Ein Gauner und Gentleman

Land: USA 2019  Regie: David Lowery  Mit: Robert Redford, Sissy Spacek, Gene Jones  Label: dcm Film  : 13.9.2019  FSK: 6 – Ein Beitrag von Julian Dax:

© dcm

 

Allzu viele lebende und noch aktive Ikonen jenseits der 80 gibt es im Filmgeschäft nicht; eigentlich fallen einem auf Anhieb nur Clint Eastwood und Robert Redford ein.

Und der Letztgenannte hat nun verkündet, er wolle nach Ein Gauner und Gentleman (Originaltitel: The Old Man & The Gun) keine weiteren Filme mehr drehen.

David Lowerys Film erzählt „nach einer fast wahren Geschichte“, wie es im Vorspann und auf der DVD-Hülle heißt, von Forrest Tucker, der bereits mit 15 Jahren eine kriminelle Laufbahn einschlägt, die er dann auch bis ins hohe Alter weiterverfolgt. Obwohl er einen großen Teil seines Lebens in Gefängnissen verbracht hat – aus denen ihm immerhin 16 Mal die Flucht gelungen ist – kann er es auch als mittlerweile in Unehren ergrauter älterer Herr nicht lassen; mit Hilfe von zwei Komplizen (Danny Glover und Tom Waits) begeht er nach wie vor Banküberfälle, bei denen weder ein Schuss fällt noch ein Tropfen Blut vergossen wird. Höflich und charmant bittet Tucker die jeweilige Schalterbeamtin, seine mitgebrachte Aktentasche mit Banknoten zu füllen, und dazu genügt es ihm, nur kurz sein Jackett zu lupfen, wobei Lowery das stets so filmt, dass man als Zuschauer kein einziges Mal eine Waffe sieht.

Nach einem Coup lernt er Jewel (Sissy Spacek) kennen, die Besitzerin einer hoch verschuldeten Ranch, und beide empfinden sofort Sympathie füreinander. Doch der Ermittler John Hunt (Casey Affleck) ist der von den Medien so getauften „Bande der Überfälligen“ – die in der Originalfassung wesentlich charmanter  Over The Hill Gang“ heißt – auf den Fersen, wobei man immer mehr den Eindruck bekommt, er sympathisiere heimlich mit dem alten Herrn…

Offensichtlich hat sich Robert Redford seine letzte Filmrolle mit Bedacht ausgewählt, kann er doch hier all seine Stärken noch einmal mit der ihm fast in all seinen Rollen eigenen Leichtigkeit ausspielen. So genügt oft nur ein verschmitzter Blick oder das Lupfen seines Hutes, um der von ihm verkörperten Figur so gut wie alles durchgehen zu lassen. Dazu hält Autor und Regisseur Lowery für alle Fans noch etliche Anspielungen parat; so antwortet Tucker auf Jewels Frage, ob er reite, mit einer verlegenen Verneinung, und sofort hat man Bilder von Redford im Kopf aus Zwei Banditen oder Der elektrische Reiter. Und gegen Ende sieht man kurz hintereinander die vielen Ausbrüche,bei denen sich Lowery etlicher echter Aufnahmen von Redford in jüngeren Jahren bedient.

Überhaupt hat man bei dem Film den Eindruck, er spiele nicht nur im Jahre 1981, sondern er sei auch damals gedreht worden, was nicht nur den äußerst sorgfältig gestalteten Schauplätzen und Kostümen geschuldet ist, sondern auch der für heutige Verhältnisse gemächlichen Erzählweise, die man jedoch in keiner Minute als langatmig empfindet, sondern als willkommene Abwechslung von den vielen hektisch geschnittenen Filmen heutzutage.

Und natürlich sind da die allesamt hervorragenden Darsteller; selbst wenn Redford und Spacek einfach nur in einem Diner miteinander schäkern oder Afflecks Zuneigung zu seiner Familie gezeigt wird, sieht und hört man mit Interesse und Empathie zu.

Positiv zu Buche schlägt auch der völlige Verzicht, etwas über die Vergangenheit der Hauptfigur zu zeigen; so erfährt man im Grunde gar nichts über Tuckers gesellschaftlichen Hintergrund und die Motive dafür, seinen Lebensunterhalt mit Verbrechen zu bestreiten. Obwohl der Begriff „Lebensunterhalt“ hier nicht ganz richtig ist, denn für Tucker ist es weit mehr als das, es ist schlicht und einfach sein Leben. Insofern trifft Hunt den Nagel auf den Kopf, als er ihn mit den Worten charakterisiert „He’s just an old guy who loves robbing banks.“

Ganz gleich, ob Redford seine Entscheidung, keine Filme mehr zu drehen, wieder rückgängig macht – was wirklich bedauerlich wäre – hat er mit Ein Gauner und Gentleman einen Film hinterlassen, der seiner absolut würdig ist.

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