Dracula / Draculas Rückkehr / Wie schmeckt das Blut von Dracula

Land: GB 1958/1959/1968  Laufzeit: 82/92/95 min.  Mit: Christopher Lee  Label: Studio Hamburg Enterprises  : 27.9.2019 FSK: 12/16/16 – Ein Beitrag unseres Vampirjägers Julian Dax

© Studio Hamburg

Als die kleine britische Filmgesellschaft „Hammer“ Ende der 50er anfing, die aus alten Filmen bekannten Monster, wie z.B.  Dracula, Frankenstein oder Die Mumie zeitgemäß und vor allem in Farbe neu zu verfilmen, konnte wohl noch niemand ahnen, dass der Begriff „Hammer-Horror“ sich sehr schnell zum Markenzeichen und vor allem Gütesiegel entwickeln würde. Und am Anfang stand Dracula, der Christopher Lee quasi über Nacht zum Star machte.

Es ist heutzutage kaum vorstellbar, für wieviel Aufregung der 1958 von Terence Fisher inszenierte Film sorgte; so schrieb etwa der Filmkritiker der „Daily Mail“ seinerzeit:“Einer der widerlichsten Horrorfilme, die ich seit Jahren gesehen habe.“
Und mit dieser Meinung stand er keineswegs allein da. Woran sich vor allem konservative Zeitgenossen stießen, war der offensichtliche Zusammenhang zwischen dem Biss des Vampirs – vorzugsweise in die Hälse junger, attraktiver Frauen, die ihn mit bebendem Busen geradezu ersehnten – und einem Sexakt. Und da Christopher Lee ein äußerst attraktiver Schauspieler war, befürchteten wohl so manche braven Ehemänner, ihre Gattinnen könnten womöglich auch dessen Charme und Verführungskünsten erliegen. Dennoch wollten sehr viele den Film sehen, sodass er seine eher bescheidenen Herstellungskosten um ein Vielfaches wieder einspielte.

Natürlich sieht man Dracula sein Alter an, denn besonders gruselig wirkt er heute nicht mehr – die jetzt vorliegende Neuauflage hat eine Altersfreigabe ab 12 – dafür besitzt er jedoch nach wie vor gewisse Qualitäten; Kostüme und Dekors erstrahlen in prächtigen Farben, die Atmosphäre ist sehr stimmig, und auch die musikalische Untermalung überzeugt.

Nach dem riesigen Erfolg war es klar, dass der Graf aus Transylvanien zurück kommt, auch wenn er am Ende von Dracula zu Staub zerfällt. Draculas Rückkehr (OT: Dracula Has Risen From The Grave) ist der dritte Film, in dem Christopher Lee das berühmte Cape überzieht, und Regie führte diesmal Freddie Francis, ein anerkannter Kameramann und Oscar-Gewinner. Der auferstandene Graf treibt sein Unwesen diesmal in einem kleinen Ort in England, wo er vor allem an einer attraktiven Blondine (Veronica Carlson) großes Interesse zeigt. Doch deren atheistischer (!) Freund (Barry Andrews) sowie ein resoluter Pfarrer (Rupert Davies) machen ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. Da Francis eindeutig etwas von seinem eigentlichen Beruf versteht, bietet auch Draculas Rückkehr großartige Bilder, auch wenn die Hauptfigur selbst relativ wenig zu tun hat.

Wie schmeckt das Blut von Dracula (OT: Taste The Blood Of Dracula) ist der interessanteste der drei hier vorgestellten Filme und bietet innerhalb der Reihe mindestens eine Besonderheit; er beginnt an genau der Stelle, an der Draculas Rückkehr geendet hat. Ein Handlungsreisender (Roy Kinnear) wird mitten im Nirgendwo aus einer  Kutsche geworfen und wird Zeuge, wie Dracula, gepfählt mit einem Kreuz, das Zeitliche segnet, während er blutige Tränen weint. Doch da der Handlungsreisende offenbar ein cleverer Geschäftsmann ist, nimmt er die Überreste an sich, um sie zu Geld zu machen.
Die Handlung setzt sich fort in London, wo man drei nach Außen hin honorige Bürger kennen lernt, die es jedoch nachts in ein Luxusbordell treibt. Und dort lernen die drei dekadenten Herren einen jungen Adligen kennen (Ralph Bates) und lassen sich von ihm dazu überreden, an einer Art Schwarzen Messe teilzunehmen, in deren Verlauf Graf Dracula mit Hilfe seiner Reliquien wieder zum Leben erweckt werden soll. Während Dracula langsam Gestalt annimmt, bekommt dem jungen Lord dessen Blut gar nicht, und als er sich in Krämpfen windet, erschlagen ihn die drei Herren und flüchten. Das gefällt dem wieder zu voller Pracht erblühten Grafen ganz und gar nicht, und er schwört Rache mit der knappen Ansage: „They have destroyed my servant. They will be destroyed.“ Und flugs macht er sich ans Werk, indem er sich der erwachsenen Kinder der Herren bedient.

Was Wie schmeckt das Blut von Dracula so besonders macht, ist vor allem die Sorgfalt, mit der Regisseur Peter Sasdy den Film inszeniert; wie in keinem anderen der insgesamt sieben Dracula-Filmen mit Christopher Lee wird die viktorianische Epoche mit ihrer Verklemmtheit und Doppelmoral derart sichtbar wie hier. Und auch wenn Draculas Motive, den Racheengel zu geben, nicht unbedingt logisch erscheinen, akzeptiert man auch das. Und sollte Lee allmählich die Nase voll gehabt haben von der Rolle, die ihn berühmt gemacht hatte, so ist er doch Profi genug, sich das nicht anmerken zu lassen, denn er verleiht Dracula nach wie vor eine ungeheuere Präsenz. Im Grunde kann man diesen Film als letzten sehenswerten „Hammer-Dracula“ bezeichnen, denn der Nachfolgefilm Dracula – Nächte des Entsetzens (OT: The Scars Of Dracula), vor allem aber Dracula jagt Mini-Mädchen (OT: Dracula A.D. 1972) sowie Dracula braucht frisches Blut (OT: The Satanic Rites Of Dracula) sind vollkommen indiskutabel.


Technische Daten aller Blu-ray-Discs:

Bildformat: 16:9 , Tonformat: dts HD 2.0 , Sprache: Deutsch, Englisch

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2 Antworten zu Dracula / Draculas Rückkehr / Wie schmeckt das Blut von Dracula

  1. steffelowski schreibt:

    Fehlt da nicht Blut für Dracula, die Fortsetzung von 1965? 🤔

    Liken

  2. Julian Dax schreibt:

    Nach „Dracula“ drehte Terence Fisher „Dracula und seine Bräute“, zwar mit Peter Cushing, dafür aber ohne Christopher Lee. Als dritter Film der Reihe kam dann „Blut für Dracula“, in dem Lee wieder auferstehen durfte, dafür jedoch den ganzen Film über stumm bleiben musste – mit Ausnahme von Fauchen und Knurren. Weiter ging es dann mit „Draculas Rückkehr“.

    Gefällt 1 Person

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