt.

Vielleicht sollte sich Takashi Miike tatsächlich eine wohlverdiente Pause gönnen, denn vergleicht man First Love mit einigen seiner früheren Filme, wird einem auf jeden Fall bewusst, dass er seine ganz große Zeit wohl schon länger hinter sich hat.


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2 Antworten zu First Love

  1. movieserienaddict schreibt:

    Takashi Miike ist ein fleißiger und cooler Regisseur, der die genial abgedrehtesten Filme macht.

    LG
    Stephan

    Liken

  2. michaelcarljohanns schreibt:

    Ich fühlte mich durch diesen Artikel unterhalten und Aufgeklärt. Danke für die Info 🙂👍🌹

    Gefällt 1 Person

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