Midway – Für die Freiheit

Land: USA 2019  Regie: Roland Emmerich  Mit: Woody Harrelson, Patrick Wilson, Luke Evans, Ed Skrein, Mandy Moore, Nick Jonas, Aaron Eckhart, Dennis Quaid LabelUniversum-Film  : 20.3.2020  FSK: 16 – Ein Beitrag unseres Patrioten Julian Dax:

© Universum-Film/Leonine

Offensichtlich hat die deutsche Filmvertriebsfirma kein allzu großes Vertrauen in die Geschichtskenntnisse der hiesigen Kinogänger: warum sonst sollte sie Roland Emmerichs letzten Film Midway mit dem äußerst pathetischen Zusatztitel Für die Freiheit versehen? Natürlich besitzt die für den Fortgang des Zweiten Weltkrieges entscheidende Luft-und Seeschlacht im Pazifik sowohl für die Amerikaner als auch für die Japaner eine wesentlich größere Bedeutung und ist auch dementsprechend bekannt, doch auch hierzulande erinnern sich zumindest ältere Filmfreunde an Schlacht um Midway aus dem Jahre 1976, in dem Hollywood-Größen wie Henry Fonda und Charlton Heston in den Kampf zogen, und das sogar im Sensurround-Verfahren; unter der Leinwand war eine zusätzliche Batterie von Tieftönern angebracht, die das Kino regelrecht zum Beben brachten. Doch wo sich Regisseur Jack Smight noch bei den Kampfszenen zum großen Teil mit Dokumentaraufnahmen begnügen musste, kann der „Master of Disaster“ sich bei der neuesten CGI-Version bedienen, und das tut er denn auch äußerst ausgiebig.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht bei Emmerich der tollkühne Kampfpilot Richard „Dick“ Best (Ed Skrein), aus dessen Perspektive man Zeuge wird des nahezu aussichtlos erscheinenden Kampfes der Amerikaner gegen die zahlen- und materialmäßig wesentlich überlegenen Japaner. Um ihn herum versammelt das Drehbuch eine ganze Reihe weiterer Soldaten, die man jedoch – mit Ausnahme von Luke Evans – nur schwerlich auseinanderhalten kann, da sie nur skizzenhaft charakterisiert werden.

Daneben bekommt man natürlich auch Einblick in die Welt der Entscheidungsträger, die Emmerich mit bekannten Darstellern (Woody Harrelson, Patrick Wilson, Dennis Quaid, Aaron Eckhart) besetzt hat. Und so wechseln sich rasante Szenen von Flugzeugen im Sturzflug auf japanische Schiffe mit sorgenvollen Gesichtern von Seiten der Admiralität. Und immerhin zeigt der Film auch den Gegner nicht ausschließlich als unverständliche Befehle bellende Monster, sondern als Soldaten, die auch nichts anderes tun als die Amerikaner. Und nach langen 138 Minuten werden im Abspann Bilder der echten Figuren eingeblendet, und man erfährt, was aus ihnen im weiteren Verlauf geworden ist.

Während des ganzen Filmes stellt sich dabei die Frage, was genau Emmerich dazu getrieben hat, diesen Film zu machen, an dem übrigens kein größeres Studio Interesse hatte, sodass er gezwungen war, ihn unabhängig zu produzieren, wenn auch mit einer gehörigen Finanzspritze seitens der Chinesen. (Ganz bestimmt ist es auch diesem Umstand geschuldet, dass Midway einen nicht weiter ausgebauten Handlungsstrang enthält, in dem ein gewisser James Doolittle (Aaron Eckhart) in Erscheinung tritt, der mit einigen Männern in China landet und von den Chinesen Unterstützung für den Kampf gegen Japan erhält. Und im Abspann erfährt man auch noch, dass die Japaner als Strafe für diese Hilfe etwa 250.000 Chinesen hingerichtet haben.)

Immerhin begeht Emmerich nicht den Fehler von Michael Bay in Pearl Harbor, der den Angriff der Japaner für eine unerträglich kitschige Dreiecksgeschichte praktisch missbraucht hat und zudem sein Publikum geschlagene 80 Minuten warten ließ, bevor er die restlichen 40 dafür verwendete, aus allen zur Verfügung stehenden Rohren zu ballern. Nach einem ganz kurzen Prolog beginnt Midway mit dem japanischen Angriff auf die ahnungslosen Amis in Pearl Harbor und wird auch im weiteren Verlauf nicht müde, die Rechner auf Hochdruck arbeiten zu lassen. Und hier beginnt das eigentliche Problem: Nicht nur ermüden die ständigen Ballereien – es sei denn, man ist, sagen wir mal männlich und ca. 15 Jahre alt – sondern sie erinnern mit ihrer unwirklich sauberen Ausleuchtung immer wieder an ein Computerspiel. Zudem mangelt es Ed Skrein schlicht und ergreifend an der entsprechenden Ausstrahlung, die man von einer Hauptfigur erwarten darf.

Um noch einmal auf die Frage nach dem Warum zu kommen – vielleicht war es ja ein gewisser Frust auf Seiten des Regisseurs, der mit Filmen wie Anonymous oder Stonewall bewiesen hat, dass er auch jenseits von Krieg, Action und Weltuntergängen weiß, wie man einen Film inszeniert. Doch dummerweise blieb das Publikum in Scharen zu Hause. Also mag sich Roland Emmerich auf sein eigentliches Markenzeichen besonnen haben. Doch da Midway im Kino auch nicht auf besonders große Publikumsresonanz gestoßen ist, kann man sich gut vorstellen, dass eine gewisse Ratlosigkeit bleibt. Es wird sicherlich interessant, was er sich als Nächstes vornimmt – solange es nicht der dritte Teil von Independence Day ist…


Die Biografie von Roland Emmerich finden Sie in meiner Filmbibliothek:

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