Dangerous Beauty – Gefährliche Schönheit

Land: USA 1998  Regie: Marshall Herskovitz  Mit: Catherine McCormack, Rufus Sewell, Oliver Platt, Naomi Watts, Jacqueline Bisset  Label: Justbridge Entertainment : 18.10.2019 FSK: 12 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Justbridge

Auf den ersten Blick könnte man meinen, bei dem 1998 gedrehten Dangerous Beauty handelt es sich um einen echten Kostümschinken, in dem schöne Menschen in schönen Kostümen in schöner Umgebung schöne – und manchmal auch unschöne – Dinge  miteinander tun.

Schaut man genauer hin, ergibt sich ein ganz anderes Bild; Regisseur Marshall Herskovitz und Drehbuchautorin Jeannine Dominy präsentieren stattdessen eine Art Emanzipationsgeschichte, indem sie fast ausschließlich die Perspektive einer jungen unabhängigen Frau einnehmen, die ihren eigenen Weg geht – und das vor fast 500 Jahren!

Venedig im 16. Jahrhundert. Veronica Franco (Catherine McCormack, liebreizend) ist eine junge Venzianerin, die mit ihrer Mutter (Jaqueline Bisset) in relativ bescheidenen Verhältnissen lebt. Sie liebt den jungen Adligen Marco Venier (Rufus Sewell, glutäugig) und ihre Liebe wird erwidert. Allerdings erwarten Marcos Eltern, dass ihr Sohn standesgemäß, d.h. natürlich eine reiche Erbin, heiratet. Und von Veronica wird ebenfalls erwartet, dass sie sich einen wohlhabenden älteren Mann sucht, wozu sie absolut keine Lust hat. Es ist letztlich ihre eigene Mutter, die ihr vorschlägt, als Kurtisane tätig zu werden – genau so wie sie selbst es in ihrer Jugend getan hat. In diesem Fall könnte sie nämlich Marco regelmäßig treffen, ohne mit ihm verheiratet zu sein und hätte darüber hinaus auch noch ein eigenes Einkommen.

Nun muss man wissen, dass Kurtisanen damals keineswegs gewöhnliche Prostituierte waren; die meisten muss man sich als Frauen vorstellen, die im Gegensatz zu ihren Geschlechtsgenossinen, ganz gleich ob arm oder reich, großen Wert auf Bildung und vor allem Selbständigkeit legten. Mit ihrer Mutter als Lehrmeisterin gelingt es Veronica in kurzer Zeit zur beliebtesten und anerkanntesten Kurtisane Venedigs aufzusteigen, in deren Bett Adlige, Politiker, Kaufleute und sogar ein Kardinal ein paar schöne Stunden verbringen. Und dazwischen eben auch Marco, der von seiner eigenen Frau, einer langweiligen reichen Erbin, ziemlich angeödet ist.

Natürlich wird Veronica vor allem von Vertretern der Kirche äußerst misstrauisch betrachtet und verdammt, und als in Venedig die Pest ausbricht, haben die verklemmten Moralapostel einen willkommenen Sündenbock in ihr und ihren Kolleginnen; ihr unmoralisches Treiben sei Gott ein Dorn im Auge, und deshalb habe er persönlich für die Pestepidemie gesorgt. Der Papst schickt seinen Inquisitor,Veronica wird als Hexe verdächtigt und festgenommen, und es kommt zum Prozess, in dessen Verlauf sie ihre Sünden bereuen soll…

Beim Anschauen des über 20 Jahre alten Films fragt man sich immer wieder, ob man ihn auch heute – im Zeitalter von #MeToo – auch noch so drehen könnte, denn zumindest zu Beginn ihrer „Karriere“ sieht man, dass sie den Sex mit fremden Männern durchaus genießt; so fragt sie am Morgen nach ihrem ersten Kunden verträumt „Who’s next?“ An keiner Stelle gewinnt man den Eindruck, sie werde zu etwas gezwungen, was sie nicht möchte, wenn man einmal von ihrem Einsatz für „Volk und Vaterland“ absieht, als sie sich mit dem etwas sonderlichen König von Frankreich einlassen muss, damit die Republik Venedig von ihm Schiffe bekommt, um sich gegen den drohenden Angriff der Türken verteidigen zu können.

Und kein einziges Mal wird Sexualität als etwas Obszönes dargestellt – ganz im Gegenteil: Da der Kameramann immer wieder mit Weichzeichner arbeitet, erwecken die entsprechenden Szenen eine gewisse Sinnlichkeit, die manche sicher auch als Kitsch bezeichnen würden. Und in der Szene, als eine Gruppe verheirateter Frauen von Veronica wissen möchte, warum ihre Männer immer wieder den Weg zu ihr finden, demonstriert sie mit Hilfe einer Banane stumm einen möglichen Grund. Und nicht einmal diese Szene hat etwas Ordinäres an sich, sondern ist einfach nur witzig und originell.

Als Veronica gegen Ende als Hexe vor Gericht steht und ein flammendes Plädoyer gegen Engstirnigkeit und Heuchelei hält, hat man zwar den Eindruck, so oder ähnlich könnte sich diese Szene zur damaligen Zeit wohl kaum abgespielt haben, aber man gönnt es dieser durch und durch sympathischen Figur von ganzem Herzen und akzeptiert auch diesen Anachronismus.


Ausstattung der DVD:

Bildformat: PAL 16:9
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Länge: ca. 107 Min.

Ausstattung der Blu-ray:

Bildformat: FullHD1080
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Länge: ca. 116 Min.

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