Der unverhoffte Charme des Geldes

Originaltitel: LA CHUTE DE L’EMPIRE AMÉRICAIN  Land: Kanada, 2018  Regie: Denys Arcand  Laufzeit: 128 Min.  Mit: Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, Maxim Roy, Vincent Leclerc  Label: MFA+  : 5.12.2019  FSK: 12 – Von Julian Dax:

© MFA+

Der franco-kanadische Drehbuchautor und Regisseur Denys Arcand ist vor allem auf Filmfestivals und Arthaus-Kinos zu Hause, weniger in den Multiplexen. Bekannt geworden ist er vor allem mit Der Untergang des amerikanischen Imperiums (1986) und Die Invasion der Barbaren (2003), für den er sogar den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt. Verwirrenderweise heißt sein bisher letzter Film im Original The Fall Of The American Empire, trägt also denselben Titel wie sein Erstling. Sicher war das mit ein Grund für seine Umbenennung in Deutschland, die eigentlich auch ganz passend ist.

Pierre-Paul ist seiner Meinung nach zu intelligent für diese Welt. Schließlich kann er ein abgeschlossenes Studium der Philosophie vorweisen, mitsamt dem dazu gehörigen Doktortitel. Doch leider kann er damit nicht wirklich Geld verdienen und muss seinen Lebenshunterhalt als Paketbote in Montreal bestreiten. Doch das scheint ihn nicht besonders zu stören, denn er macht sich als Philosoph ohnehin nichts aus Geld, und für seiner Ansicht nach völlig überflüssigen Konsum hat er nichts als Verachtung übrig.

Ausgerechnet diesem Menschen fallen eines Tages zwei prall mit Geld gefüllte Taschen – Ergebnis eines missglückten Raubüberfalls – buchstäblich vor die Füße. Was soll nun ein absolut – naja, fast – bedürfnisloser junger Mann mit so viel unerwartetem Reichtum anfangen? Ein junger Mann, wohlgemerkt, der in seiner freien Zeit nichts Besseres zu tun hat, als in einer Suppenküche für Obdachlose auszuhelfen. Aus seinem Dilemma kommt er jedenfalls allein nicht raus, und schon bald stehen ihm diverse neue „Helfer“ zur Seite, angefangen von der Luxus-Prostituierten Camille bis hin zum berüchtigten Steueranwalt, der sich auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung spezialisiert hat. Und sowohl die irisch-jüdische Mafia ist hinter dem Geld her als auch zwei hartnäckige Polizisten..

Wenn man das so liest, könnte man eine lockere, amüsante Gaunerkomödie erwarten, doch leider sieht sich Denys Arcand wohl als Künstler, der auch noch unbedingt eine Botschaft zu verkünden hat: „Wir sind alle Untertanen des amerikanischen Imperiums. Der moralische Verfall des Imperiums hat begonnen uns anzustecken. Die Omnipotenz des Geldes ist nur ein Symptom dieser Krankheit. Werden wir Antibiotika finden, die stark genug sind, die Seuche zu bekämpfen?“

Auch wenn Arcand mit dieser Analyse natürlich nicht falsch liegt, hat er die unangenehme Eigenschaft, seine im Grunde genommen schlichte Botschaft („Geld verdirbt den Charakter“, wer hätte das gedacht?) in Form von schier endlos erscheinenden Dialogen dem Zuschauer wieder und wieder um die Ohren zu hauen. Dabei vergisst er, seine Charaktere mit so etwas wie Persönlichkeit auszustatten, sondern belässt es größtenteils bei Klischees, wie z.B nerviger Klugscheißer, der ständig Zitate von Philosophen absondert oder Hure mit einem Herz aus Gold.

Doch nicht nur mit den Charakteren von Der unverhoffte Charme des Geldes – vor allem der Hauptfigur – wird man nicht so richtig warm; der ganze Film wirkt uneinheitlich mit seinen ständigen Sprüngen. Soll das nun eine Satire sein? Eine mit erhobenem Zeigefinger gestaltete Predigt? Und wie passt dazu eine überaus drastische Folterszene, mitsamt der Erklärung, diese Methode habe die SS in Auschwitz auch schon praktiziert?

Und wenn der Film nach langen 129 Minuten endet, hat man nicht etwa das Gefühl, etwas fürs Leben gelernt zu haben – von Unterhaltung ganz zu schweigen – sondern wieder einmal auf einen maßlos überschätzten Kinomacher hereingefallen zu sein.

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