The Chain – Du musst töten um zu sterben

Regie: David Martín Porras  Laufzeit: 91 bzw. 95 Min.  Mit: John Patrick Amedori, Madeline Zima, Jamie Clayton, Adrienne Barbeau, Ray Wise  Label: OFDb Filmworks  : 28.11.2019  FSK: 16 – Von Julian Dax:

© OFDb Filmworks

 

Was würden Sie machen, wenn man Ihnen die Diagnose stellte, dass Sie an einer Form von Demenz leiden, die unheilbar und unaufhaltsam voranschreitet?

Das jedenfalls ist die Ausgangssituation in David Martin Porras kleinem Psycho-Drama The Chain.

Eigentlich wollte der junge erfolgreiche Augenarzt Mike das Haus seiner Eltern nicht mehr freiwillig betreten – zu tief sind offensichtlich die Wunden aus Kindheitstagen, die ihm sein ebenfalls als Augenarzt einst äußerst erfolgreicher Vater geschlagen hat. Doch nun ist dieser nur noch ein Wrack, denn er leidet an einer besonders aggressiven Form von Demenz, die ihn immer wieder ausrasten lässt. Da Mikes Mutter die Pflege ihres Mannes nicht mehr schafft, sieht sich Mike gezwungen, zusammen mit seiner Frau, wenigstens für eine kurze Zeit ins Haus zurück zu kehren, bevor sein Vater in ein Pflegeheim gebracht werden soll.

Kaum zu Hause, wird Mike von Alpträumen und Visionen geplagt, die allesamt etwas mit dem massiv gestörten Verhältnis zwischen Vater und Sohn zu tun haben. Doch das ist noch nicht einmal das Schlimmste, denn Mike erhält die fatale Diagnose, dass auch er bereits in jungen Jahren die gleichen neurologischen Symptome aufweist wie sein Vater.  Anstatt sich seiner Frau bzw. Mutter anzuvertrauen, sucht er verzweifelt einen Ausweg und gerät dabei an eine Selbsthilfegruppe, deren Mitglieder eines gemeinsam haben; ihre ausweglose Situation weckt bei jedem den Wunsch, aus dem Leben zu scheiden. Da Mike unter gar keinen Umständen so enden will wie sein Vater, schließt er sich der Gruppe an, die sich „The Chain“ nennt, muss jedoch sehr bald erkennen, dass die Mitgliedschaft einen Preis hat, den bereits die Hülle des Filmes verrät: „Du musst töten, um zu sterben“, d.h. erst muss Mike einem anderen Mitglied bei dessen Selbsttötung helfen, bevor er selbst Hilfe erhalten kann…

Nach dieser Inhaltsangabe könnte man nun erwarten, dass The Chain einen Beitrag liefern möchte zum äußerst aktuellen Thema „Sterbehilfe“, doch das kann oder will der Film nicht leisten. Stattdessen wird man Zeuge einer sich immer weiter drehenden Abwärtsspirale, aus der es keinen Ausweg gibt. Auch das ist – wenigstens eine Weile – nicht uninteressant, ordentlich gespielt und unaufgeregt erzählt. Doch leider häufen sich im Laufe der Handlung logische Unstimmigkeiten, über die man nicht so ohne Weiteres hinwegsehen kann. Zudem kommt noch, dass die Handlung aus Mikes Perspektive erzählt wird, und das bedeutet, dass man letztlich genauso wenig mehr unterscheiden kann, was real ist und was lediglich seinen Hirngespinsten entspringt. Und was schlimmer ist – irgendwann interessiert es einen auch nicht mehr.

Wenn Sie sich trotzdem zum Anschauen entschließen, dann sollten Sie nach dem Film unbedingt das unter den Extras befindliche „alternative Ende“ beachten; wenigstens das ist stimmiger als der eigentliche Schluss.

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