John Wick 3

Land: USA 2019  Laufzeit: 132 Minuten  Regie: Chad Stahelski  Mit: Keanu Reeves, Halle Berry, Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Asia Kate Dillon  LabelConcorde Home Entertainment  : 4.10.2019  FSK: 18 – Von Julian Dax:

© Concorde

Ob es wohl irgendwo da draußen irgendwelche Nerds gibt, die verzweifelt versuchen, die Anzahl der Toten im Verlauf der 130 Minuten zu zählen, die John Wick – Kapitel 3 benötigt, um von den weiteren Abenteuern der Titelfigur zu erzählen?
Falls ja, dann ist es wohl ein absolut müßiges Unterfangen, und so kann man lediglich schätzen und kommt dabei auf gefühlte 437!

Im ersten Film lernt man John Wick kennen, einen in New York beheimateten Profikiller erster Güte, der sich nach dem Tod seiner Frau zur Ruhe gesetzt hat. Als sein geliebter kleiner Hund – ein Geschenk seiner Frau – getötet wird, tritt er jedoch wieder in Aktion und ruht nicht eher, bis er die Schuldigen liquidiert hat. Im zweiten Film lernt man die ebenso geheimnisvolle wie multi-nationale Organisation etwas besser kennen, für die John tätig gewesen ist und wird am Ende Zeuge, wie er eine der eisernen Regeln bricht, indem er im „Continental Hotel“, einer Art Refugium für Mitglieder, jemanden erschießt.

John Wick – Kapitel 3, der im Original noch den Zusatz Parabellum trägt, eine Anspielung auf das lateinische Zitat „Si vis pacem para bellum.“ („Wenn du Frieden willst, bereite Krieg vor.“) schließt unmittelbar an das Ende des zweiten Teils an. Da John gegen eines der Gesetze der ominösen Organisation verstoßen hat, wird er „exkommuniziert“, d.h. für vogelfrei erklärt, wobei auch noch ein Kopfgeld in Höhe von 14 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt wird. Auch ist es jedem bei Strafe verboten, ihn in irgendeiner Form zu unterstützen. Um zu überleben, muss John trotzdem Verbündete finden, zunächst in New York, etwas später dann in Casablanca…

Schaut man sich den Großteil der heutigen Blockbuster an, stellt John Wick gleich in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit dar; zunächst einmal handelt es sich bei ihm weder um eine Comic-Figur noch um einen Romancharakter, sondern um jemanden, der speziell fürs Kino erdacht worden ist. Dazu kommt, dass sich die Macher von Anfang an dazu entschlossen haben, ihn zwar in der realen Welt zu verorten, jedoch gleichzeitig zu betonen, dass alles Weitere, d.h. Handlung, Charaktere, Actionszenen und nicht zuletzt die exzessive Gewalt gar nichts mit der Realität zu tun haben.

Natürlich kann man Zweifel anmelden an einer von Film zu Film erfolgreicheren Reihe, deren einzige Daseinsberechtigung darin zu bestehen scheint, dem zahlenden Zuschauer möglichst viel Gewalt zu bieten, doch ganz so ist es nicht. Man muss Regisseur Chad Stahelski unbedingt bescheinigen, dass seine Reihe Erfolg hat, wo unzählige andere stumpfsinnige Ballerorgien jämmerlich versagen, denn er bringt die entsprechenden Voraussetzungen mit: Jede einzelne Sequenz ist äußerst sorgfältig komponiert und bietet nicht nur ausgeklügelte Kampfchoreographie, originelle Schauplätze (s. Glaspalast!), sondern hat in Kameramann Dan Lausten auch einen absoluten Könner seines Faches, der bei aller Rasanz stets weiß, dass der Zuschauer genau erkennen soll, wer da gerade was macht.

Insofern ist es beinahe schade, dass der eigentliche Höhepunkt bereits relativ früh im Film auftaucht: Auf der Suche nach Hilfe begegnet John einer gewissen Sofia (Halle Berry), ebenfalls ein Mitglied der Organisation, die ihm ganz offensichtlich noch einen Gefallen schuldig ist. Ihre ständigen Begleiter sind zwei bestens trainierte Hunde, die man im wahrsten Sinne des Wortes als „Kampfhunde“ bezeichnen muss. Bei dem kurz nach ihrer Begegnung einsetzenden Kampf beweisen nicht nur John und Sofia ihre mehr als erstaunlichen Kampftechniken – auch die beiden Hunde greifen entscheidend ins Kampfgeschehen ein. Und Stahelski als ehemaliger Stuntman erwartet nicht nur von seinen menschlichen Darstellern vollen körperlichen Einsatz; auch in Bezug auf seine tierischen Akteure kommt er ohne CGI aus, was bei allem Irrsinn paradoxerweise den Realitätsgehalt wesentllich steigert. Auch wenn im weiteren Verlauf noch etliche spektakuläre Sequenzen folgen, stellt diese Szene zweifellos ein Novum innerhalb des Action-Genres dar.

