Ad Astra – Zu den Sternen

Land: USA 2019  Regie: James Gray  Dauer: 124 min.  Mit: Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Ruth Negga, Kimberly Elise  Kinostart:  19.9.2019  FSK: 12 – Ein Beitrag unseres interstellaren Mitarbeiters Julian Dax:

© 2019 Twentieth Century Fox

 

Man kann sich gut vorstellen, dass die Marketing-Abteilung von Twentieth Century Fox Probleme damit hat, wie man James Grays neuen Film Ad Astra – Zu den Sternen bewerben soll, gehört er doch zu dem äußerst seltenen Genre von intelligenten Science Fiction Filmen.
Im Klartext heißt das, es gibt weder furchterregende Aliens noch spektakuläre Weltraumschlachten, und auch auf putzige Roboter und sprechende Waschbären verzichtet Gray vollkommen.

In einer nicht näher definierten entfernten Zukunft ist die Menschheit in der Lage, die Planeten unseres Sonnensystems anzufliegen. Als das Leben auf der Erde eines Tages aufgrund gewaltiger elektromagnetischer Stürme bedroht wird, beauftragt die Weltraumbehörde ihren fähigsten Astronauten Roy McBride (Brad Pitt, mit zunehmendem Alter immer besser!) mit einer geheimen Mission; er soll zum Neptun fliegen, den man als Quelle der massiven Störungen ausgemacht hat und die Angelegenheit klären. Das Problem ist, dass dies der letzte bekannte Aufenthaltsort von Roys Vater (Tommy Lee Jones) war, bevor dessen Kontakt zur Erde vor 27 Jahren abbrach…

2001 – Odyssee im Weltraum, Interstellar, Gravity – in diese mehr als illustre Reihe lässt sich nun auch Ad Astra problemlos einreihen. Ebenso wie in den genannten Beispielen beeindrucken zunächst einmal die technischen Details, mit denen der Film aufwarten kann; Raumfahrzeuge, Kleidung, physikalische Gesetze – alles wirkt überzeugend und nachvollziehbar, auch wenn Gray nicht unbedingt an ausführlichen Erklärungen interessiert ist. So erfährt man z.B. nichts über die Technik, die es ermöglicht, solch ungeheueren Entfernungen in relativ überschaubarer Zeit zurückzulegen. Im Vordergrund steht der Mensch, d.h. in diesem Fall der Astronaut Roy McBride und dessen mehr als problematisches Verhältnis zu seinen Mitmenschen, vor allem jedoch zu seinem Vater.

Um eine möglichst große Nähe zur Hauptfigur zu erhalten, wird man als Zuschauer bereits in der ersten Einstellung mit McBrides Gedanken konfrontiert, die sich über den gesamten Film erstrecken und seine zutiefst fatalistische Weltsicht wiedergeben. Und das ist auch schon der einzige Kritikpunkt, den man Ad Astra vorwerfen könnte, denn Brad Pitt ist mittlerweile ein solch glänzender Darsteller, dass sich das Meiste bereits in seiner Mimik und Gestik ablesen lässt und keinerlei Erklärungen bedarf, zumal diese nicht unbedingt gravierende neue Erkenntnisse vermitteln.

Zwei  Sequenzen fallen in diesem ruhig erzählten Film mit seinen fantastisch komponierten Bildern und der äußerst stimmungsvollen Musik aus dem Rahmen, indem sie so etwas wie Action bieten; eine rasante Verfolgungsjagd auf der Mondoberfläche sowie eine unheimliche Begegnung auf einer verlassenen Forschungsstation mitten im Weltraum vermitteln den Eindruck, sie seien auf Druck der Geldgeber eingebaut worden, denn dramaturgisch notwendig sind sie beide nicht, auch wenn sie nicht stören und ebenfalls sehr effektiv gefilmt sind.

Mit Ad Astra beweist James Gray jedenfalls erneut, dass er zu den interessantesten und innovativsten Regisseuren Hollywoods gehört, der unbeirrt seine Visionen umsetzt und sich nicht um Kommerz und Publikumserwartungen kümmert. Freunde intelligenter Filmunterhaltung sollten ihn und seinen Film daher unbedingt unterstützen und ihre Zustimmung mit dem Kauf einer Eintrittskarte bezeugen.

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