Dracula jagt Mini-Mädchen

Originaltitel: Dracula A.D. 1972  Land: GB 1972  Laufzeit: 96 min.  Regie: Alan Gibson  Mit: Christopher Lee, Peter Cushing, Stephanie Beacham, Christopher Neame, Michael Coles Label: Studio Hamburg Enterprises  : 4.10.2019 FSK: 16
Ein Beitrag unseres langjährigen Vampirjägers Julian Dax

© Studio Hamburg

Zumindest in einer Hinsicht ragt Dracula. A.D. 1972 heraus, der siebte Dracula-Film mit Christopher Lee in der Hammer-Reihe: Mit Dracula jagt Mini-Mädchen trägt er den wohl dämlichsten deutschen Titel von allen.
Dracula – Nächte des Entsetzens (OT: The Scars Of Dracula), der unmittelbare Vorgängerfilm, war – trotz mehr Blut und mehr Sex – nur auf mäßiges Interesse gestoßen. Also mussten sich die Verantwortlichen für das nächste Kapitel etwas Besonderes einfallen lassen, und so kam es wohl, dass man erstens Peter Cushing als Draculas Nemesis Van Helsing wieder zusammen mit Christopher Lee vor die Kamera bekam, was seit dem ersten Dracula nicht mehr der Fall gewesen war und zweitens das Ganze im Jahre 1972 ansiedelte, dem Entstehungsjahr des Filmes.

Im Vorspann sieht man eine Kutsche durch die Gegend rasen, während zwei Personen auf deren Dach miteinander kämpfen. Eine sonore Erzählerstimme informiert den Zuschauer, dass es sich bei den beiden Herren um Graf Dracula und Professor Van Helsing handelt, die im Jahre 1872 im Londoner Hyde Park ihren Endkampf ausfechten. Die Kutsche kippt, Dracula wird auf einem abgebrochenen Rad aufgespießt und zerfällt – wie schon so oft – zu Staub. Doch schon nähert sich ein Reiter, der etwas vom Dracula-Staub in ein Reagenzgläschen befördert und Draculas Ring  und Umhang an sich nimmt. Die Kamera fährt gen Himmel – danke Stanley Kubrick! – und man sieht einen Düsenjet, wird jedoch auch noch zusätzlich informiert, dass das Folgende 100 Jahre später spielt.

Nun lernt man eine Clique gelangweilter junger Leute in „Swinging London“ kennen, die sich stets auf der Suche nach dem nächsten Kick befinden, angeführt von einem blassen Jüngelchen, der sich Johnny Alucard (AHA!!!) nennt und eines Tages vorschlägt, in einer zerfallenen Kirche eine Schwarze Messe zu zelebrieren, in deren Verlauf das personifizierte Böse in Gestalt des Fürsten der Finsternis – nein, es handelt sich dabei nicht etwa um Ozzy Osbourne! – wieder auferstehen lassen möchte. So weit, so Wie schmeckt das Blut von Dracula.

Wie es der Zufall so will, befindet sich in der Clique auch eine gewisse Jessica Van Helsing, und als der wieder in voller Montur erstandene Dracula (Wo kommen eigentlich seine Klamotten her? Müsste der nicht eigentlich nackt sein?) davon erfährt, kennt er nur noch einen Gedanken: Rache an ihr und ihrem Großvater, der ebenfalls einen Professorentitel trägt und zudem auch noch Experte ist auf dem Gebiet des Vampirismus.

Beim heutigen Anschauen der Mini-Mädchen, die eigentlich gar nicht zu sehen sind, denn die weiblichen Hauptfiguren tragen alle lange Gewänder bzw. Hosen, fragt man sich natürlich, ob das jemand im Entstehungsjahr tatsächlich als Horrorfilm betrachtet hat und sich nicht bereits damals das Lachen nur mit Mühe verkneifen konnte. Und wenn wir schon beim irreführenden deutschen Titel sind – Dracula denkt nicht im Traum daran, irgendjemanden zu jagen; er lungert ausschließlich in der verfallenen Kirche herum und wartet darauf, dass sein Adept Johnny Alucard ihm das benötigte Frischfleisch bzw. dessen Blut zuführt. Und somit ergibt auch die Verpflanzung der Figur in die Neuzeit überhaupt keinen Sinn, denn niemals verlässt er sein vertrautes Ambiente und wird wieder einmal zum Statisten seines eigenen Filmes degradiert.

Noch schlimmer allerdings hat es den armen Peter Cushing erwischt, denn die von ihm gespielte Koryphäe auf dem Gebiet des Vampirismus braucht sehr lange, um dahinter zu kommen, was der Name A L U C A R D bedeutet, und das schafft er auch nur, indem er den Namen in Druckbuchstaben auf einen Zettel schreibt, darunter D R A C U L A setzt und entsprechende Verbindungslinien zieht. Wahrlich, eine Geistesgröße sondergleichen!

Natürlich darf man solch einen Film nicht nach heutigen Maßstäben messen, aber andererseits sollte man auch nichts beschönigen oder nostalgisch verklären. Vergurkt ist und bleibt vergurkt! Und so kann man Dracula jagt Mini-Mädchen im Grunde nur beinharten Fans empfehlen, die jeden Schnipsel aus den Hammer-Studios sammeln, ungeachtet dessen Qualität und Relevanz.


Laufzeit: 96 Min., Bildformat: 16:9 , Tonformat: dts HD 2.0 , Sprache: Deutsch, Englisch


Die anderen Dracula-Filme aus der Hammer-Produktion finden Sie hier:

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