König der Löwen

Originaltitel: The Lion King  Land: USA 2019  Regie: Jon Favreau  Label: Disney  Laufzeit: 118 min.  VÖ: 21.11.2019  FSK: 6 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Disney 2019

Ist es Mut oder pure Geldgier, einen der populärsten Disney-Zeichentrickfilme noch einmal in Angriff zu nehmen, diesmal mit all den schier unglaublichen Möglichkeiten, die Rechner heutzutage bieten?
Als König der Löwen im Jahre 1994 als einer der letzten von Hand gezeichneten Trickfilme aus den Disney-Studios in die Kinos kam, verliebte sich die ganze Welt in Simba, den kleinen Löwen, der mitansehen muss, wie sein Vater von dessen hinterhältigem Bruder Scar getötet wird. Und zumindest zwei der von Elton John und Tim Rice geschriebenen Songs wurden zu Evergreens; „Circle Of Life“ und „Can You Feel The Love Tonight?“ kriegt man nicht mehr aus dem Kopf, wenn man sie gehört hat.

So hielt man es im Hause Disney wohl für eine gute Idee, auch diesen Film mit „realen“ Figuren noch einmal zu verfilmen, nachdem das bereits mit Die Schöne und das Biest, Das Dschungelbuch und Aladdin so gut – naja, im letzteren Fall eher weniger – geklappt hatte. Und nachdem die Rechner immer leistungsfähiger geworden sind, kann man mittlerweile praktisch alles absolut photorealistisch auf die Leinwand bringen.

So staunt man dann auch schon zu Beginn, wenn die „Kamera“ eine atemberaubende afrikanische Landschaft zeigt, durch die sich alle möglichen wilden Tiere bewegen, um die Geburt ihres zukünftigen Königs zu begrüßen und ihm zu huldigen. Es ist tatsächlich mehr als verblüffend, wie natürlich Tiere und Landschaft wirken, und eine Weile fasziniert das wohl jeden Zuschauer.

Allerdings empfindet man die Tatsache, dass diese unglaublich echt wirkenden Tiere plötzlich anfangen zu sprechen (und bald darauf auch noch zu singen!) von Anfang an als eine gewisse Diskrepanz; was man im Zeichentrickfilm als selbstverständlich akzeptiert, reibt sich in diesem Fall doch beträchtlich, weil Tiere nun einmal nicht sprechen.

Was die Handlung betrifft, hält sich diese Version derart genau an das Original – auch wenn sie überflüssiger Weise eine gute halbe Stunde länger ist – dass man sich nach einer gewissen Zeit ein bisschen zu langweilen beginnt, da jegliche Überraschungsmomente fehlen. Die Gedanken beginnen abzuschweifen, und man fragt sich z.B., warum kein einziges der gezeigten Tiere auch nur ansatzweise so etwas wie Geschlechtsorgane aufweist? Man ertappt sich sogar dabei, sich über „Can You Feel The Love Tonight?“ – übrigens am helllichten Tag vorgetragen – lustig zu machen mit der ketzerischen Frage „How could I?“

Wer das Original kennt und schätzt, tut sich im Grunde genommen mit der neuen Version keinen Gefallen; bei aller technischen Perfektion mangelt es diesem König der Löwen an all dem, was die ursprüngliche Fassung im Übermaß besitzt: Herz, Seele, Wärme und Originalität.

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