Kursk – Niemand hat eine Ewigkeit

Land: Luxemburg, Belgien 2018  Regie: Thomas Vinterberg  Mit: Matthias Schoenaerts, Léa Seydoux, Colin Firth, Matthias Schweighöfer, August Diehl, Peter Simonischek, Max von Sydow  LabelNewKSM  Veröffentlichung: 23.1.2020  FSK: 12 – Ein Beitrag unseres Historikers Julian Dax:

© New KSM

In der Regel werden Filme, die eine vor nicht allzu langer Zeit stattgefundene Katastrophe zum Thema haben, keine besonderen Kassenerfolge – schon gar nicht, wenn sich in unserer schnelllebigen Zeit kaum noch jemand daran erinnert.

Im Falle von Kursk des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg ist es ausgesprochen bedauerlich, denn ihm ist ein ebenso packender wie beklemmender Film gelungen.

Als am 10. August im Jahre 2000 das russische U-Boot K-141 Kursk zu einem Manöver der russischen Nordmeerflotte in die Barentsee ausläuft, befinden sich 118 Besatzungsmitglieder an Bord. Schon am zweiten Tag der Übung kommt es zu etlichen gewaltigen Explosionen an Bord, und die Schäden sind so massiv, dass das Boot auf den 150 Meter tiefen Boden sinkt. Von der Besatzung können sich lediglich 23 Männer retten, darunter Kapitänleutnant Mikhail Kalekov (Matthias Schoenaerts, eindrucksvoll wie immer). Die Männer überleben nur, weil sie sich in die einzige intakte Sektion des Bootes retten können, doch der dort vorhandene Sauerstoff reicht nicht sehr lange.

Während die russische Regierung aus Angst vor Spionage und kleinlichem Ansehensverlust jegliche angebotene internationale Hilfe verweigert, obwohl ihre eigenen Gerätschaften völlig unzureichend und marode sind, kämpfen an Land die Ehefrauen um Aufklärung seitens der Verantwortlichen, allen voran Tanja (Léa Seydoux), Kalekovs schwangere Frau.

Besonders am Herzen liegt das Schicksal der Männer auch dem britischen Commodore David Russell (Colin Firth), der jedoch von dem zuständigen russischen Admiral (Max von Sydow) hingehalten wird, während die Situation an Bord der Kursk für die eingeschlossenen Männer zunehmend unerträglicher wird…

War Thomas Vinterberg ursprünglich einer der Verfechter des sog. „Dogmas“, d.h. eines ganz und gar puristischen Filmemachens (sparsame Kulissen, möglichst wenige Kamerabewegungen, extrem lange Einstellungen, keinerlei musikalische Untermalung), so ist er zum Glück ganz davon abgekommen und bedient sich hier aller ihm nur zur Verfügung stehenden Mittel, um dem Zuschauer einen packenden und realitätsnahen Film zu präsentieren. Nichts darin erscheint übertrieben oder spekulativ, stattdessen wird man Zeuge eines gnadenlosen Überlebenskampfes einer Gruppe von Männern, die von zynischen Machthabern zum Spielball politischer Interessen werden.

Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann könnte man lediglich einwenden, dass Kursk fast zu viel in sein Drehbuch packt; so springt die Handlung immer wieder zwischen den eingeschlossenen Männern, den inkompetenten Rettungsversuche und den unmenschlichen politischen Entscheidungen der russischen Regierung, die ihre eigenen Interessen weit über die der Seeleute und ihrer Familien stellt. Damit wird zwar der Erzählfluss etwas gebremst, aber auch dieser Kritikpunkt muss letztlich völlig verblassen angesichts eines insgesamt doch sehr beeindruckenden  Filmes.

Dieser Beitrag wurde unter Drama abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.