ANNA

Land: Frankreich 2019  Laufzeit: 114/119 min.  Regie: Luc Besson  Mit: Sasha Luss, Helen Mirren, Cillian Murphy, Luke Evans  Label: Studiocanal  : 28.11.2019 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Studiocanal

Es war wahrlich kein gutes Jahr für Luc Besson: nicht nur musste er den weltweiten Flop seines letzten, sehr aufwendigen Films Valerian und die Stadt der tausend Planeten verkraften, sondern auch noch miterleben, wie er von gleich mehreren Frauen der sexuellen Belästigung bezichtigt wurde.

Auch wenn die Vorwürfe offensichtlich vom Tisch sind, führten sie doch dazu, dass Anna nur mit Verzögerung in die Kinos kam und dort auch nicht sonderlich erfolgreich lief.

Anna (Sasha Luss) ist nicht nur ein atemberaubendes russisches Model in Paris, sie ist auch gleichzeitig eine vom KGB ausgebildete eiskalte Killerin. Nach jahrelanger Tätigkeit wünscht sie sich nichts sehnlicher, als den Dienst zu quittieren, doch das ist bekanntlich nicht so einfach, vor allem wenn sowohl der KGB als auch die CIA hinter ihr her sind und sie zudem noch private Affären mit Agenten der beiden Geheimdienste unterhält…

Belassen wir es bei dieser zugegebenermaßen äußerst knappen Inhaltsangabe, denn mehr zu verraten würde bedeuten, die zahlreichen Drehs und Wendungen des nicht linear erzählten Plots vorwegzunehmen, auf denen der Film basiert.

Mit Anna variiert Besson einmal mehr seine erprobte Erfolgsformel, die bereits in Nikita so gut funktioniert hat; man kann seinen neuen Film sogar als Remake bezeichnen, denn die Parallelen sind mehr als augenscheinlich: Schöne junge Frau aus katastrophalen Verhältnissen wird vom Geheimdienst zur Spitzenkillerin ausgebildet, die selbst in noch so aussichtslos scheinenden Situationen einen kühlen Kopf bewahrt. Sie verliebt sich und möchte aussteigen, was zu weiteren Verwicklungen führt.

Doch während das alles in Nikita vor 20 Jahren noch originell und aufregend erschien, hat man sich mittlerweile an schlagkräftige schöne Frauen gewöhnt (Charlize Theron in Atomic Blonde und Brie Larson in Captain Marvel mögen als Beispiel genügen). Besson scheint das natürlich geahnt zu haben, und wohl deshalb versucht er in Anna das Ganze damit aufzupeppen, dass er die Ereignisse nicht chronologisch erzählt, sondern in der Handlung vor-und zurückspringt, was zunächst einmal verwirrend und auf Dauer ermüdend ist. Im Grunde genommen ist es doch eine einfache Geschichte, und leider wird sie auch nicht interessanter, wenn bestimmte Szenen zunächst einmal halbwegs unerwartet erscheinen, nur um im Nachhinein erklärt zu werden. Und die damit verbundene überflüssig lange Laufzeit von Anna macht ebenfalls nichts besser.

Natürlich weiß Besson nach wie vor, wie man Actionsequenzen inszeniert, was er gleich bei Annas erstem Einsatz unter Beweis stellt, indem er sie ein voll besetztes Restaurant in Moskau im wahrsten Sinne des Wortes plattmachen lässt. Und auch Annas Flucht aus dem KGB-Gebäude lässt keine Wünsche offen. Mit seiner zupackend agierenden Hauptdarstellerin, dem echten Model Sasha Luss, hat Besson ebenfalls einen guten Griff getan, denn ihre vielen Kampfszenen absolviert sie mit Schmackes. Allerdings werden ihre relativ bescheidenen mimischen Fähigkeiten immer dann offensichtlich, wenn sie neben solch gestandenen Darstellern wie Luke Evans und Cillian Murphy als KGB-bzw. CIA-Agenten und Lover agieren muss, ganz zu schweigen von ihren Szenen mit Helen Mirren als KGB-Chefin, durch deren Adern wohl kein Blut fließt, sondern Eiswasser. (Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, dem aufgefallen ist, dass ihre Frisur und Brille an eine lebendige Version von Edna erinnern, der Waffenmeisterin in The Incredibles!)

Wer gerne schönen Menschen bei ihrem weniger schönen Tun zuschaut, wird an Anna sicherlich seine Freude haben, wer jedoch Luc Besson auf dem Höhepunkt seines Schaffens erleben möchte, der greife lieber zu Nikita oder gleich zu Leon – Der Profi, von dem es seit einigen Wochen bei uns eine neu abgetastete Version gibt.


DVD:

Bild: 2,40:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch, Französisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch
Extras: Making Of, Featurettes, Wendecover, Trailer

Blu-Ray:

Bild: 2,40:1 (1080p/24p Full HD)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch, Französisch 5.1 DTS-HD (Master Audio)
Untertitel: Deutsch
Extras: Making Of, Featurettes, Wendecover, Trailer

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