Mondbeglänzte Zaubernächte – Das Kino von Tim Burton

Titel: Mondbeglänzte Zaubernächte – Das Kino von Tim Burton Autor: Christian Heger  Verlag: Schüren, März 2020  ISBN: 978-3-7410-0360-8 Umfang: 448 Seiten, 15 x 22 cm Preis: 38  Euro, E-Book (PDF): 24.99  – Gelesen hat Julian Dax

© Schüren-Verlag

Welcher Filmfreund kennt nicht das Motiv auf dem Umschlag von Christians Hegers Buch Mondbeglänzte Zaubernächte – Das Kino von Tim Burton?
Es zeigt natürlich Johnny Depp in Edward Scissorhands, einem von Burtons beliebtesten Filmen, der für viele auch gleichzeitig sein bester, weil typischster ist.

In seiner Monographie, die auf einer Dissertation basiert und nun überarbeitet und aktualisiert vorliegt, beschäftigt sich der Autor mit einem der individuellsten Regisseure Hollywoods, der selbst in all den Blockbustern stets sehr großen Wert auf seine ganz eigene Vision gelegt und sich so gut wie nie von seinen Geldgebern hat reinreden lassen. In sechs ausführlichen Kapiteln und einem Anhang präsentiert Christian Heger das wohl bisher umfangreichste Werk über Burton. Dabei gelingt ihm auch das Kunststück, nicht nur eine erschöpfende Fülle an privaten und beruflichen Details zutage zu fördern und seine Filme auf all ihre offensichtlichen und verborgenen historischen, populären und sonstigen Anspielungen zu untersuchen, zu gewichten und zu kommentieren; stets wird sichtbar, wie sehr er sein Objekt auch bewundert, wie wichtig es ihm erscheint, seinen Lesern zusätzliche Impulse zu liefern, damit sie sich noch intensiver mit Burtons Werken auseinandersetzen.

Nach einem einleitenden Kapitel, in dem er eine Art Einführung in Leben und Werk liefert, behandeln die weiteren Kapitel zunächst einmal Burtons Kindheit und Jugend („Geboren im Schatten Hollywoods“) sowie seine Lehrjahre („Der beschwerliche Weg zum Starregisseur“). Es folgt mit „Die Spielfilme“ eine eingehende Beschäftigung mit Burtons Langfilmen, angefangen mit Pee-Wee’s Big Adventure (1985) bis Alice In Wonderland (2010).
Das fünfte Kapitel („Sonstige Arbeiten“) enthält einen Überblick über Burtons Tätigkeriten als Produzent, Illustrator und Fotograf, und im sechsten und letzten Kapitel geht es um „Fazit und Ausblick“.
Natürlich kann Hegers Buch die Tatsache nicht verleugnen, dass es ursprünglich als Doktorarbeit konzipiert wurde; so stellt er z.B. im Zusammenhang mit Beetlejuice, Burtons zweitem Film, eine eindeutige Parallele zu Jean-Paul Sartres existenzialistischem Theaterstück Das Spiel ist aus fest, indem er schreibt: „Wie schon bei Sartre, fungiert auch in Tim Burtons Welt das Jenseits als phantastisch verfremdeter Spiegel der Alltagsrealität, als riesiges Sammelsurium all jener Pflichten, die man mit dem Tode eigentlich hinter sich wähnte.“  Sartre und Lottergeist Beetlejuice – wie der Film bei uns heißt – in einem Atemzug zu nennen, käme wohl dem durchschnittlichen Kinogänger wohl eher weniger in den Sinn. Und wer immer noch der Meinung ist, Comics seien Kinderkram, dem sei ausdrücklich die Lektüre des Kapitels über Batman Returns empfohlen… Im Nachhinein erscheint die Jugendfreigabe für diese äußerst düstere und komplexe Studie über menschliche Abgründe noch fragwürdiger als vorher.

Doch vor solchen Exkursionen muss man sich auch als o.a. „durchschnittlicher Kinogänger“ ebenso wenig fürchten wie vor der schier erdrückenden Vielzahl an Fußnoten, die ein weiterer Beleg sind für die Akribie, mit der Christian Heger vorgegangen ist. Einziges Manko ist das Fehlen von aussagekräftigen Filmbildern in entsprechender Größe und natürlich Farbe. Zwar findet man auf den insgesamt 446 Seiten über 1.000 Illustrationen, doch handelt es sich dabei ausschließlich um kleine und kleinste Schwarz-Weiß-Fotos, die lediglich eine Ahnung von der Bildgewalt vermitteln, die Burtons Filme in der Regel auszeichnen.

Eine Leseprobe (PDF) können Sie hier beim Schüren-Verlag runterladen.

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