Killing Eve – Staffel 2

Land: USA 2019  Drehbuch: Phoebe Waller-Bridge  Regie: Div.  Mit: Sandra Oh, Jodie Comer, Fiona Shaw, Darren Boyd, Owen McDonnell  Label: Universal : 5.12.2019  FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© UNIVERSAL

Fluch oder Segen? Das mag sich so mancher Zuschauer fragen angesichts des schier unübersichtlichen Angebots von Netflix & Co. Einerseits kann man es nur begrüßen, wenn Streaming-Dienste immer größeren Ehrgeiz an den Tag legen, was die Produktion ihrer Filme und Serien betrifft. Da jedoch selbst Menschen mit sehr viel Zeit zur Verfügung unmöglich auch nur die gelungenen Beiträge anschauen können, besteht durchaus die Gefahr, dass so manches durchs Raster fällt, was eigentlich ein möglichst großes Publikum verdient hätte. Bei Killing Eve jedoch muss man sich diesbezüglich zum Glück keine Sorgen machen. Wer die erste Staffel gesehen hat, empfiehlt sie in der Regel sofort an Freunde und Bekannte weiter, denn diese Serie ist in jeder Beziehung höchst außergewöhnlich.

In der ersten Staffel lernt man zwei zunächst einmal vollkommen gegensätzliche Frauen kennen: Eve Polastri (Sandra Oh) arbeitet beim britischen Geheimdienst MI-6, Villanelle (Jodie Comer) ist eine international tätige professionelle Auftragsmörderin. Natürlich kreuzen sich die Wege der Beiden, und ein aberwitziges Katz und Maus-Spiel beginnt, das mit einem fiesen Cliffhanger endet.

Dementsprechend beginnt die erste Episode der zweiten Staffel mit dem über den ganzen Bildschirm verteilten Text: „30 seconds later“. Und schon sind wir wieder mitten im Geschehen. Eve ist vollkommen von der Rolle und versteht nicht, wie sie sich zu solch einer furchtbaren Tat hat hinreißen lassen, und Villanelle befindet sich in einer für sie vollkommen ungewohnten Situation: Sie ist hilflos und auf die Unterstützung fremder Menschen angewiesen. Doch schon sehr bald nehmen beide Frauen mehr oder weniger wieder ihre angestammten Positionen ein und die Jagd beginnt aufs Neue…

Auch wenn diese inhaltliche Zusammenfassung äußerst vage erscheint, sollte man vorab tatsächlich möglichst wenig über den Gang der Handlung wissen, handelt es sich doch bei Killing Eve um die wohl unvorhersehbarste Serie seit langer Zeit. Immer wenn man als Zuschauer glaubt zu wissen, wie die Geschichte weitergeht, macht einem Phoebe Waller-Bridge, von der das Konzept und der Großteil der Drehbücher stammen, einen dicken Strich durch die Rechnung und gibt dem Ganzen einen unerwarteten Dreh, oft verbunden mit einem regelrechten Schock.

Und dann sind da natürlich noch die beiden Hauptdarstellerinnen; die Drehbücher erlauben ihnen, vollkommen in ihre Charaktere einzutauchen und all die teilweise absurden Ereignissen in der Wirklichkeit von zwei in jeder Beziehung besessenen Frauen realistisch erscheinen zu lassen. Mit all ihren Besonderheiten, Geheimnissen und Macken entsprechen sie jedenfalls keinem Klischee, sondern stellen Individuen dar. Bereits zu Beginn der ersten Episode der ersten Staffel sieht man, wie Villanelle in einem Wiener Café einen Eisbecher löffelt und einem kleinen Mädchen am Nebentisch freundlich zulächelt, nur um kurz danach im Vorbeigehen diesem Mädchen deren Eisbecher über ihr Kleid zu kippen. Die Kamera verweilt dabei auf dem schadenfrohen Grinsen Villanelles und zeigt damit wortlos, dass man deren lieblichem und zartem Äußeren nicht trauen darf.

Besonders irritierend dabei ist die Tatsache, dass Jodie Comer zunächst einmal ungeheuer sympathisch wirkt, und es gelingt ihr sogar das Kunststück, den Zuschauer derart mit ihrer Figur einzunehmen, dass man selbst dann noch auf ihrer Seite steht, nachdem man in teilweise drastischen Details erlebt hat, wozu sie, ohne mit der Wimper zu zucken, fähig ist. So oder so verkörpert Jodie Comer die wohl mit weitem Abstand faszinierendste Psychopathin der Fernsehgeschichte.

Doch Sandra Oh steht ihr absolut nicht nach; während sie zu Beginn der Serie den Eindruck vermittelt, sie sei die kühle, rationale und solide Agentin, verheiratet mit einem biederen Lehrer, ist sie es, die im Laufe der ersten, mehr noch der zweiten Staffel, eine sehr erstaunliche Entwicklung durchmacht.

Und wenn am Ende der zweiten Staffel ein womöglich noch fieserer Cliffhanger steht, kann die dritte Staffel gar nicht früh genug kommen…


DVD:

Laufzeit: 337 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1 (D, EN, F)
Bild: 1,78:1
Untertitel: D, EN, NL, F
Bonusmaterial:
– Picking up from Season 1
– Carolyn’s World
– New Characters
– Costumes
– Locations
– Eve’s World
– Villanelle’s World
– Script to Screen
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