Downton Abbey

Land: GB 2019  Regie: Michael Engler  Dauer: 123 min.  Mit: Hugh Bonneville, Elizabeth McGovern, Michelle Dockery, Jim Carter, Maggie Smith  Kinostart:  19.9.2019  FSK: 0 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© Universal 2019

Eigentlich ist Robert Altman verantwortlich für den riesigen weltweiten Erfolg der britischen Fernsehserie Downton Abbey, die in sechs Staffeln und diversen Weihnachtsspecials vom Leben und Treiben auf einem ebenso noblen wie hochherrschaftlichen Landsitz in England zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt.
Mit seinem Film Gosford Park lieferte er die Blaupause, denn hier wie dort besteht der besondere Reiz darin, dass man unter den zahlreichen Figuren nicht nur die hohen Herrschaften kennen lernt, sondern der Dienerschaft ebenso viel Platz eingeräumt wird.

Jedenfalls wirkte der Oscar für das beste Original-Drehbuch im Jahre 2001 als Motivator für dessen Autor Julian Fellowes, der die Idee für die Serie nach demselben Muster entwickelte. Als die Serie vor drei Jahren auslief, und das ohne erkennbare Schwächen bis zum Schluss, dachten alle, das sei es nun gewesen. Und so wurde die Ankündigung, dass Downton Abbey nun im Kino doch noch eine Rückkehr erlebt, mit durchaus gemischten Gefühlen aufgenommen. Würde es gelingen, all die vielen Charaktere, mit denen man immerhin sechs Jahre lang gelacht, geweint, gelitten, gejubelt und gebangt hat, in einem zweistündigen, für sich stehenden Film unterzubringen?

Man schreibt inzwischen das Jahr 1927, und die Bewohner des malerischen Landsitzes haben soeben die Nachricht erhalten, König Georg V. und seine Frau Mary beabsichtigten, auf ihrer kleinen Rundreise auch Downton Abbey zu besuchen und sogar dort zu übernachten. Natürlich setzt das alle in helle Aufregung. Inzwischen hat Lady Mary, die älteste Tochter des Earl of Grantham, die Oberleitung übernommen, und da sie Zweifel hat, dass der zum Chefbutler ernannte Thomas Barrow seiner Aufgabe gewachsen ist, bittet sie dessen Vorgänger Carson darum, noch einmal die Oberleitung zu übernehmen.

Zusätzlich wird die Gesamtsituation noch dadurch kompliziert, dass das Königspaar mit eigener Entourage reist, die sowohl die Küche als auch das Servieren der Speisen übernehmen möchten. Doch das Stammpersonal ist damit natürlich absolut nicht einverstanden und entwickelt einen raffinierten Plan.

Doch auch in den oberen Etagen rumort es; Lady Violet (die unvergleichliche Maggie Smith in ihrer Paraderolle!) hat erfahren, dass eine entfernte Cousine, mit der sie seit vielen Jahren kein Wort mehr gewechselt hat, inzwischen zur Hofdame aufgestiegen ist und sich ebenfalls angekündigt hat…

Wie er es geschafft hat, ist zwar ein Rätsel, aber Julian Fellowes´ Drehbuch bringt es tatsächlich fertig, so gut wie alle bekannten und beliebten Figuren unterzubringen und sogar noch ein paar neue hinzu zu fügen. Und die schier unzähligen Handlungsstränge, zu denen u.a. ein geplantes Attentat, schwules Leben in der damaligen Zeit und Anflüge von Kritik an der Monarchie gehören, enthalten keine losen Enden, auch wenn man sich wünscht, der Film würde sich hier und da etwas mehr Zeit nehmen.

Dafür bietet Downton Abbey auf der großen Leinwand natürlich wesentlich mehr Schauwerte als auf dem Bildschirm, und Kamera und Musik schwelgen geradezu in solch opulenten Bildern und Tönen, dass man wohl davon ausgehen kann, auch bisher „Nichteingeweihte“ müssten eigentlich Gefallen daran finden.

Und doch mischt sich am Ende ein Hauch von Endlichkeit ins Geschehen, was nicht nur mit einer völlig unerwarteten Enthüllung in Bezug auf eine der Hauptfiguren zusammmenhängt; Carson und Haushälterin und Gattin Mrs Hughes schließen die Eingangstür des Haupthauses ab, die Kamera erhebt sich in die Luft und zeigt das festlich beleuchtete Anwesen. Noch einmal ertönt das musikalische Hauptthema, und mit diesen Eindrücken wird man in die Wirklichkeit entlassen und stellt verblüfft fest, dass es Downton Abbey gelungen ist, zwei Stunden lang all das vergessen zu machen, womit Großbritannien momentan die Schlagzeilen beherrscht. Und das ist wohl ein echtes Kunststück!

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