Besonderes Lob gebührt natürlich vor allem Keanu Reeves, der nach der Matrix-Trilogie eher in mittelmäßigen Filmen zu sehen war und hier – trotz seiner 54 Jahre – eine enorme physische Präsenz zeigt, und das mit lediglich einem Minimum an Dialogen. Dabei erscheint er nicht etwa als tumber Schlagetot, sondern als gequälte Seele, die sich nach Erlösung sehnt. Ihm zur Seite bzw. als Gegenspieler stehen ebenfalls bewährte und engagierte Akteure; neben der bereits erwähnten Halle Berry verdienen vor allem Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Anjelica Huston sowie Ian McShane als zwielichtiger Hotelmanager Winston eine lobende Erwähnung.

Und so ist man auch nicht allzu enttäuscht, dass John Wick – Kapitel 3 keineswegs, wie ursprüngllich behauptet, den Abschluss einer Trilogie bildet, sondern am Ende die Tür zu einer Fortsetzung sperrangelweit offen lässt. Wie die Beteiligten den dritten Teil allerdings noch toppen wollen, bleibt vorerst ihr Geheimnis.


DVD:

Bonus
–          Parabellum: Das Vermächtnis der Hohen Kammer
–          Excommunicado

Technische Ausstattung
Bildformat:                               2,40:1, (16:9)
Sprache/ Ton:                          Deutsch Dolby Digital 5.1/ DTS 5.1, Dolby Digital 2.0
Sprache/ Ton:                          Englisch Dolby Digital 5.1
Untertitel:                                Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte (ausblendbar)

Blu-ray:

Bonus

–          Parabellum: Das Vermächtnis der Hohen Kammer
–          Excommunicado
–          Das Ziel vor Augen
–          Aufsatteln, Mr. Wick!
–          Motorräder, Klingen, Brücken und Bits
–          Das Continental in der Wüste
–          Dog Fu
–          Das Haus aus Glas
–          Aufnahme für Aufnahme
–          Deutscher Kinoteaser
–          Deutsche und Original-Kinotrailer

Technische Ausstattung
Bildformat:                                1080p High Definition, 2,40:1, (16:9)
Sprache/ Ton:                           Deutsch DTS-HD Master Audio 7.1, Dolby Digital 2.0
Sprache/ Ton:                           Englisch DTS-HD Master Audio 7.1
Untertitel:                                  Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte (ausblendbar)

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2 Antworten zu John Wick 3

  1. Anonymous schreibt:

    Schön zu sehen, dass Mark Dacascos den Martial Arts noch nicht altersbedingt den Rücken gekehrt hat. An seine buchstäblich fantastische Rolle in „Der Pakt der Wölfe“ als eine irrwitzige Mischung aus Indianer, Kampfmönch und Schamane (kurz: dem Besten, was West und Ost zu bieten haben) kam er leider nie wieder heran. Und wie schlägt er sich hier? Man könnte ja sagen: Wenn’s gegen einen weißen WICKser geht, geht’s nicht nur um den Sieg, sondern ums Prinzip – aber das hülfe (hälfe, hölfe, Höllenfahrt…) natürlich auch nix 🙂

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  2. Anonymous schreibt:

    Schön zu sehen, dass Mark Dacascos den Martial Arts noch nicht altersbedingt den Rücken gekehrt hat. An seine buchstäblich fantastische Rolle in „Der Pakt der Wölfe“ als eine irrwitzige Mischung aus Indianer, Kampfmönch und Schamane (kurz: dem Besten, was West und Ost zu bieten haben) kam er leider nie wieder heran. Und wie schlägt er sich hier? Man könnte ja sagen: Wenn’s gegen einen weißen WICKser geht, geht’s nicht nur um den Sieg, sondern ums Prinzip – aber das hülfe (hälfe, hölfe, Höllenfahrt…) natürlich auch nix 🙂

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