An Inspector Calls

Land: GB 2015  Laufzeit: 86 min.  Regie: Aisling Walsh  Mit: David Thewlis, Miranda Richardson und Ken Stott  Label: Pandastorm  FSK: 12  : 15.11.2019 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© edel:motion

Mit dem Theaterstück An Inspector Calls hat der britische Autor J.B. Priestley im Jahre 1946 einen modernen Klassiker verfasst, der es sogar in bundesdeutsche Klassenzimmer geschafft hat; das Stück war und ist immer noch Pflichtlektüre im Englischunterricht.
Auch wurde es mehrfach verfilmt, zuletzt im Jahre 2015 von der BBC.

Man schreibt das Jahr 1912. Im hochherrschaftlichen Haus des Textilfabrikanten Arthur Birling (Ken Stott) und seiner Frau Sybil (Miranda Richardson) hat sich eine kleine Abendgesellschaft zusammengefunden. Gefeiert wird die Verlobung von Tochter Sheila (Chloe Pirrie) mit Gerald Croft (Kyle Soller), dem reichen Sohn eines Unternehmers. Vervollständigt wird die Gruppe noch von Eric Birling (Finn Cole), dem rebellischen Sohn. Man plaudert, tauscht Nettigkeiten aus und genießt den Abend, als plötzlich eine der Bediensteten die Ankunft eines Inspektors verkündet.

Der wie aus dem Nichts erscheinende Inspektor Goole (David Thewlis) kommt denn auch gleich zur Sache. Eine junge Frau namens Eva Smith (Sophie Rundle) habe sich das Leben genommen, und sein Besuch diene dazu, einige Antworten zu erhalten, die offensichtlich mit dem Tod der jungen Frau zusammenhängen. Denn wie sich sehr schnell herausstellt, kannten sämtliche Anwesenden das Opfer…

Was zunächst einmal wie ein Stück von Agatha Christie anmutet, entwickelt sich bald zu einer Geschichte, in der es um menschliches Fehlverhalten und den daraus resultierenden fatalen Folgen geht. Und dieses Thema ist und bleibt zeitlos, weshalb man an keiner Stelle den Eindruck gewinnt, das Werk sei überholt; Profitgier und kapitalistische Ausbeutung, Arroganz der Oberschicht gegenüber armen Menschen, Gedankenlosigkeit, Selbstsucht und Ablehnung der sozialen Verantwortung sind äußerst schwerwiegende Themenkreise und leider nach wie vor aktuell.

Diese Neuverfilmung überzeugt vor allem auch dadurch, weil Drehbuchautorin Helen Edmundson und Regisseurin Aisling Walsh die hervorragende Idee hatten, die Geschichte von Eva Smith in Form von Rückblenden sichtbar und fühlbar zu machen. Damit wird das Theaterstück sinnvoll aufgebrochen, und vor allem das tragische Schicksal eines ohne eigenes Zutun in Not geratenen Menschen noch wesentlich eindringlicher ins Bewusstsein des Zuschauers gebracht. Und die nach und nach enthüllten Verstrickungen aller Beteiligten und deren Schuld am Gang der Dinge erscheinen absolut logisch und nachvollziehbar.

In einem der beiden Extras zieht der Produzent einen Vergleich heran und spricht von Downton Abbey, The Mystery, und so ganz verkehrt ist dieser Vergleich gar nicht, auch wenn die Dienerschaft in diesem Fall kein Rolle spielt. Dafür erhält man in knapp 90 Minuten alles, was ein guter Film enthalten soll; man fühlt sich bestens unterhalten, wozu auch die äußerst sorgfältig gewählten Schauplätze und Kostüme beitragen, schaut einer Riege durchweg hervorragender Darsteller zu und geht nach dem Ende nicht einfach zum Tagesgeschäft über, denn dafür bietet der Film einfach zu viele gedankliche Anreize – angefangen bei der Rolle des Inspektors, der wie eine Mischung aus Racheengel und schlechtem Gewissen erscheint, bis hin zum Optimismus des Autors, für den die beiden Kinder der Familie Birling so etwas wie einen Hoffnungsschimmer darstellen. Somit erweist sich An Inspector Calls auch in dieser Form als absolut zeitloses Meisterwerk.

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