Gigantes (Staffel 1)

Land: Spanien 2018 Regie: David Lowery  Label: Justbridge Entertainment : 20.9.2019 FSK: 16 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Justbridge

Bisher ist Spanien nicht unbedingt als Herkunftsland international bekannter Fernsehserien in Erscheinung getreten.
Ob sich das mit Gigantes  ändert?

Gigantes beginnt mit der Beerdigung von Frau Guerrero, die ihren Mann Abraham zum Witwer und ihre drei Söhne – der kleinste ist noch ein Baby – zu Halbwaisen macht. Sehr schnell wird klar, dass die Familie im Drogengeschäft tätig ist und die Söhne bereits mitmischen. Ebenso schnell merkt man, dass Abraham ein äußerst hartherziger und gnadenloser Soziopath ist: So herrscht er seine Söhne am Tag der Beerdigung folgendermaßen an: „Heute dürft ihr noch um eure Mutter trauern, ab morgen will ich niemanden mehr weinen sehen. In diesem Haus gibt es keine Tränen!“

Nach einem Zeitsprung sind seine Söhne mittlerweile erwachsen; Daniel als Ältester sieht sich als rechte Hand seines Vaters und natürlicher Nachfolger, Tomás hat sich zum Schein eine bürgerliche Existenz als Galeriebesitzer aufgebaut und sehr zum Missfallen seines Vaters eine Zigeunerin (doch, doch, in dieser Serie heißen Zigeuner noch Zigeuner und nicht Sinti oder Roma!) geheiratet und Clemente träumt von einer Karriere als Profiboxer.

Nach einem weiteren Zeitsprung erfährt man, dass Daniel 10 Jahre im Gefängnis gesessen hat, während sämtliche Geschäfte von Tomás erledigt wurden. Und Clemente ist offenbar spurlos verschwunden. Mit der Entlassung Daniels aus dem Gefängnis beginnt nun die eigentliche Handlung, in deren Verlauf ein gnadenloser und äußerst blutiger Kampf um die Vorherrschaft im Guerrero-Clan entbrennt, in den auch eine Zigeunersippe, diverse Gesetzeshüter (korrupt und integer) sowie Kolumbianer, Ukrainer und, und, und verwickelt werden…

Offensichtlich hatten die Macher von Gigantes so etwas wie die spanische Version der sehr erfolgreichen italienischen Serie Gomorrha im Sinn, die ebenfalls Aufstieg und Fall einer verbrecherischen Familie in Neapel schildert, doch leider muss man bereits nach den ersten sechs Episoden feststellen, dass die Klasse von Gomorrha – zumindest der ersten beiden Staffeln – bei Weitem nicht erreicht wird. Und das hat gleich mehrere Ursachen.

Obwohl man eigentlich erwarten könnte, dass sich eine Serie Zeit nimmt, um die Charaktere entsprechend ausführlich vorzustellen, ist das hier leider nicht der Fall; die drei Brüder sind weitgehend nur Klischeefiguren (arroganter Schnösel, brutaler Vollstrecker, beschränkter Loser) und die um sie herum gruppierten Figuren sind noch nicht einmal das, sondern handeln stets so, wie es das Drehbuch vorsieht, ganz gleich, ob das nun Sinn ergibt oder nicht. Und da wirklich keine einzige Person auch nur annähernd sympathisch wirkt, verliert man auch sehr schnell das Interesse an ihrem Tun: Wie und warum soll man mit äußerst unangenehmen Typen – und das schließt sogar die Tochter von Tomás mit ein, eine nervige, verzogene Göre – Mitleid haben, wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen, um ihre zweifelhaften Ziele zu erreichen?

Während also die Handlung so vor sich hin plätschert, bietet Gigantes Freunden härterer Kost in bestimmten Abständen immerhin wüste Schließereien mit zahlreichen Toten; in einem Fall rutscht jemand sogar auf einer Blutlache aus. Und während man sich mit dem letzten Rest von Interesse fragt, wie die zahlreichen Handlungsfäden wohl zusammengeführt werden, endet die erste Staffel mit einem ebenso dämlichen wie im Grunde unverschämten Cliffhanger und den Verweis auf die Fortsetzung in der zweiten Staffel. Wie sagt der Engländer so schön? „Thanks, but no thanks!“


Ausstattung der DVD (2 Discs – Digipack in Slipcase):

Bildformat: PAL 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
Länge: ca. 312 Min.

Ausstattung der Blu-ray (2 Discs – Digipack in Slipcase):

Bildformat:
Full HD 1080p
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
Länge: ca. 324 Min

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